Elektromobilität Hersteller von Ladesystemen sind optimistisch

Den DC-Ladestecker für das kombinierte AC-/DC-Ladesystem hat Phoenix Contact gemeinsam mit Automobil-Herstellern entwickelt.
Den DC-Ladestecker für das kombinierte AC-/DC-Ladesystem hat Phoenix Contact gemeinsam mit Automobil-Herstellern entwickelt.

Lapp und Phoenix Contact setzen mit Ladestecksystemen auf den Zukunftsmarkt Elektromobilität. Beide Hersteller haben Neu- und Weiterentwicklungen in der Pipeline. Die Beispiele zeigen: Deutsche Hersteller sind technologisch gut aufgestellt, auch wenn das auf der Straße noch nicht sichtbar ist.

China rettet derzeit in vielen Bereichen den Umsatz der deutschen Industrie. In Sachen Elektromobilität aber plagen das Reich der Mitte die gleichen Hindernisse wie Deutschland: Es hapert sowohl noch an der flächendeckenden Ladeinfrastruktur wie auch an wettbewerbsfähigen und bezahlbaren E-Vehikeln. Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zu Deutschland: Während in Deutschland vor allem Automobilkonzerne die Entwicklung vorantreiben, sind es in China die staatlichen Stromkonzerne, die in den nächsten Jahren ein flächendeckendes Netz an Ladestationen aufbauen wollen.

Phoenix Contact arbeitet an einem vollständigen Produktprogramm von Ladestecksystemen für die weltweite Elektromobilität und legt den Fokus dabei sowohl auf die unterschiedlichen AC-Ladesysteme wie auch auf das »Combined AC/DC Charging System«. Für automatisierte Batteriewechselsysteme gibt es bereits einen Hochleistungssteckverbinder, der Ströme bis 400 A übertragen kann.

Doch noch machen deutsche Hersteller mit Premium-Benzinern in China Kasse. Käme jetzt zu den bekannten Problemen in Europa noch ein Absatzeinbruch in China hinzu: Würde das auch die Entwicklung von Elektromobilen in Deutschland beeinträchtigen?

Melanie Meis arbeitet im Produktmarketing Field Device Connectors bei Phoenix Contact in Blomberg. Das Unternehmen hat sich mit seinem Portfolio an Ladeverbindungstechnik auch auf das Potenzial des chinesischen Marktes eingestellt. So hat China inzwischen auch einen eigenen Standard für Ladesteckverbinder, den GB-Standard (Guojia Biaozhun), den auch Phoenix Contact im Programm hat. »China spielt eine wichtige Rolle in der Elektromobilität«, erklärt Meis. Das Elektromobilitäts-Produktprogramm von Phoenix Contact ist mit AC-Ladeleitungen Typ 1, Typ 2 und GB gestartet. Für den schnelleren DC-Ladevorgang bietet Phoenix Contact den DC-Connector Type 2 des Combined AC/DC Charging Systems an. Hier entwickelt Phoenix Contact für verschiedene Elektrofahrzeuge das entsprechende Combined AC/DC Vehicle Inlet. Darüber hinaus hat Phoenix Contact automatisiert einsetzbare Hochleistungssteckverbinder für Batterie-Wechselsysteme im Programm und bedient damit Infrastrukturen, wie sie zum Beispiel jüngst von Southern China Grid gemeinsam mit dem US-Start-up Better Place in Guangzhou eröffnet wurde: In dem modernen Servicezentrum für Elektroautos können Kunden die leeren Autoakkus vollautomatisiert von Maschinen austauschen lassen.

Eine Inflation, weltweite Rezession oder ein Absatzeinbruch in China würde den Markterfolg der GB-Ladesteckverbinder und der entsprechenden Bordnetze zwar beeinflussen, aber wahrscheinlich nur kurz verzögern, sagt Meis und führt den Megatrend »Nachhaltigkeit« als Argument ins Feld: »Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Kosten der Verbrennungsmotor-Technik die der Elektromobilität übersteigen.«

Lapp bietet im KFZ-Segment ausschließlich Lösungen für die Lade-Infrastruktur an, keine Hochvolt-Steckverbinder. Karl Knezar, Leiter Automotive bei Lapp Systems, sieht das  Geschäft mit der Elektromobilität stabil, wenngleich noch auf niedrigem Niveau: »Wenn weniger Elektro-Autos verkauft werden, hat das natürlich auch Einfluss auf den Absatz unserer Lade-Infrastruktur.« Insgesamt sei der Markt noch recht klein und folge nicht unbedingt denselben Mechanismen wie der Automobil-Markt als Ganzes, viele Herausforderungen seien noch sehr fahrzeugspezifisch. 

Noch steckt die Elektromobilität in den Kinderschuhen, in Deutschland sind für nächstes Jahr einige vergleichsweise hochpreisige Markteinführungen geplant, aber es gibt auch Billig-Modelle wie etwa den Renault Twizy. Je nachdem, wer das Auto herstellt und wo es verkauft und gefahren wird, braucht es unterschiedliche Inlets. So stellt Phoenix Contact für den europäischen Raum das Typ 2 AC-Inlet (Wechselstrom) und das Combined AC/DC Inlet Typ 2 (Wechsel- und Gleichstrom) zur Verfügung. Meis erklärt den Unterschied: »Der Vorteil des Combined AC/DC-Inlets ist nicht nur das schnelle DC-Laden in ca. 20 Minuten, sondern auch die Kompatibilität zum AC Typ 2-System«, erklärt sie. Damit könne das Fahrzeug an verschiedenen Ladesäulentypen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich mit Energie versorgt werden. »Wir gehen davon aus, dass sich aufgrund der zahlreichen Vorteile das Combined AC/DC Charging System weltweit durchsetzen wird.«

Karl Knezar von Lapp weist darauf hin, dass in der Lade-Infrastruktur zwar alle Kabel den geltenden Normen entsprechen müssen, aber je nach Ladekonzept das Ladesystem zum Beispiel fest im Fahrzeug verbaut oder beigelegt werden kann. Hinsichtlich der international unterschiedlichen Normen komme es also vor allem auf die vorhandene Infrastruktur-Umgebung an, weniger auf den Fahrzeugpreis.

Für wann rechnen Meis und Knezar mit einem Durchbruch und entsprechenden Stückzahlen und Umsatz im Bereich Hochvolt-Ladesysteme? Meis sieht das in den nächsten fünf Jahren kommen: »Die ersten Elektrofahrzeuge werden inzwischen in Serie produziert, und die Ladedauer ist aufgrund neuer Ladesysteme - etwa das Combined AC/DC Charging System - deutlich kürzer. Die dazugehörigen Hochleistungssteckverbinder sind sehr gefragt, und die Infrastruktur wird ab 2013 zunehmend mit Gleichstromladesäulen ausgestattet. Auch die deutsche Politik treibt die Elektromobilität mit Förderprogrammen voran, um eine Vorreiterrolle einnehmen zu können. Davon zeugen auch die vier Schaufenster-Projekte, die 2013 an den Start gehen. Wir rechnen daher bei der Nachfrage entsprechender Produkte mit einer stark steigenden Tendenz.«

Lapp mache bereits beträchtliche Umsätze mit Konfektionen im Bereich Energiespeicher und Ladesysteme, berichtet Knezar, »hier sind wir bereits Serienlieferant für mehrere europäische Hersteller«. Für einen Durchbruch von Elektrofahrzeugen als Volumen-Modelle müssten allerdings die Kosten für die Batterien noch deutlich sinken, »denn bisher sind Elektrofahrzeuge für viele Nutzer noch nicht wirtschaftlich«.

Der Trend im Bereich Elektromobilität gehe für Fahrzeughersteller dahin, den Bauraum des fahrzeugseitigen Inlets möglichst klein zu halten und das Gewicht deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig sei bei den Inlets hohe Leistung gefragt, denn »je höher die Leistung, desto schneller kann das Fahrzeug aufgeladen werden. Dieser Punkt stellt neben den Fahrzeugkosten ein entscheidendes Kaufkriterium für den Endkunden dar«, sagt Meis.

Karl Knezar von Lapp sieht vor allem die Normung im Bereich der Ladetechnik immer noch stark im Fluss, denn »erste Praxiserfahrungen führen auch zu Norm-Anpassungen«. Man treibe die Entwicklung entsprechend voran, mit Fokus auf Sicherheit, Gewicht und Kosten.

Einsparpotenzial für den Kunden sieht Meis vor allem beim Combined AC/DC Charging System: »Es vereint das AC-Laden mit dem DC-Laden. Hinter der »Tankklappe« findet der Fahrer beide Lademöglichkeiten an einer einzigen Position. Der Fahrzeughersteller spart eine zusätzliche AC- oder DC-Ladebuchse, und ein Großteil der Montagekosten entfällt. Darüber hinaus werden Bauraum und Gewicht des Fahrzeuges reduziert.« Einsparungen sollen sich laut Meis vor allem durch Scale-Effekte ergeben. Denn: »Bisher sind die Stückzahlen im Zusammenhang mit E-Mobilität sehr niedrig, verglichen mit dem, was sonst im Bereich Automotive üblich ist.

Lapp hat mehrere Neu- und Weiterentwicklungen in der Pipeline. »Wir können natürlich noch nicht im Detail verraten, was wir vorstellen werden, aber es geht vor allem um die Sicherheit. Wir erwarten, dass auch von Seiten der Versicherer neue Anforderungen gestellt werden, und Antworten darauf nehmen wir bereits vorweg«, berichtet Knezar.