Schwerpunkte

Interview Bopla

»Spagat zwischen Großserienfertigung und Manufaktur«

26. August 2020, 10:24 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Thema Displayintegration

Heißt dies, dass sich Ihr Unternehmen im Direktgeschäft verstärkt auf Dienstleistungen fokussiert?

Ein typischer Direktkunde kauft bei uns zumindest ein Gehäuse mit „Loch“ – und wenn wir unseren Job besonders gut machen, vertraut uns der Kunde sogar die komplette Realisierung seines elektronischen Gerätes an. Solche Projekte umfassen das komplette Portfolio an Know-how und Fertigungstechnologien, das uns in der „Phoenix Mecano“-Gruppe und bei unseren zuverlässigen externen Partnern zur Verfügung steht. Das Thema Displayintegration – insbesondere mit den Technologien zur Integration kapazitiver Touch-Systeme – haben wir in den vergangenen fünf Jahren besonderes stark vorangetrieben und decken damit offenbar exakt den Bedarf unserer Kunden ab. Dienstleistungen sind bei Weitem der wichtigste Bestandteil unseres Geschäftsmodells, ohne den die Rekordergebnisse der letzten Jahre nicht denkbar gewesen wären.

Mit der Marke Bopla haben wir über die vergangenen drei Jahre die höchsten Umsätze unserer 50-jährigen Firmenhistorie realisieren können und das Ganze mit steigender Tendenz. Die Integration von HMIs aller Art in unsere Gehäuse hat sich dabei als zentrales Standbein erwiesen.

Wie hoch sind die technischen Herausforderungen, Gehäuse und Eingabesystem exakt aufeinander abzustimmen?

Die technischen Herausforderungen würde ich in diesem Zusammenhang schon fast als zweitrangig einordnen – schließlich stehen uns das Know-how und die Technologien des gesamten Teams von Phoenix Mecano zur Verfügung. Die größte Herausforderung ist der Change-Prozess in der Unternehmensorganisation, die sich in allen Bereichen von einer reinen Auftragsbearbeitung weiterentwickeln und ein hohes Maß an Lösungskompetenz erarbeiten muss. Eine maßgeschneiderte Gehäuselösung mit HMI ist ein komplexes Produkt, und dabei ist es selbstverständlich von Vorteil, die Kommunikationswege möglichst kurz zu halten und direkten Zugriff auf möglichst viele Fertigungstechnologien zu haben.

Sowohl die optimale technische Lösung als auch die qualitativ optimale und effiziente Fertigung kann man aus meiner Sicht nur erreichen, wenn zentrale Systemkomponenten und darauf basierend die Komplettlösung aus einer Hand kommen. Die daraus resultierende hohe Flexibilität ist insbesondere wichtig, wenn man sich den Stückzahlbedarf unserer Kunden vor Augen hält: Fertigungslose, die zwischen einem hohen fünfstelligen bis zum einstelligen Bereich schwanken können, lassen sich nur sinnvoll unter einem Dach steuern. Wir müssen organisatorisch permanent den Spagat zwischen Großserienfertigung und Manufaktur meistern.

Sind mit dem Zusammenschluss von Bopla und Kundisch auch Sparmaßnahmen verbunden?

Selbstverständlich haben wir bei dieser Zusammenführung auch die möglichen Einsparpotenziale im Blick. Wie bereits erwähnt, werden beide Marken weiterhin eigenständig am Markt agieren, und zwar mit den für unsere Kunden bekannten Gesichtern. Personelle Anpassungen haben wir fast ausschließlich auf der oberen Managementebene durchgeführt, sodass die Geschäftsführung beider Häuser nun in einer Hand liegt. Wir erwarten, dass sich durch die engere Verzahnung der Organisationen und die daraus resultierende Effizienzsteigerung zukünftig automatisch deutliche Einsparungen ergeben. Dies war jedoch nicht der ausschlaggebende Grund für die Zusammenführung von Bopla und Kundisch. Durch den gemeinsamen Marktauftritt möchten wir vorhandene Marktpotenziale noch besser ausschöpfen, als dies bis dato auf getrennten Wegen der Fall war.

Hat die Pandemie bzw. die aktuelle Marktsituation, beeinflusst durch Covid-19, eine Rolle für die neue Organisation gespielt?

Diese Frage kann ich mit einem klaren Nein beantworten. Sämtliche Weichen wurden bereits gestellt und Entscheidungen getroffen, als man mit dem Begriff „Corona“ noch die Erinnerung an ein kühles Bier unter der Sonne Mexikos verband. Der Corona-Effekt wird selbstverständlich auch bei uns Spuren hinterlassen, aber wir sind bis dato erfreulich gut durch die Krise gekommen. Hier spielt uns unser sehr gutes und weltweit vernetztes Produktions- und Lieferantennetzwerk in die Hände, und natürlich sind auch unsere Kunden weiterhin sehr innovativ und benötigen Gehäuse- und HMI-Lösungen für Neuentwicklungen, die sich aktuell schwerpunktmäßig um die Eindämmung und Bekämpfung von Covid-19 drehen.

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