FMB Group »Die Weiterentwicklung der galvanischen Oberflächen ist eines unserer wichtigsten Projekte«

Die Strategie der FMB Group ist es, sich zum Dienstleister zu entwickeln, dessen Angebot über die reine Veredelung von Schüttgut hinausgeht. Im Vordergrund stehen dabei nicht nur Umweltschutz und Recycling, sondern auch Ressourceneinsparung für den Kunden.

Markt&Technik: Herr Eidner, Sie wollen die FMB Group zu einem Full-Service-Dienstleister ausbauen - wo konkret setzen Sie an?  

Falko A. Eidner: Der Markt für elektrische Kontakte und Steckverbinder macht zurzeit einen umfassenden Wandel durch: Es gibt aktuell Generationswechsel in den Führungsebenen, die Qualitätsanforderungen steigen und damit auch die Verlagerung der Qualitätsrisiken. Die Übernahme von mehr Verantwortung für das ganze Produkt ist für uns daher eine logische Folge. Der Anteil der Galvanikkosten inklusive Edelmetall an einem Steckverbinder kann mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten betragen. Die galvanische Oberfläche als wesentlicher Träger der Eigenschaften und Funktion des Kontaktes ist in der Wertschöpfungskette an letzter Stelle. FMB hat als Premium-Anbieter für selektive Oberflächen  vor mehr als 10 Jahren die Notwendigkeit erkannt, spezielle Verfahren für die selektive Oberflächenveredlung zu entwickeln. FMB bietet mit seinem 8-Punkte-Service-Paket, das von der Forschung und Entwicklung bis zum Logistikkonzept reicht, eine umfassende Dienstleistung an, die auch das Rohteil mit einbezieht.

Die hohen Rohstoffpreise, vor allem für Gold, müssen für ein Unternehmen mit Fokus auf Selektiv-Veredelung doch eine Steilvorlage sein. Welche technischen Fortschritte macht FMB?

Das oberste Ziel unserer Entwicklung sind neue Schichtsysteme mit erhöhter Funktionalität. Hierzu entwickeln wir entsprechende Verfahren. Außerdem geht es darum, vorhandene Schichtsysteme zu optimieren - und dazu die entsprechenden Verfahren zu verbessern. Die zweite Säule unserer Entwicklung ist die Anpassung und Neuentwicklung der Anlagentechnik. Das Ziel dabei ist, zum einen eine neue Technik zu installieren, mit der sich neue Prozesse, wie etwa partielles Galvanisieren - selective plating - und Hochgeschwindigkeitsabscheidung realisieren lassen und zum anderen vorhandene Technik zu modifizieren, so dass sie wirtschaftlicher, umweltfreundlicher und prozessfähiger wird. Die dritte Säule der Entwicklung bezieht sich auf den Fertigungsprozess als Ganzes. Es geht darum,  die Toleranzen der Prozessparameter zu verringern und damit die Prozessfähigkeit aller Vorgänge zu erhöhen.

Welche Unterschiede bestehen zwischen Bandgalvanik und der Methode von FMB?

Für hochwertige Kontakte und für Leistungselektronik sind bestimmte Einzelteile nicht aus Band stanzbar, darunter fallen rotationssymetrische Teile wie Buchsen, verwinkelte Teile, nicht bandfähige Drehteile, Schraubkontakte und  komplexe Geometrien wie z.B. 90°-Winkel. Für Bandgalvanik sind außerdem große Stückzahlen notwendig. Bei der Bandgalvanik entstehen hohe auftragsfixe Kosten, das ergibt hohe Stückkosten bei kleineren Mengen. Der Markt hat in den letzten Jahren eine höhere Auftragsvarianz notwendig gemacht, d.h. die auftragsbezogenen Losgrößen sind jeweils kleiner und nicht rentabel auf einer Bandanlage zu fertigen.

Welche Materialalternativen zu Gold, Silber und Palladium bieten sich an?

Ich kann leider unsere Details aus Wettbewerbsgründen nicht offenlegen. Soviel sei jedoch gesagt: Die Weiterentwicklung der galvanischen Oberflächen ist eines der wichtigsten Projekte in der FMB Group, weil der Goldpreis aus unserer Sicht längerfristig auf hohem Niveau bleiben wird. Ein weiterer Aspekt ist die immer stärkere Nachfrage nach »custom tailered«-Oberflächen mit spezifischen Eigenschaften für die jeweiligen physikalischen und chemischen Funktionen.

Wie sieht Ihr Angebot bei Drehteilen aus?

In der Regel erhält FMB von den Drehereien oder Stanzereien die Aufträge zur Veredelung. Oft geschieht das auch in Absprache mit dem Endkunden, der die Qualität bestimmt. Die Drehereien und Stanzereien haben meistens zu geringes Wissen über Galvanotechnik, so dass die Qualitätsfindung oft ein schwieriger Weg ist. Wir als letzter in der Lieferkette sind ab sofort in der Lage, in Eigenverantwortung die Drehteile zu beschaffen und den veredelten Kontakt komplett aus einer Hand zu liefern. Aus unserer Zusammenarbeit mit Drehereien und Stanzereien haben wir in den letzten Jahren ein umfassendes Know-how über den Markt und die Hersteller erhalten, das uns die Möglichkeit gibt, für die jeweiligen Produkte unserer Kunden die besten und preiswürdigsten Lieferanten auszuwählen. Letztendlich können wir in Abstimmung die ganze Lieferkette übersehen, kontrollieren und allein durch Lagerhaltung der Rohteile und Just-in-time-Lieferungen die Kapitalbindung insgesamt reduzieren.

Wie weit ist die Steckverbinderbranche Ihrer Meinung nach bei der Optimierung des Edelmetallverbrauchs und bei anwendungsspezifischen Legierungen?

Bei unseren Gesprächen ist eine gewisse Hilflosigkeit zu erkennen, welches Einsparpotenzial in der Selektivgalvanik von FMB steckt, weil das Mittelmanagement in der Regel nicht erkannt hat, dass eine Kostenreduzierung nur über Goldeinsparung zu realisieren ist. In der Regel sind die CEOs nicht informiert. Dies stellen wir bei einschlägigen Gesprächen immer wieder fest. Über die Goldeinsparung durch selektive Veredlung hinaus untersucht unsere F&E-Abteilung Alternativen wie unterschiedliche Legierungen mit Goldanteil und auch andere Edelmetalllegierungen.

Etliche Steckverbinderhersteller haben eigene Galvaniken. Sehen Sie sich hier im Vorteil?

Die Betriebsgalvaniken haben klassisches Know-how in der Galvanotechnik und in der Regel nicht das breitgefächerte entwicklungstechnische Potential von FMB. Selbst die Galvaniken mit selektivem Know-how in der Bandgalvanik haben noch nicht über den Tellerrand geschaut und sind keine neue Wege gegangen, die ihnen Goldreduzierung bei Erhalt der Funktion und Qualität und die damit notwendige Kostenreduzierung ermöglichen.

Sie sagen, Sie wollen auch Recycling und Ressourcen- und Umweltschutz ausbauen, bis hin zu Verzicht auf Nasschemie. Welche zeitliche Pipeline haben Sie sich da vorgenommen?

Auf Basis der Goldpreisentwicklung hat sich der Gold-Recycling Markt ungeheuer entwickelt. Sie könne das an jeder Ecke beobachten, überall wird der Ankauf von Gold in jeder Form zu angeblich günstigen und fairen Preisen angeboten. Anders als klassische Goldscheideanstalten schreiben wir unseren Kunden mehr als 20 Prozent des Goldwertes gut und verwenden das zurückgewonnene Gold ohne Berechnung bei neuen Lieferungen. Wir haben das Goldrecycling in unser normales Galvanikgeschäft integriert - was die Rückgewinnung günstiger gemacht hat. Dieser Bereich ist ein Bestandteil unseres Dienstleistungsangebots.