Der Markt für Steckverbinder 2012 »Der Preisdruck wird stärker«

Rüdiger Prill, Geschäftsführung HARTING Deutschland GmbH & Co. KG, Vorsitzender der Fachgruppe Steckverbinder im ZVEI e.V.
Rüdiger Prill, Geschäftsführung HARTING Deutschland GmbH & Co. KG, Vorsitzender der Fachgruppe Steckverbinder im ZVEI e.V.

Rüdiger Prill ist Geschäftsführer von Harting und Vorsitzender der Fachgruppe Steckverbinder im ZVEI e.V. Welche Entwicklung erwartet er für dieses Jahr und welche Risiken birgt die Schuldenkrise? Kann sich die Steckverbinder-Branche weiterhin gegen den Preisdruck behaupten?

Herr Prill, wie wird sich der Markt für Steckverbinder 2012 in Deutschland und weltweit entwickeln? Wie lief das vergangene Jahr?

2011 hat sich die bereits 2010 gestartete Erholung des Marktes für Steckverbinder fortgesetzt. Spätestens in diesem Jahr werden wir das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben. Der ZVEI geht von einem Marktwachstum für 2011 im Inland von 6 Prozent aus. Je nach Absatzsegment liegen die Wachstumsraten bei einigen Mitgliedsfirmen im oberen einstelligen Bereich bzw. sind durchaus zweistellig. Die Wachstumstreiber sind neben der Industrieelektronik die KFZ-Elektronik und die Konsumelektronik mit 8 bzw. je 6 Prozent Wachstum für die beiden zuletzt genannten. Zum Jahresende 2011 gehen wir von einer leichten Eintrübung des Geschäftes aus.

2012 erwarten wir im Inland ein Marktwachstum von 2 Prozent. Die Ursache für diese Abschwächung ist im Wesentlichen das erwartete verlangsamte Wachstum der deutschen Wirtschaft insgesamt. Als großer Risikofaktor wird die anhaltende Unsicherheit auf den Finanzmärkten  - etwa die hohe Verschuldung - bzw. die damit verbundenen Auswirkungen auf Konjunktur und Konsumentenverhalten gesehen.

Weltweit wird nach einem Wachstum in 2011 von etwa 8 Prozent für 2012 ein Wachstum um die 4 Prozent erwartet. Die Region Asien/Pazifik, insbesondere China, treibt den Weltmarkt. Erste Anzeichen jedoch deuten darauf hin, dass auch in China zukünftig zweistellige Wachstumsraten nur noch schwer erzielt werden können.

Was werden in Deutschland die treibenden Märkte und Technologien sein und warum?

Die ganz übergeordneten gesellschaftlichen Trends wie Elektromobilität, Energieeffizienz, Energieerzeugung und –verteilung, Vernetzung, aber auch der Aufbau und die Erweiterung der jeweilig benötigten Infrastruktur in Ballungsräumen werden zu neuen Anwendungen führen. Im Automobilbereich beispielsweise kommen durch den erhöhten Einsatz von Elektronik und Sensorik mehr Steckverbinder zum Einsatz. Zusätzlich bietet die zunehmende Vernetzung von Mensch, Auto und Umwelt neue Einsatzmöglichkeiten. Die Trends der Miniaturisierung, Modularisierung und höhere Datenraten bei verbesserter Zuverlässigkeit und Sicherheit gelten weiterhin ungebrochen.

Welche Rolle wird die Industrieelektronik - im Speziellen im Bereich der Erneuerbaren Energien - spielen?

Nach der Kfz-Elektronik wird die Industrieelektronik das zweitgrößte Absatzsegment für Steckverbinder bleiben. Die Industrieelektronik wird auch in diesem Jahr ein treibendes Marktsegment sein. Insbesondere die erneuerbaren Energien stellen seit Jahren Wachstumsmärkte dar, selbst im Krisenjahr 2009. Seit der offiziellen Energiewende hat der Markt weiter an Bedeutung gewonnen. Die Solarenergie macht derzeit eine schwächere Phase durch, es herrscht hoher Wettbewerbsdruck aus Fernost, vor allem aus China. Sie ist als alternative Möglichkeit der Energieerzeugung jedoch nicht mehr weg zu denken.

Auch die Windenergie befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Neue Herausforderungen und Chancen bietet hier die Ausweitung von Offshore-Anwendungen. So fordert beispielsweise der Einsatz im Seewasser widerstandfähigere Gehäuse, korrosionsbeständigere Kontaktoberflächen und langzeitsichere Anschluss- und Montagetechniken.

Wie wappnet sich die Steckverbinderbranche gegen höhere Preise für Strom, Material und Rohstoffe?

Die Herstellung von Steckverbindern ist rohstoffintensiv, speziell Metalle wie Gold, Alu, und Silber werden eingesetzt, natürlich auch Kunststoffe. Diese Rohstoffe und Materialien unterlagen in den letzten Monaten und Jahren erheblichen Preissteigerungen, die nur zum Teil an den Markt weitergegeben werden konnten. Zusätzlich führen Spekulationen an den Material- und Rohstoffbörsen zu unkalkulierbaren Tagespreisen. Bei der Herstellung von materialintensiven Produkten haben Schwankungen einen erheblichen Einfluss auf die Kosten. Die Herausforderung besteht darin, entstehende Preissteigerungen durch Optimierung oder Produktivitätssteigerung zu kompensieren, was aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt möglich ist.

Welche Rolle spielt die Eurokrise? Manche Unternehmen spielen bereits einen Zusammenbruch der Währung als Ernstfall durch. Was würde solch ein Zusammenbruch für die Steckverbinder-Branche bedeuten?

Die Eurokrise beginnt sich besonders im europäischen Ausland auf die Realwirtschaft auszuwirken. Investitionen werden wegen mangelnder Unterstützung der Banken schwieriger. Die Mitmenschen verlieren das Vertrauen und der private Konsum lässt nach. Ein Zusammenbruch des Euro würde sicher nicht den Zusammenbruch der Steckverbinder-Branche zur Folge haben. Da aber gerade der Maschinenbau einen Großteil seiner Produkte in den Euroraum exportiert, hätte es doch empfindliche Auswirkungen.

Wird die Steckverbinderbranche zyklischer, ähnlich der Halbleiterindustrie?

Die zyklischen Schwankungen bei Steckverbindern werden nicht die gleiche Intensität wie bei den Halbleitern erreichen. Es zeigt sich aber, dass die Steckverbinder den Schwankungen der Halbleiter mit einem Versatz von etwa einem halben Jahr folgen. Auch die Phasen des Lager-Auf- und Abbaus sind bei weitem nicht so ausgeprägt, da viele Anwendungen kundenspezifisch sind.

Ihre Einschätzung zum Preisdruck, dem sich die Branche gegenüber sieht aufgrund der niedrigen Wertschöpfungsanteile?

Der Preisdruck gerade bei Standardartikeln wird weiter zunehmen. Ausschlaggebend hierfür ist die zunehmende Globalisierung des Geschäftes und damit zunehmender Wettbewerb aus den »Billiglohnländern«, wie z.B. China. Die Wertschöpfung ist bei den deutschen Herstellern von Steckverbindern relativ hoch, die sich stärker an den Anforderungen der Kunden orientieren und durch zusätzliche Komponenten die Wertigkeit der Produkte erhöhen.

Die Fragen stellten Corinna Puhlmann und Corinne Schindlbeck