TTI: »Knappheiten können wir über unser Lager abfedern«

Der Distributionsmarkt für Passive, Steckverbinder, Relais & Schalter und diskrete Bauelemente zeigt im Moment zwar noch kein einheitliches Bild, doch deuten einige Anzeichen auf eine Markterholung hin, so Jean Quecke, Prokurist der TTI.

Markt&Technik: Wie entwickelt sich die Nachfrage in den Bereichen passive Bauelemente und Steckverbinder?

Jean Quecke: Wir beobachten, dass das Geschäft mit den Industrie- aber auch Consumerkunden sowie in Nischensegmenten wie der Umwelt- und Solartechnik derzeit wieder stark anzieht. Allerdings fehlen nach wie vor Großaufträge industrieller Kunden zum Beispiel aus den Branchen Messtechnik oder Maschinenbau. Auch die Automobilindustrie leidet unter den Folgen der abgelaufenen Abwrackprämie, die den Markt 2010 negativ beeinflussen wird. Wir rechnen im nächsten Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 3 bis 6 Prozent.

Wann werden die großen Abnehmerbranchen zurückkehren?

Experten rechnen damit, dass der deutsche Maschinenbau in den kommenden Monaten wieder anziehen wird, und prognostizieren ein Wachstum von 3,5 bis 4 Prozent in diesem Jahr. Da auch China in diesem Jahr aller Voraussicht nach wieder ein starkes Wachstum zeigen wird – erwartet werden 8 Prozent –, könnte die Nachfrage im Industriesektor im ersten Quartal wieder deutlich nach oben gehen. Mit allen Konsequenzen.

Die wären?

Lieferengpässe. Die Hersteller von Bauelementen haben ihre Kapazitäten bislang kaum erhöht. Während es bei den Halbleitern bereits deutliche Engpässe gibt, treten diese bei den passiven Bauelementen und in der Elektromechanik bislang nur sporadisch auf. Davon betroffen sind im Moment z.B. High-CVs – ein Lieferant gibt bei diesen Produkten sogar eine Lieferzeit von 56 Wochen an! Angespannt ist die Situation außerdem bei weiteren Chipkondensatoren, bei einigen diskreten Produkten, bei Relais sowie in diversen Steckverbindersegmenten. Aber es ist schwierig, ein einheitliches Bild zu zeichnen: Die Liefersituation ist sehr hersteller- und bauteilespezifisch. Es sind spezielle Kapazitätswerte, spezielle Toleranzen, spezielle Baugrößen, die von Lieferengpässen betroffen sind. Was passieren wird, wenn tatsächlich alle Märkte massiv nach oben ziehen, wissen wir nicht.

Können Sie abschätzen, wie viel tatsächlicher Bedarf hinter den Bestellungen Ihrer Kunden steckt?

Es ist schwierig abzuschätzen, ob die Kunden mit ihren Bestellungen nur ihre Lager auffüllen oder ob sich reeller Bedarf dahinter verbirgt. Auch hier ist das Bild uneinheitlich: Wir haben sowohl Kunden die volle Auftragsbücher für 2010 vorweisen können und bereits Aufträge für 2011 annehmen, als auch solche, bei denen es im Moment noch sehr ruhig ist. Daraus eine Prognose ableiten zu wollen, wäre sehr spekulativ.

Wie verfährt TTI angesichts dieser schwierigen Situation mit seinen Lagerbeständen?

TTI besitzt nach wie vor ein gut gefülltes Lager – eine strategische Entscheidung, die von CEO Paul Andrews bereits zu Beginn der Krise im September vorletzten Jahres getroffen wurde. TTI hatte damals beschlossen, die Lager weltweit nicht nach unten zu fahren. Als Stocking-Distributor sehen wir unsere Aufgabe darin, die Lagerbestände zu halten. Deswegen können wir nach wie vor eine sehr hohe Verfügbarkeit bieten. Vor allem unsere Logistikkunden dürften von Lieferproblemen kaum etwas bemerken.

Reagieren die Hersteller auf die sich bereits abzeichnenden Engpässe?

Die meisten Hersteller verhalten sich sehr vorsichtig. Sie stehen der derzeitigen Situation und den Prognosen für das erste Quartal eher skeptisch gegenüber. Aber auch hier ist das Bild sehr unterschiedlich: Während einige Hersteller noch zögern, fahren andere wie zum Beispiel Murata ihre Produktion langsam nach oben, um eine Stabilisierung zu erreichen.

Wie schnell werden sich die einzelnen europäischen Regionen von den Einbrüchen erholen?

Sehr unterschiedlich. Aus Sicht von TTI wird sich der europäische Distributionsmarkt 2010 auf dem Level von 2007 wiederfinden. Der US-Markt dürfte sogar auf die Umsatzgröße von 2006 zurückgeschrumpft sein, wenngleich hier schon seit Juli vergangenen Jahres die Zeichen auf Erholung stehen. Asien wiederum könnte 2010 ein ganz massives Wachstum mit sich bringen. Europaweit gesehen, ist Deutschland nach wie vor unser wichtigster Absatzmarkt. UK bietet seit vielen Jahren ein schwieriges Marktumfeld, entwickelt sich aber inzwischen auch wieder positiv. Sehr schwer von der Krise getroffen ist Spanien. Die Spanier konsumieren aufgrund der Wirtschaftskrise deutlich weniger, das wirkt sich in dem ehemaligen Wachstumswunderland auch auf den Distributionsmarkt aus.

Starke Wachstumsimpulse kommen nach wie vor aus Osteuropa. TTI besitzt Niederlassungen in Polen, Tschechien und Ungarn, die wir während der Krise nicht nur gehalten, sondern sogar personell verstärkt haben. Sehr erfreulich entwickelt sich zudem Italien: Im italienischen Markt weist TTI ein überproportionales Wachstum auf. Vor allem das Geschäft mit den Auftragsfertigern, kleinen CEM-Betrieben aus den Bereichen Industrieelektronik und Consumer, entwickelt sich ganz hervorragend.