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Ist die Spezialdistribution noch zeitgemäß?

17. Oktober 2018, 10:05 Uhr   |  Von Volker Gräbner, Produktmanager Business Unit Power Supplies, Fortec Elektronik


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Wo führt das hin?

Die Distribution erfüllt im Wesentlichen die Funktion des Produktionsverbindungs-Großhandels. Damit ist ein großer Teil ihrer Aufgaben die Organisation des Waren- und Geldflusses zwischen Hersteller und Anwender. Daneben stellt sie Produktinformationen bereit, besorgt die notwendigen Zertifikate und Dokumente und vermittelt Wissen über Anwendung der Produkte und die zukünftigen Entwicklungen. – Bezahlt wird dem Distributor lediglich ein für angemessen erachteter Betrag für die Erbringung seiner Leistung. Wird hier nur die Transportlogistik bewertet, sieht er sich plötzlich im Wettbewerb zu reinen Transportunternehmen. Bei weltweitem Warenfluss, z.B. vom Hersteller in Taiwan direkt zum Auftragsfertiger in Ungarn, heißen seine Konkurrenten plötzlich UPS, FedEx oder DHL. Mit diesen Spezialisten preislich mitzuhalten ist dem Elektronikhändler um die Ecke kaum möglich.

Die Antwort der Großen unserer Branche ist tatsächlich die Stärkung der Informationsprozesskette und der Logistik. Hier entstehen gigantische Auskunftssysteme zur Informationsbereitstellung und riesige Auslieferungslager mit vollautomatisierten Abläufen. Alles steht unter dem Diktat der Stückkostensenkung. Mit entsprechend großen Investitionen kann man diesen Weg mitgehen; ob er am Ende wirtschaftlichen Erfolg für viel mehr als einen Händler verspricht, wird sich zeigen. Im Versandhandel für Endverbraucher gehen die Meinungen darüber auseinander. Kaum begann der Marktführer, Geld zu verdienen, stand er auch schon wieder unter dem Druck von Wettbewerb und Kunden.

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Das neue Logistikzentrum der Fortec Power Group geht Anfang 2019 in Betrieb

Wenn nun alles strukturiert und durchoptimiert ist, funktioniert aber auch der Kunde nur noch als Baustein des Ganzen. Er muss sich seine Informationen selbstständig zusammensuchen, die technischen wie die kaufmännischen. Er muss seine Entscheidung allein im Kämmerlein treffen, und wenn im filigranen Gesamtsystem etwas klemmt, z.B. Bauteile knapp werden, muss er sich allein um Ersatz bemühen. Den Dienstleister, der ihn dabei unterstützt und rechtzeitig auf Trends hinweist, gibt es nicht mehr.

Und was nun?

Wenn also das klassische Modell der Standard-Distribution nun nicht mehr gefragt, weil überflüssig geworden ist, was können wir Spezialdistributoren tun außer auszusterben? Wir können analysieren, was die Logistiker nicht haben oder können.
Wir kennen unsere Kunden. Wir müssen uns bemühen, unsere Kunden und ihre Märkte umfassend zu verstehen. Dann können wir zielgerichtet Produkte empfehlen, sowohl für Märkte, die unser Kunde noch nicht kennt, weil sie erst entstehen, als auch für kommende Produkte, die unser Kunde noch gar nicht kennen kann, weil sie noch nicht veröffentlicht wurden.

Wir kennen unsere Produkte. Wir müssen uns bemühen, ihre Stärken und Schwächen für uns auszunutzen. Wir können Produkte verbessern, zusammen mit den Herstellern Neuentwicklungen anstoßen, Zubehör anbieten. Kurz, wir können all das anbieten, was aus unserem nackten Produkt eine Problemlösung macht. Langjährige Erfahrung ist dafür unverzichtbar.

Wir kennen unseren Markt. Wir müssen uns bemühen, auch seine bisherige und zukünftige Entwicklung zu verstehen. Trends zu erahnen, frühzeitig zu erkennen, sie zu beeinflussen oder gar neue zu setzen kann der Schlüssel zu einer ganz neuen Marktstellung und Wahrnehmung werden. Wer hat denn bei den Buchklubs der 50er-Jahre geahnt, was man mit dem Versand von Büchern für ein weltumspannendes Imperium aufbauen kann?

Als Fortec-Gruppe bekennen wir uns zur Spezialdistribution und bauen aus diesen Steinen unseren Weg in die Zukunft. Natürlich stärken auch wir unsere Logistik, bauen unser Lager aus und bieten alle zeitgemäßen, vorgeschriebenen und erwünschten Dienstleistungen an. Anfang 2019 nimmt die Emtron, ein Tochterunternehmen von Fortec, ihre neue Zentrale in Betrieb. Hier wird auf deutlich vergrößerter Fläche nicht nur modernste Lagertechnik zum Einsatz kommen, auch das hauseigene Elektroniklabor wird deutlich vergrößert und um zusätzliche Expertise erweitert. Zukünftig wird der Standort Riedstadt bei Darmstadt zum Logistik- und Technologiezentrum der Fortec Power Group.

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1. Ist die Spezialdistribution noch zeitgemäß?
2. Wo führt das hin?

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