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So geht es mit der Supply Chain weiter

»Eine Flutwelle an Innovationen«

28. Oktober 2020, 11:21 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Nicht allzu viele Preiserhöhungen

Wie haben sich die Bauelementpreise in der letzten Zeit verändert? Können Sie unseren Lesern eine Prognose zu den Komponentenkosten für das neue Jahr geben?

Munson: Trotz der Zuteilungen für einige Produktlinien haben wir nicht allzu viele Preiserhöhungen erlebt. Wir denken, dass die Hersteller erkennen, dass sie weiterhin wettbewerbsfähig sein müssen und dass Preiserhöhungen oft zum Verlust von Marktanteilen führen können. Viele Hersteller schauen sich die weltweite Marktsituation insgesamt an, bevor sie solche Entscheidungen treffen. Wir haben bereits bei der Nachfrage eine Achterbahnfahrt zwischen geografischen Regionen erlebt – wenn die Nachfrage in einer Region sinkt, steigt sie in einer anderen. Wir betrachten den Markt auf technischer Ebene anhand der Nachfrage nach Komponenten und im Vergleich zu den Lagerbeständen in der Produktion. Es kann sein, dass diejenigen, die hohe Stückzahlen für die Produktion anstreben, einige Preisänderungen zu verzeichnen haben. Marktanteile sind für einen Hersteller immer ein Thema, daher halten die meisten Hersteller ihre Preise bewusst wettbewerbsfähig. Wie in der vorhergehenden Frage angesprochen, wird die Markterholung eine kritische Phase sein, denn wichtige Trends wie 5G werden eine erhebliche Nachfrage nach sich ziehen, und die möchte kein Lieferant verpassen. Niemand kann im Moment mit Sicherheit sagen, wann dieser Aufschwung eintreten wird, aber er wird eintreten. Die Preisgestaltung ist immer abhängig von der Marktlage – entweder haben wir einen Käufermarkt oder einen Anbietermarkt. Unsere Zulieferer kennen diesen Markt sehr gut.

Mouser Electronics
© Mouser Electronics

Graham Munson, Mouser »Aus unserer Sicht hat sich die Kundennachfrage aus China relativ schnell erholt. Amerika scheint sich ebenfalls erholt zu haben – insbesondere die USA – und auch Europa kehrt langsam zurück.«

Wenn nicht die gesamte Lieferung versandt werden kann, versenden Sie dann die Bauteile, die Sie auf Lager haben, und schicken dann eine zweite Lieferung mit den neu eingetroffenen Bauteilen, oder wird die Lieferung eher zurückgehalten, bis alle Bauteile für den Versand verfügbar sind?

Burr-Lonnon: Kunden haben die Wahl, wie sie die Bestellung erhalten möchten. Wir können liefern, wenn alle Positionen der Bestellung lieferbereit sind, oder wir können die aktuell verfügbaren Positionen liefern und den Rest versenden, sobald sie verfügbar sind. Einige Kunden möchten warten, bis alles verfügbar ist, um ihr Projekt dann komplett in Angriff zu nehmen. Andere Kunden freuen sich über die Lieferung der Teile, sobald sie verfügbar sind. Mouser hat den Vorteil, dass wir alles von unserem hochmodernen Vertriebszen­trum in Texas aus versenden. Dadurch werden die Produkte vom selben Ort aus kommissioniert, verpackt und versandt und nicht von mehreren Lagern in verschiedenen Ländern.

Welche Optionen haben unsere Leser, wenn sie eine reibungslose Lieferkette sicherstellen möchten, und was würden Sie den Lesern empfehlen, wenn sie sich auf die zu erwartende Verlängerung der Vorlaufzeiten vorbereiten möchten?

Munson: Wir bieten Verfügbarkeitspläne für Bauteile, und die Kunden können ihre Bestellungen entsprechend planen. Nicht jeder Kunde weiß, dass wir Lieferungen terminieren können. Wenn Sie bei der Bestellung einen Lieferplan erstellen, wissen Sie, dass die Produkte zu einem bestimmten Zeitpunkt eintreffen werden. Durch unseren umfangreichen Lagerbestand können wir die meisten Kunden genau dann beliefern, wenn sie es brauchen. Terminierte Bestellungen können von jedem Kunden aufgegeben werden und erstrecken sich in der Regel über zwölf Monate. Kürzere oder längere Zeiträume sind auch möglich; wir sind mit allem glücklich, was für den Kunden funktioniert. Wir sind sehr gut darin, kleine bis mittlere Bauteilmengen zu liefern. Bei größeren Mengen leiten wir die Kunden normalerweise zu unserem neuen Tool, dem Preis- und Verfügbarkeitsassistenten.

Burr-Lonnon: Die Kommunikation ist ein weiterer wichtiger Aspekt, um sicherzustellen, dass wir unseren Kunden eine reibungslose Lieferkette bieten können. Wir sprechen häufig mit unseren wichtigen und strategischen Kunden über das, was in der Lieferkette geschieht, unter anderem über Vorlaufzeiten und andere Faktoren, die sich auf die Lieferung auswirken könnten. Für viele unserer Kunden ist Mouser ein wichtiger Ansprechpartner, und sie erwarten von uns, dass wir ihre Branche oder Marktprobleme verstehen, was wir auch tun. Wir haben sehr enge Beziehungen zu unseren Top-50-Lieferanten und können unsere Kunden mit einem solchen Hintergrundwissen natürlich auch dazu beraten, was in der Lieferkette vor sich geht und welche Auswirkungen dies auf ihre Lieferpläne haben könnte.

Würden Sie den Kunden empfehlen, mehr Pufferlager oder Pack&Hold-Einrichtungen bei Distributoren zu nutzen, um Preise und Verfügbarkeit sicherzustellen?

Munson: Die Entscheidung liegt beim Kunden. Einige Kunden möchten selbst ein Pufferlager vorhalten, vielleicht weil sie Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden haben. Für viele kleine und mittlere Unternehmen bedeuten unsere hohen Lagerbestände, dass sie häufig überhaupt keine Pufferlager halten müssen. Kunden mit hohem Auftragsvolumen entscheiden sich jedoch möglicherweise für ein Pufferlager, um ihre Versorgung sicherzustellen.

Und zum Schluss ein Blick in die Kristallkugel: Wie wird sich der Distributionsmarkt bis zum Ende 2021 entwickeln?

Burr-Lonnon: 2021 wird ohne Zweifel ein gutes Jahr werden, und wir sind vorsichtig optimistisch. In Europa besteht ein großer Nachholbedarf. Wir haben wichtige Impulsgeber wie 5G, die eine enorme Nachfrage schaffen werden. Dazu kommt IoT, und wir hoffen, dass die Automobilindustrie wieder stark wachsen wird. Die weltweiten Umsätze von Mouser sind in diesem Jahr um etwa 6 % gestiegen. Und wenn man bedenkt, dass wir während einer globalen Pandemie ein gutes Wachstum erzielt haben, wissen wir, dass auch 2021 stark sein dürfte. Die Elektronikindustrie floriert und ist unglaublich widerstandsfähig, sodass wir für nächstes Jahr ein Wachstum von mindestens 8 % erwarten, wahrscheinlich sogar noch höher. Einer unserer Zulieferer meinte kürzlich, er sehe eine Flutwelle von Innovationen, die während des Lockdown in der gesamten Branche zu verzeichnen sei, und wir werden diese Projekte wahrscheinlich auch im neuen Jahr sehen.

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