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Komponenten-Distribution 2021

Alternativloser Aufschwung

26. Januar 2021, 09:46 Uhr   |  von Georg Steinberger, Vorstandsvorsitzender, FBDi e.V.


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Der Prä-Corona-Nachholbedarf nach der 2019er-Flaute ist ja nicht einfach verschwunden"

Auf den europäischen Komponentenmarkt bezogen: Der Prä-Corona-Nachholbedarf nach der 2019er-Flaute ist ja nicht einfach verschwunden, er hat sich nur nach hinten verschoben, jetzt eben noch ein wenig mehr, aber die Anzeichen für eine Erholung sind vorhanden: 8,4 % Plus erwartet WSTS für den globalen Komponentenmarkt, mit einem Gesamtvolumen von 470 Milliarden Dollar. Davon sind für Europa immerhin 38,5 Milliarden Dollar avisiert (+5,7 %). Alle Komponenten (Halbleiter, Passive, Steckverbinder etc.) zusammen und in Euro heißt das ca. 40+ Milliarden Euro (die Distribution bedient dabei etwas weniger als 30 %).

Die Entwicklung der Distribution war in der Vergangenheit oft kongruent mit dem Gesamtmarkt, wich in einigen Jahren – vor allem vor 2010 – deutlich nach oben oder nach unten ab, aber im Mittel ist der Anteil am Gesamtmarkt langsam gewachsen, dem sukzessiven Transfer von Direktkunden geschuldet. Was ist also für nächstes Jahr und darüber hinaus in der Distribution zu erwarten?  Sieht man sich den größten Markt – Deutschland – an, so waren die ersten neun Monate 2020 eher unterdurchschnittlich in einem ohnehin schwachen Europa. Auch die Auftragsbücher waren nicht gerade übervoll – der FBDi berichtete fürs dritte Quartal von einer Book-to-Bill-Rate von 0,88, und das bei einem niedrigen Umsatzniveau. Der Trend drehte sich jedoch zum Jahresende 2020, und es ist zu erwarten, dass sich 2021 nicht so schlecht anlässt.

Zumal die Distribution ja nicht von der Großwetterlage entkoppelt ist – und die heißt 5G, IoT, Digitalisierung, Klimawandel. Die nächsten Jahre werden von deutlich mehr Investitionen in neue Technologie geprägt sein, sowohl in der Privatwirtschaft wie durch die öffentliche Hand, weil sonst weder ein klimaneutraler Umbau der Gesellschaft noch eine weltweit wettbewerbsfähige Wirtschaft möglich ist. Der „digitale Zwilling“ Deutschlands ist möglich und nötig; es ist viel Kapital vorhanden, dies zu realisieren; es gibt extrem gut aufgestellte Technologieunternehmen, die viele der notwendigen technischen Fähigkeiten haben; selbst die Automobilindustrie wacht aus ihrer Diesel- und SUV-Starre auf und konkurriert um die E-Mobility-Vorherrschaft.
In vielen dieser Segmente sind die Distributoren über ihre Kunden und Hersteller seit Langem involviert, sei es über Projektarbeit oder Fulfillment, was sich bereits 2021 auszahlen könnte – das Mindeste, was also zu erwarten wäre, wären die knapp 6 % Plus, die WSTS für den europäischen Halbleitermarkt prognostiziert. Dabei wird es aber meiner Meinung nach nicht bleiben – das Potenzial, wieder annähernd auf das Vor-Covid-19-Niveau zu kommen, ist vorhanden. Dies entspräche einem Wachstum von ca. 15 %.

Gründe für einen solchen Optimismus gibt es genug: Impfstoff statt Lockdown, das China-Geschäft rollt wieder an, die USA werden normalere Handelsbeziehungen anstreben, als dies jüngst der Fall war, und es gibt schlicht eine Menge Nachholbedarf. Sollte die EU zudem ernst machen mit ihrer Klima-Offensive, dann geht das nicht ohne gigantische Investitionen in neue Technologien, die anders als früher nicht aus Unternehmens-Monokulturen entstehen, sondern aus Konsortien vieler Unternehmen – Hard- und Software-Produzenten, Lieferanten, Finanzierer, Versicherer, Energieversorger, Stadtwerke.

Es wäre wohlfeil, ein solches Permawachstum anzukündigen, ohne die innewohnenden Risiken zu betonen: Bürokratie, öffentliche Haushalte, Handelsstreitigkeiten, Protektionismus, politische/militärische Konflikte. Allerdings muss inzwischen jedem klar sein, dass ein gesellschaftlich-wirtschaftlicher Umbau alternativlos ist, um nachfolgenden Generationen wenigstens noch eine Chance zu lassen. Positiv ausgedrückt: Lassen Sie uns das Wachstum nachhaltig und alternativlos gestalten!

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