Schwerpunkte

Lieferketten und Distribution

»Sprechen, planen und nicht in Panik verfallen«

09. März 2020, 12:03 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Die europäische Ebene

DMASS meldet –16 % bei den Einnahmen aus dem Halbleiterbereich im 4. Quartal 2009. Das Jahr 2019 endete insgesamt mit einem moderaten Rückgang von 4,4 %. Der DMASS beansprucht eine Abdeckung von 80 bis 85 % des europäischen Halbleiter-DTAM.

Die fehlende Nachfrage, die in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 sichtbar war, manifestierte sich im 4. Quartal mit einem steilen Rückgang der Halbleiterumsätze in der europäischen Distribution. Nach Angaben von DMASS sank der Umsatz im europäischen Halbleiter-Distributionsmarkt um 16 % auf 1,95 Milliarden Euro. Das Jahr 2019 endete mit einem relativ moderaten Rückgang von 4,4 % und 8,88 Milliarden Euro. Georg Steinberger erklärt als Vorsitzender der DMASS: »Der Grad der Verlangsamung im vierten Quartal ist nur eine Reaktion auf die niedrigen Buchungen in den vorangegangenen Quartalen. Und ohne die Umstellung von DTAM auf TAM im Jahr 2019 – also Hersteller, die das Distributionsgeschäft direkt übernehmen – wäre der Distributionsmarkt flach gewesen, was positiv ist, wenn man bedenkt, dass der gesamte Komponentenmarkt stärker gelitten hat. Da die großen makroökonomischen Auswirkungen hoffentlich im 1. Quartal 2020 verschwinden werden, hätten wir schon bald mit einer Rückkehr zum Wachstum rechnen können, eine Hoffnung, die der Ausbruch des Coronavirus in China jetzt unerreichbar macht. Die Bedeutung Chinas für die globale Elektronik-Versorgungskette ist kritisch und die Auswirkungen sind fast unvermeidbar.«

Auf Länder- und Regionenebene hat der Abschwung im Grunde alle Grenzen überschritten, mit Ausnahme einiger kleinerer Länder in Osteuropa. Von den großen Ländern ging nur Großbritannien im 4. Quartal um weniger als 10 % zurück. Im Laufe des Jahres war die Situation ausgeglichener. Auf Jahresbasis sank Deutschland um 6,9 % auf 2,57 Milliarden Euro, Italien um 9,3 % auf 747 Millionen Euro, Großbritannien (ohne Irland) wuchs um 0,7 % auf 612 Millionen Euro, Frankreich ging um 7,2 % auf 591 Millionen Euro zurück, die nordischen Länder gingen um 2,7 % auf 795 Millionen Euro zurück und Osteuropa wuchs um 1,75 % auf 1,54 Milliarden Euro.

DMASS
© DMASS

Umsätze der DMASS-Mitglieder (Distributors‘ and Manufacturers‘ Association of Semiconductor Specialists)

»Im Kontext des gesamten Rückgangs 2019 hat sich kein wesentlicher Trend geändert: Osteuropa setzt seine Dynamik als Auftragsfertigungsbasis fort, der Norden, die Mitte und der Süden bleiben in Warteposition. Und wie bereits erwähnt scheint Großbritannien vom Brexit nicht beeindruckt zu sein«, so Steinberger.
Produktmäßig betraf der Abschwung im vierten Quartal alle Produktgruppen mehr oder weniger stark, was nicht überrascht, da die fehlende Nachfrage alle Branchensegmente gleichermaßen betraf und der Vertrieb mit dem gesamten Portfolio überall beteiligt ist. Auf Jahresbasis schrumpften Discretes um 9,3 % auf 490 Millionen Euro, Power um eher moderate 0,4 % auf 993 Millionen Euro, Opto um 5,5 % auf 802 Millionen Euro, Analog (entsprechend dem Gesamtrückgang) um 4,2 % auf 2,6 Milliarden Euro, Memories um 3,8 % auf 803 Millionen Euro, MOS Mikro um 7 % auf 1,75 Milliarden Euro und Programmierbare Logik um 6,6 % auf 577 Millionen Euro. Die einzige große Produktgruppe, die wuchs, war die sonstige Logik (ASSPs, ASICs etc.), um 9 % auf 511 Millionen Euro.

»Auf der Produktseite waren die bemerkenswerten Ausnahmen des Einbruchs Power und Other Logic, die beide stark auf technische Unterstützung und Engineering angewiesen sind, was zeigt, dass die Verteilung in komplexen Bereichen der Nachfragesteigerung bei Weitem besser ist als allgemein angenommen. Wir sehen auch, dass die einst gleich großen Märkte für Analog- und MOS-Mikroprodukte eine unterschiedliche Entwicklung in Bezug auf Technik und Preisentwicklung aufweisen. Sehr oft ist die analoge Stückliste einer Anwendung teurer als die von Mikrocontrollern und Logik«, erläutert Steinberger. Was das Jahr 2020 angeht, bleibt Steinberger vorsichtig optimistisch: »Niemand hat mit dem Virus als neue Marktstörung gerechnet, aber wir müssen sehen, welche Auswirkungen das Virus auf die Lieferkette in diesem und im nächsten Quartal hat. Die Chancen für Innovationen und damit für das Komponentengeschäft sind auch für die nächsten Jahre hervorragend.«

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