EBVchips: EBV entwickelt mit und für Kunden eigene Halbleiter

Das gab es noch nicht: Der Distribitor EBV will in Zukunft unter der Bezeichnung »EBVchips« eigene ICs anbieten, die auf Kundenideen basieren. Speziell kleinere Firmen erhalten dadurch die Möglichkeit, speziell auf ihre Anforderung zugeschnittene ICs zu bekommen.

»2009 war das Darwinjahr der Halbleiter-Branche. Wer so weitermacht wie bisher und mit seinen Produkten und Dienstleistungen nicht die nächste Evolutionsstufe erreicht, wird es auf Dauer sehr schwer haben«, so Slobodan Puljarevic, President und CEO von EBV Elektronik. Mit der EBVchip-Idee hebe sein Unternehmen die Halbleiter-Distribution »auf ein ganz neues Level«. »Mit EBVchips sind wir jetzt der verlängerte Arm vieler tausend Kunden zum Hersteller«, ist Puljarevic überzeugt.

Die Halbleiterhersteller würden bei Vertrieb und Produktmarketing sehr eng mit ihren Key-Account-Kunden zusammenarbeiten aber den Kontakt zu den kleineren und mittelgroßen Unternehmen hielten sie ausschließlich über die Distribution. Bis jetzt erfolge dieser indirekte Kontakt ausschließlich auf der Vertriebsebene, aber EBV erweitere diese Beziehung jetzt auch auf die Ebene des Produktmarketings und der Produktdefinition.

»Die Hersteller haben in ihrem Produktmarketing nicht die Manpower, sich um viele tausend Kunden zu kümmern«, erläutert Puljarevic. »Außerdem wird ein Kunde allein es in der Regel nicht schaffen, die notwendigen Stückzahlen zu erreichen, um ein neues Produkt beim Hersteller attraktiv zu machen.« Die mittelständischen Unternehmen werden so durch EBV in ihrer Gesamtheit zu einer Art Key-Account-Kunde beim Halbleiterhersteller.

EBV unterstützt durch dedizierte Vertriebsteams Kunden in den vertikalen Marktsegmenten Automotive, General Lighting, RFID, Medical, Renewable Energies und Consumer EMEA-weit und nutzt diese Bereiche um daraus die für EBVchips erforderlichen Informationen und Produktideen zu generieren. Grundsätzlich aber hat jeder Kunde Zugriff auf EBVchips. »Wenn ein Kunde eine Idee für einen EBVchip hat, dann soll er einfach mit seinem Ansprechpartner bei EBV vor Ort Kontakt aufnehmen. Jede Idee ist hochwillkommen, unabhängig von der Applikation oder dem Marktsegment. Kunden, die sich bei der Definition eines neuen Chips besonders stark engagieren, wird EBV übrigens auch bei den Konditionen entsprechend entgegenkommen«, so Puljarevic.

Basierend auf den Wünschen und Anforderungen der Kunden wird EBV eigene Halbleiter definieren, und diese dann bei den Herstellern fertigen lassen. Die EBVchips werden eine Original-Bauteilenummer des Herstellers tragen, und sie sind auch mit dem entsprechenden Herstellerlogo bestempelt. EBV hat dann für einen branchenüblichen Zeitraum von meist drei bis fünf Jahren weltweit die exklusiven Vertriebsrechte für das Bauelement. Die Verantwortung dafür, dass die Spezifikation eingehalten wird, trägt der Hersteller. Wie bei allen Halbleitern im Sortiment wird EBV auch bei diesen neuen applikationsspezifischen Halbleitern als reiner Vertriebskanal agieren. Haftung, Garantie, Qualifikation, Langzeit-Verfügbarkeit etc. obliegen somit auch bei den EBVchips den Herstellern selbst. »EBV Elektronik ist allerdings Inhaber der Intellectual Property des Chips«, erklärt Slobodan Puljarevic.

Das größte Potenzial für EBVchips sieht Puljarevic im Moment bei Analog- und Mixed-Signal-Produkten, wobei der Bereich »Power« – beispielsweise für Windkraftanlagen – eine ganz besondere Rolle spielen wird: »Rund um die Leistungshalbleiter, die in erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen, werden wir besonders aktiv werden. Kurz und gut: Es werden Produkte sein, in denen viel Know-how steckt, bei denen das Projekt aber dennoch überschaubar bleibt.« Die ersten EBVchips sollen noch dieses Jahr auf den Markt kommen.