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Heilind investiert in Europa

Steigende Bauteilpreise »neutralisieren«

13. Juni 2018, 17:40 Uhr   |  Alfred Goldbacher


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Termingerechte Verfügbarkeit ist das Wichtigste!

Als Spezial-Distributor ist Heilind in vielen Branchen ein Ansprechpartner für Steckverbinder, Elektromechanik, Sensoren, Relais, Schalter sowie Produktions- und Verbrauchsmaterialien.
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Als Spezial-Distributor ist Heilind in vielen Branchen ein Ansprechpartner für Steckverbinder, Elektromechanik, Sensoren, Relais, Schalter sowie Produktions- und Verbrauchsmaterialien.

Ist dies nun der konkrete Schritt, mit dem ihr Unternehmen die Kunden auch weiterhin in volatilen Märkten zuverlässig versorgen wird können?

Barrig: Es ist ein Schritt unter vielen: Für unsere Kunden ist die termingerechte Verfügbarkeit das Wichtigste. Weil sich der Markt aber immer schneller dreht, müssen sich die logistischen Konzepte ändern. Aus diesem Grund agieren wir stärker proaktiv. Das heißt, dass es neben Sicherheitsbeständen und Konsignationslager zunehmend mehr um die engere Verzahnung mit den Prozessen des Kunden geht. Als Distributor erhalten wir zum Beispiel einen Rolling Forecast vom Kunden, übernehmen das automatisierte Bestandsmanagement (Vendor Managed Inventory) oder liefern just in time. So erhält der Kunde eine für ihn passende logistische Lösung.

Was kann ein Distributor wie Heilind angesichts sehr langer Bauteil-Lieferzeiten für die Liefersicherheit tun?

Barrig: Wir haben eine weltweit gestiegene Nachfrage nach Bauteilen und durch die jahrelange Konsolidierung auf der Herstellerseite gleichzeitig eine Verknappung bei der Produktpalette. Das ist ein Fakt. Als Spezial-Distributor haben wir aber einen sehr intensiven und engen Kontakt zu den für uns 100 wichtigsten Herstellern. Veränderungen bei den Lieferzeiten können wir demzufolge frühzeitig erkennen und informieren unsere Kunden über solche Trends. Außerdem stehen wir als Familienunternehmen nicht unter dem Druck kurzfristiger Gewinnmargen. Deshalb können wir einzelne Produkte stärker bevorraten, Sicherheitsbestände anlegen und unsere Kunden weiter bedienen.

Eine ganz andere Frage: Welchen Einfluss hat ein Distributor auf die steigenden Preise von Bauteilen?

Barrig: Hier gibt es sehr unterschiedliche Ansatzpunkte. Als Spezial-Distributor haben wir einen tieferen Einblick in die Bauteilsegmente, engere Kon­takte zu den Herstellern und können unseren Kunden häufig preislich günstigere Produktalterna­tiven anbieten. Zum anderen übernehmen wir als verlängerte Werkbank der Hersteller auch Montageaufgaben. Durch die zertifizierte Montage von Steckern und Schaltern können wir fertige Produkte statt in 20 Wochen oft innerhalb eines Tages ausliefern. Ein dritter Punkt wird häufig unterschätzt: Denn trotz steigender Bauteilpreise sind die Kosten des gesamten Produktlebenszyklus maßgeblich – also der Einkaufsprozess, die Materialdisposition, die Überwachung der Lieferungen sowie die Lagerhaltung bis hin zum Management von Rechnungen. Hierfür bieten wir schlanke, unbürokratische und kundenindividuelle Logistikkonzepte. Hinzu kommen flexible Finanzierungsinstrumente. Wenn kleine Kunden statt einem Zahlungsziel von 30 Tagen zum Beispiel ein Zahlungsziel von 60 Tagen erhalten, kann das die Liquiditätskosten spürbar senken.

Sie hatten vorhin schon mal den steigenden Bedarf an technologischer Beratung angesprochen. Was kann ein Distributor realistisch leisten?

Barrig: Als Spezial-Distributor haben wir sicherlich eine Sonderrolle. Da wir sehr tief in die Produktdetails eingebunden sind, können wir einen kompletten Projektsupport leisten. Wir unterstützen unsere Kunden von der Produktidee über die Bemusterung bis hin zur Serie. Dabei geht es beispielsweise um die Integration neuer Technologien oder auch um die Berücksichtigung von neuen Umweltnormen. Auch das Wissen um Marktrends wird wichtiger. Letztendlich erwarten unsere Kunden angesichts des besprochenen schnelllebigen Bauteilemarkts auch frühzeitige Informationen über Bauteilabkündigungen, das End of Life eines Bauteils und Möglichkeiten für letzte Bestellungen, um noch ausreichend Teile bevorraten zu können.

Viele ihrer Wettbewerber versuchen Pluspunkte zu sammeln, indem sie Value Added Services anbieten? Wie reagieren sie als Unternehmen darauf?

Barrig: Value Added Services sind eine Antwort auf eine gestiegene Nachfrage nach Mehrwertdienstleistungen. Es werden immer mehr Lagerbestände ausgelagert. Unternehmen müssen überall Kosten reduzieren. Bei Investi­tionen in teure Maschinen wird zweimal hinterfragt, ob sich die Anschaffung rechnet. Ein Industriedrucker ist zu teuer, wenn er nur selten in Projekten gebraucht wird. Gerade kleine und mittlere Unternehmen arbeiten projektbezogen und benötigen keine 10.000 Kontakte. Insofern trifft unser Angebot an Value Added Services auf einen 
gestiegenen Bedarf in der Industrie. 
Wir bieten an, was der Markt benötigt. Wir machen uns Gedanken über jeden einzelnen Produktionsschritt unserer Kunden. Und wir helfen bei der Verzahnung der Produktionsschritte, füllen Lücken und helfen dort, wo Unternehmen alleine nicht weiterkommen.

Als Value Added Services bieten Sie unter anderem auch Montageleistungen an. Was verbirgt sich konkret dahinter? 

Barrig: Es gibt einen großen Bedarf an unterschiedlichsten Serviceleistungen. Dazu gehört auch eine Steckerfertigung, die wir in Lizenz für Hersteller erbringen. Das ermöglicht sehr schnelle Lieferungen oder erlaubt kundenindividuelle Anpassungen. Wir haben einen eigenen Standort für die Montage von Rundsteckverbindern, Ventilatoren, Gehäusen, Konsolen, Klemmen, Schaltern und Relais. Oft werden spezielle Kabelkonfigurationen gebraucht, es muss etwas umgespult oder es sollen Kontakte abgeschlagen werden.
Kitting ist ein weiterer Bereich. Heilind erstellt anhand einer Stückliste komplette Bauteilsets. Sie sind für die Produktion beim Kunden bereits fertig vorbereitet oder umfassen einen Beipack aus beispielsweise Steckern, Kontakten und Dichtungen für die Auslieferung einer Maschine. Eine solche Zusammenstellung erspart dem Kunden viel Zeit und Kosten für produktionsfremde Tätigkeiten.

Zu guter Letzt noch zu einer Dienstleistung, die viele Kunden sicherlich schätzen werden: Sie beliefern ihre Kunden mit Kleinmengen und übernehmen auch Materialüberbestände?

Barrig: Durch vordefinierte Verpackungseinheiten oder Mindestbestellmengen der Hersteller verteuern sich Produkte, die in Kleinserien auf den Markt gebracht werden sollen. Demgegenüber ist der Einkauf kleiner Bauteilmengen oft sehr teuer. Hier können wir durch unsere weltweite Präsenz und durch die engen Beziehungen zu mehr als 100 wichtigen Bauteilherstellern oft Alternativen liefern, die in kleineren Einheiten verfügbar sind. Wir übernehmen aber auch die Restmengen von großen Verpackungseinheiten, weil das Bauteil für andere Kunden interessant ist. Am Ende gewinnen wir als Distributor, weil wir als vertrauenswürdiger Partner geschätzt werden, der sowohl Kleinmengen als auch High-Volume für die Großserie liefert.

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