ACAL stärkt mit der BFI-Übernahme seine europäische Position

Mit der Übernahme der BFI Optilas will die englische ACAL ihre Spezialisierung weiter vorantreiben. »Unser langfristiges Ziel ist es, zu einem europaweit starken Spezialdistributor zu werden«, so Nick Jefferies, CEO der ACAL.

Markt&Technik: Warum die BFI Übernahme?

Nick Jefferies: Die Kernstrategie der ACAL besteht darin, sich weiter zu spezialisieren, sich auf Nischenmärkte zu konzentrieren und somit vom breiten Wettbewerb abzuheben. Der europäische Markt für Spezialdistribution ist sehr fragmentiert. Ausschlaggebend für die Übernahme war, dass BFI ein sehr stark spezialisierter Distributor ist, der mit seinem komplementären Produktmix und seiner starken Präsenz in Deutschland und Frankreich die Aktivitäten der ACAL hervorragend ergänzt.

BFI Optilas ist in der Distribution eine bekannte Marke. Was wird mit dem Brand passieren?

Das ist eine berechtigte Frage. In den kommenden 12 bis 15 Monaten werden wir die beiden Marken ACAL und BFI zunächst separat führen. In der jetzt anlaufenden Integrationsphase wird unser Hauptaugenmerk erst einmal darauf liegen, die operativen Backend-Strukturen zusammenzuführen. Hierzu zählen das IT-System, die Lager beider Unternehmen und die Administration. Das Frontend, also die Sales-Teams und der Kundensupport, werden im ersten Schritt unverändert fortgeführt. Was nach einem bis anderthalb Jahren mit dem Brand »BFI« geschehen wird, haben wir noch nicht entschieden. Tatsache ist, dass BFI über ein sehr starkes Standing im deutschen und im französischen Markt verfügt. Dort ist die Marke vielleicht sogar bekannter als ACAL, während es in Großbritannien umgekehrt ist.

Welche Größenordnung erreicht das Geschäft von ACAL und BFI?

Der Umsatz beider Firmen im Bereich der Bauelementedistribution beläuft sich auf jeweils 100 Mio. Euro, so dass wir in Summe einen Umsatz von 200 Mio. Euro vorweisen können. Die Hälfte des ACAL-Umsatzes entfällt auf Großbritannien, 47 Prozent des BFI-Umsatzes werden in Deutschland und Frankreich generiert, also eine sehr komplementäre geographische Mischung. Die Überlappung sowohl bei den Kunden als auch bei den Lieferanten ist äußerst gering. Daher sehen wir kurzfristig keinen Handlungsbedarf, die Integration im Frontend voranzutreiben.

Wie wirkt sich die Akquisition auf Ihren Marktanteil aus?

Europartners schätzt den westeuropäischen Distributionsmarkt auf rund neun Mrd. Euro. Der Markt für Spezialdistribution, in dem wir tätig sind, beläuft sich auf rund 22 Prozent dieser Summe, also ungefähr 2 Mrd. Euro. Wir gehen davon aus, dass sowohl ACAL als auch BFI einen Marktanteil von ungefähr 5,5 bis 6 Prozent besitzen, unser kombinierter Marktanteil beläuft sich also auf rund 11 Prozent. Der Zusammenschluss macht uns also zum größten Player im Spezialistenmarkt.

Das Produktportfolio dürfte sich durch die Übernahme deutlich vergrößert haben. Gibt es Produktsegmente, die für ACAL gänzlich neu sind?

Ja einige. So konzentriert sich BFI unter anderem auf die Bereiche Photonic und Bildverarbeitung, bietet Laser- und hoch auflösende Infrarot-Imaging-Systeme und –Komponenten an sowie sehr spezialisierte passive Bauelemente. Sowohl Produkte als auch Lieferanten beider Firmen sind sehr komplementär. Es gibt kaum Überschneidungen oder Wettbewerb, deswegen haben unsere Lieferanten die Akquisition auch ausdrücklich begrüßt.

Wie paneuropäisch ist Ihre Linecard?

Für uns ist eine paneuropäische Position nicht das Maß aller Dinge. Vielmehr sehen wir uns die Gegebenheiten in den einzelnen Ländern und Regionen an und entscheiden, welche Produkte und welche Unterstützung dort sinnvoll ist. Unser Geschäftsmodell stützt sich auf hoch spezialisierte technische Mitarbeiter. Wie wir in den einzelnen Ländern vorgehen, entscheiden wir auch anhand der technischen Ressourcen, die uns dort zur Verfügung stehen. Und wir sehen uns natürlich den Wettbewerb vor Ort an – auch das ist ein entscheidendes Kriterium, weniger der paneuropäische Aspekt. Diese Sichtweise teilen wir mit unseren Herstellern: Europaweite Präsenz ist wichtig, aber man muss jedes Land separat betrachten und vernünftige Ressourcen bereitstellen, um dem lokalen Wettbewerb Paroli bieten zu können. Der Markt für Spezialdistribution ist von Land zu Land unterschiedlich.