UL übernimmt IEC-Norm Harmonie mit den USA

Anders als in der Handelspolitik geben die USA nationale Normen immer öfter auf und orientieren sich an internationalen Standards. In Bezug auf Stromversorgungen haben neue, harmonisierte Normen die alte UL 508 abgelöst. Was bedeutet das für Hersteller und Anwender?

Normen und Standards konnte der rasanten Entwicklung in der Automatisierungstechnik der letzten dreißig Jahre nicht folgen. Das Ergebnis war ein ungeordnetes Normen-Konglomerat, international nicht harmonisierbar und thematisch vermischt. Sicherheitsaspekte und funktionelle Eigenschaften beispielsweise wurden oftmals nicht sauber getrennt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Normen aus anderen Bereichen wie der Informationstechnik in Bezug auf die elektrische Sicherheit zweckentfremdet wurden, zum Beispiel die IEC 60950-1.

Diese unbefriedigende Situation bewog die IEC dazu, im Jahr 2011 normenübergreifende Arbeitsgruppen zu bilden. Die JWG 13 (Joined Working Group) beispielsweise widmet sich den Anforderungen von Industrial Automation Technology (INDAT) und sollte bestehende Standards evaluieren, fehlende Themen erkennen und eine Basis für einen international harmonisierbaren Standard schaffen.

Ein innovativer Schritt war es, Sicherheitsaspekte, die sich naturgemäß weniger schnell verändern, von funktionellen Anforderungen, die aufgrund der schnellen technologischen Fortschritte deutlich häufiger angepasst und ergänzt werden müssen, zu trennen. Um Sicherheitsaspekte zu bewerten, wurde die IEC 61010-1 (allgemeine Sicherheitsanforderungen für Mess-, Steuer- und Laborgeräte) als Basis herangezogen und um den Teil 2-201 (industrielle Steuergeräte) ergänzt. Da Stromversorgungen zu den industriellen Steuergeräten zählen, gilt dieser Standard auch für sie. Bei Produktstandards, wie der IEC 61131-2 (Speicherprogrammierbare Steuerungen), wiederum strich man die Sicherheitsanforderungen aus der Norm und verweist dafür auf die IEC 61010-2-201.

Mittlerweile sind die Normen soweit entwickelt, dass seit 2016 danach geprüft und zugelassen werden kann. Auch die Anzahl der akkreditierten Prüflabore steigt seit diesem Zeitpunkt exponentiell an.

Die IEC 61010-1 und IEC 61010-2-201 sind international harmonisiert und in den wichtigsten Wirtschaftsregionen akzeptiert. Über das CB-Verfahren (IECEE CB Scheme) können nationale Zertifizierungsstellen die entsprechenden Testberichte anerkennen und für eine nationale Zulassung verwenden. In den USA löst die ANSI/UL 61010-1 und ANSI/UL 61010-2-201 die alte UL 508 (Industrial Control Equipment) in Bezug auf Stromversorgungen ab.

Werden bei einer Zulassung nach IEC 61010-1 und IEC 61010-2-201 die nationalen Abweichungen der ANSI/UL 61010-1 berücksichtigt, kann man über das CB-Verfahren ein UL-Zeichen beantragen. Das vereinfacht den Prüfaufwand für den Markteintritt in die USA enorm. Die ANSI/UL 61010-2-201 wurde sogar ohne nationale Abweichungen aus der IEC-Norm übernommen. Nachdem im Bereich industrieller Anwendungen US-amerikanische und kanadische Standards schon immer übereingestimmt haben, verwundert es nicht, dass die CAN/CSA-C22.2 No. 61010-1 und die CAN/CSA-C22.2 No. 61010-2-201 auch in Kanada die alten CAN/CSA-C22.2 No. 107 und No. 142 ablösen.

In Europa ist die EN 61010-2-201 im Amtsblatt der Europäischen Union gelistet und eignet sich zur Konformitätsvermutung der Sicherheitsziele der Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU. Das bedeutet, eine EU-Konformitätserklärung kann auf Basis dieser Normen ausgestellt werden.

Seit Februar 2016 gilt die ANSI/UL 61010-2-201 bei Stromversorgungen als offizielle Nachfolgernorm der UL 508. Zulassungen nach der alten UL 508 bleiben weiter gültig, werden aber bei einigen UL-Kategorien mittlerweile nicht mehr als mögliche Option zur Konformitätsbewertung gelistet. Es ist damit zu rechnen, dass früher oder später eine Umstellung auf die neue Norm erfolgen muss.

So verweist zum Beispiel die UL-Kategorie NMTR (Industrial Control Equipment – Power Circuits and Motor-mounted Apparatus) bei Stromversorgungen auf die ANSI/UL 61010-1 und ANSI/UL 61010-2-201 und nicht mehr auf die UL 508. Auch wenn die meisten Stromversorgungen im Sinne der ANSI/UL 61010-2-201 als »Open Equipment« eingestuft werden, darf man diese mit einer UL-Listing-Kennzeichnung versehen. Eine solche Kennzeichnung hat im Vergleich zum UL-Recognition-Mark den Vorteil, dass beim Wechsel eines Stromversorgungsmodels in einer Anwendung keine zusätzlichen Prüfungen mehr erforderlich werden.

Werden bei einer UL-Zulassung auch die kanadischen Normen, wie vorher erwähnt, berücksichtigt, kann man ein cULus-Zeichen anbringen, das auf Basis der gegenseitigen Anerkennung auch in Kanada akzeptiert wird.