Zwei Tage voll Power Das war die BatteryWorld 2020

Drei wegweisende Keynotes

Der zweite Tag der BatteryWorld startete mit drei halbstündigen Keynotes. In der ersten Keynote zeigte Dr. Jürgen Pfeiffer von Wacker Chemie die Chancen auf, die Silizium für Hochleistungsbatterien bietet. Er hob hervor, dass siliziumbasierte Materialien die höchste bekannte Speicherfähigkeit für Lithiumionen aufwiesen und deshalb das Potenzial hätten, die Energiedichte solcher Batterien und ihre Leistungskraft deutlich zu steigern. Ein weiterer Vorteil von Silizium sei zudem, dass es zum aktuellen Zeitpunkt in ausreichenden Mengen vorhanden sei.

In seiner Keynote zur Klimabilanz von Elektroautos konstatierte Hinrich Helms vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu), dass batteriebetriebene Fahrzeuge in der Nutzungsphase  tendenziell weniger Klimagase als Verbrenner verursachten, jedoch in der Herstellungsphase stets mehr – dies liege vor allem an der energieintensiven Batterieproduktion. Diese Startlast kompensiere das Elektroauto allerdings mit jedem Kilometer, das es fahre und dabei einen Verbrenner ersetze. Sein Fazit: Die Klimabilanz von elektrischen Autos hänge unter anderem also davon ab, wie sie genutzt würden. Besonders von Vorteil seien also intensiv genutzte Stadtfahrzeuge mit kleiner Batterie und hoher Jahresfahrleistung. Abschließend machte er dem Publikum noch Hoffnung für die Zukunft: Die Klimabilanz von E-Autos könne sich künftig noch steigern lassen; dies würde durch Dekarbonisierung des zum Fahren getankten Stroms gelingen, aber auch durch eine verbesserte Fertigung der Batterien.

Die dritte Keynote hielt Tim Schäfer von Envites Energy, ein junges Unternehmen aus Nordhausen im Harz, das auf den Geschäftsfeldern Batterien und Systeme, Brandschutz und Umwelttechnik sowie Verfahrenstechnik und F&E tätig ist. In dem Vortrag mit dem Titel »Li-Ionen-Zellen made in Germany« machte Schäfer deutlich, dass man bezüglich Batteriezellinnovationen nicht nur auf China blicken muss, sondern durchaus auch im näheren Umfeld fündig werden kann. So gebe es aktuell Planungen, die in einem ersten Schritt an einem Verbundstandort, gelegen in Nordthüringen und Umgebung beziehungsweise  in Sachsen, eine Produktionskapazität von einer Million Stück Batteriezellen in Lithium-Ionen-Technik vorsähen. Die Herstellung hier solle sehr effizient und vergleichsweise ressourcenschonend ablaufen. Deshalb, und aufgrund des guten Rufes »made in Germany«, müssten diese Batteriezellen die Konkurrenz aus Asien keineswegs fürchten.

Wiederverwendung gebrauchter Batterien im Blick

Am Nachmittag des zweiten Tages der BatteryWorld hatten die Besucher die Qual der Wahl was die Themen der unterschiedlichen Vorträge betraf. Informieren konnten sie sich zu folgenden Themenbereichen: Zellchemie- und -verhalten, Kleinanwendungen, Batterie-Sicherheit, Batteriesysteme & Zellkontaktierung sowie Messverfahren & Charakterisierung von Batteriezellen. Passend zum Ziel der Veranstaltung, die gesamte Wertschöpfungskette von Batterien thematisch zu behandeln, standen am Ende Referentenbeiträge aus dem Bereich Second Life und Recycling auf dem Programm.

Hier ging zum Beispiel Tam Nguyen von BMW potentielle wirtschaftlich machbare Anwendungen von neuen und Second-Life-Batterien aus Elektrofahrzeugen ein, wie etwa die Speicherung photovoltaischer Energie im Haus, Intraday-Handel und Frequenzregulierung sowie deren kombinierter Betrieb. Dr. Jürgen Kölch von EVA Fahrzeugtechnik wiederum gab in seinem Vortrag  detaillierte Einblicke über die Erfahrungen seines Unternehmens bei der Planung und beim Aufbau von prototypischen Battery-Second-Life-Anlagen im Megawatt-Maßstab. Den Abschlussvortrag hielt Simon Bischof vom Karlsruher Institut für Technologie, der den Konferenzbesuchern das Thema »Rekonfigurierbare Batteriesysteme zur Integration von Second-Life-Batterien in industrielle Anwendungen« näher brachte.

Interessantes Rahmenprogramm

Neben dem vielfältigen Konferenzprogramm bekamen die Teilnehmer der BatteryWorld ein attraktives Rahmenprogramm geboten. In der begleitenden Ausstellung präsentierten Firmen aus dem gesamten Spektrum der Batterietechnik und der Stromversorgung wie zum Beispiel Varta, Ansmann, Hy-Line und Gossen Metrawatt ihre aktuellen Produkte und Entwicklungen. Und als Schmankerl lockte am ersten Abend ein Besuch nebst hochklassigem Dinner in der Allianz-Arena. Dort konnte man genau hinter die Kulissen blicken, das Spielfeld sowie die Mannschaftskabine des FC Bayern München betreten und das einzigartige Energiekonzept des Stadions kennenlernen.

Außerdem fand an beiden Tagen parallel zur BatteryWorld die Veranstaltung Power Architectures – Produkte, Konzepte und Lösungen statt. Bei Interesse hatten die BatteryWorld-Teilnehmer die Möglichkeit, auch hier Vorträge oder Workshops zu besuchen.