Atemtest für Diabetes Sensoren aus dem Drucker

Auf dem Glasträger befinden sich hochempfindliche Gas-Sensoren aus dem 3D-Drucker.
Auf dem Glasträger befinden sich hochempfindliche Gas-Sensoren aus dem 3D-Drucker.

Ein internationales Forschungsteam hat ein einfaches Herstellungsverfahren für Aceton-Sensoren entwickelt. Die per 3D-Druck gefertigten Sensoren sollen einen Atemtest für Diabetikerinnen und Diabetiker ermöglichen.

Einem Forschungsteam aus der Materialwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) und der Biomedizintechnik der Technischen Universität Moldawien ist es gelungen, sehr sensible und energieeffiziente Sensoren per 3D-Druck herzustellen. Die einfache und kostengünstige Herstellungsmethode eignet sich auch für eine industrielle Fertigung, erläuterte das Tea in einem Artikel im Fachmagazin Nano Energy. Ihr dort vorgestellter Sensor ist durch eine spezielle Strukturierung auf Nanoebene in der Lage, die Konzentration von Acetongaspräzise zu messen. Da die Aceton-Konzentration im Atem mit der Höhe des Blutzuckerspiegels korreliert, hofft das Forschungsteam, damit auch einen Schritt hin zu einem Atemtest für Diabetikerinnen und Diabetiker gemacht zu haben, der die tägliche Messung per Stich in den Finger ersetzen könnte.

Vergrößerte Oberfläche macht Sensor empfindlicher

Unter einem hochauflösenden Elektronenmikroskop wird die besondere Oberfläche der neuen Sensoren sichtbar: In einem Dickicht aus zahlreichen Spitzen von nur etwa 20 Nanometern Durchmesser verfangen sich Moleküle von Gasen wie Aceton besonders leicht. Die Spitzen vergrößern die Sensoroberfläche und sorgen so für seine hohe Empfindlichkeit. »Um diese besondere Struktur zu erreichen, erhitzen wir einfache Mikropartikel aus Metall bis sich auf ihnen die zahlreichen feinen Spitzen bilden. Mit einer speziell entwickelten Tinte können wir diese Partikel per 3D-Drucker auf verschiedene Oberflächen präzise auftragen«, erklärt Leonard Siebert das sogenannte Direct-Ink-Writing-Verfahren. Als Doktorand in der Arbeitsgruppe Funktionale Nanomaterialien forscht er an der CAU unter anderem zu additiven Fertigungstechniken wie dem 3D-Druck.

Vielseitiges Verfahren für Aceton und andere Gase

Das in dem Artikel geschilderte automatisierte 3D-Druckverfahren lässt sich für ihr Sensorkonzept an normaler Umgebungsluft durchführen. So entstehen in wenigen Minuten mehrere Sensoren gleichzeitig, wofür es in Reinräumen bisher ein paar Stunden brauchte. Für die Partikel können verschiedene Ausgangsmaterialien verwendet und angepasst werden, je nachdem welches Gas der Sensor später detektieren soll. »Noch ist das in erster Linie Grundlagenforschung, aber in Zukunft lassen sich nach diesem Prinzip auch Sensoren für Wasserstoff oder andere explosive oder gefährliche Gase entwickeln«, ist CAU-Professor Rainer Adelung, Leiter der Arbeitsgruppe, überzeugt. 

Um die besonderen Spitzen bilden zu können, müssen die Metallpartikel als Ausgangsmaterial des Sensors eine bestimmte Größe haben. »Entscheidend ist das richtige Verhältnis von Oberfläche und Volumen. Die Oberfläche sollte im Vergleich zum Volumen relativ groß sein«, erklärt Dr. Oleg Lupan von der Biomedizintechnik an der Technischen Universität Moldawien. Sechs Monate erforschte er diesen Prozess als Humboldt Fellow in der Kieler Arbeitsgruppe. Was für die Empfindlichkeit der Sensoren von Vorteil ist, erweist sich bei ihrer Herstellung als Herausforderung: Während sich kleinere Partikel mit etablierten Techniken wie Sprühverfahren oder Vakuum-Aufdampfanlagen leicht auf Oberflächen anbringen lassen, sind die hier verwendeten Mikropartikel dafür bereits zu groß. Deshalb haben die Forscher überlegt, wie sie 3D-Drucker nutzen können, um die Mikropartikel aufzutragen. Die Kenntnisse der Wissenschaftler der TU Moldawien zur Nanostrukturierung und die Erfahrungen der Kieler Forscher im 3D-Druck hätten sich dabei ideal ergänzt.

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Sensoren aus dem 3D-Drucker...

...sollen einen effizienten Atemtest für Diabetiker ermöglichen.

Energieeffizienz ermöglicht mobile Anwendungen

Wenn im fertigen Sensor organische Moleküle auf die zahlreichen Spitzen treffen, reagieren sie stark miteinander. So verändern sie den Widerstand des Sensors und lösen deutlich messbare Signale aus. Grundsätzlich fließt durch die dünnen Spitzen jedoch nur eine geringe Menge Strom. So verbrauchen die Sensoren nur sehr wenig Energie. Das mache auch kleine, tragbare Messgeräte denkbar, die sich zum Beispiel direkt über das Smartphone auslesen lassen.

So könnte ein zukünftiger Einsatz der Sensoren in mobilen, tragbaren Atemtests für Diabetikerinnen und Diabetiker möglich sein, hoffen die Forscher. Statt ihren Blutzuckerwert mehrmals täglich über einen Stich in den Finger zu ermitteln, könnten Betroffene den Acetongehalt in ihrem Atem messen. Das Stoffwechselprodukt entsteht bei Insulinmangel und wird über die Atemluft abgegeben. Die hochempfindlichen Sensoren konnten Acetonwerte von bis unter 1 ppm (Partikel pro Millionen Luftteilchen) feststellen, heißt es in dem Artikel, während der Atem von Diabetes Typ I oder II Betroffenen einen Acetongehalt über 2 ppm hat.