Zwei-Quadranten-Netzgeräte-Serie NGL200 Manchmal muss es linear sein

Fazit

Positiv - Das HMI an NGL200 führt die reduzierte und effiziente Steuerung auf Touchdisplaybasis fort, mit der bereits die Power-of-Ten Oszilloskopfamilie ihre Fans begeisterte. Ein besonderes Lob verdient die, unter jedem noch vertretbaren Blickwinkel, hervorragend ablesbare Anzeige, die im Design eher einem Leitsystem oder Radiowecker als den üblichen U-Boot-Anzeigen, entspricht. Das GUI-Layout ist sinnvoll partitioniert und unmittelbar verständlich. Die Lüftersteuerung hält den Laborlärm wohl auf dem gerinstmöglichen Niveau, was vor allem im Vergleich zu üblichen Schaltnetzteilen einen zusätzlichen Wohlfühlfaktor bedeutet. Mit dem Schnittstellenumfang, einschließlich WLAN und Webinterface, lässt sich eine Steuerung wohl unter nahezu jeder Vorraussetzung realisieren; schlimmstenfalls durch einen HotSpot mit dem eigenen Mobiltelefon. Ein hochauflösender U/I/P-Messplatz mit Lastfunktion und Batteriesimulation für Komponenten- und Geräteebene, bedeutet im Elektroniklabor mit Sicherheit einen Mehrwert. Für Oszilloskopaufgaben sollte aber spezielle Verbindetechnik oder Schirmung eingeplant werden.

Fragezeichen - Ein Fragezeichen stellt die leichte Bildschirmerwärmung, welche bei hochsommerlichen Temperaturen unter Umständen mit jedem Touch das Look&Feel verschlechtert. Weiterhin sind einige wenige Parameter-Bezeichnungen nicht unmittelbar verständlich und geben ihren Sinn erst nach einem Blick ins Handbuch Preis. Im Prinzip: wo immer etwas Zeitabhängiges parametriert wird (z.B. Verzögerung) sollte auch ein kleines Schaubild die Parameter verdeutlichen. NGL200 zeigt solche Schaubilder nicht!

Ausbaubar - Der direkte SCPI-Schritt des Lastwidertandes mit RES:STEP und RES UP, ist im Handbuch zwar angedeutet, wird aber vom Gerät ignoriert. Ähnlich ergeht es mit der Ausgabe von Log-Dateien: sie scheitert sowohl über PyVISA als auch über das Webinterface, gibt aber immerhin einen Fehler aus. Eine ad-hoc Streamingfunktion scheint nicht vorhanden - an dem DSGVO-kritischen USB-Stick führt an dieser Stelle kein Weg vorbei. Der Relaispreller kann für den Laboringenieur “Angst in Tüten” bedeuten. (ct)

Referenzen

[1] http://www.ni.com/white-paper/6850/de/

[2] https://pyvisa.readthedocs.io

[3] http://www.hit.bme.hu/~papay/edu/Lab/SCPIandVISA.pdf

[4] https://www.keysight.com/upload/cmc_upload/All/SCPI-99.pdf

[5] setrudisNGL.py

[6] transienterlaerm.py

[7] trvstftr.py

* In der HF-Technik bewirken geringe Restwelligkeiten u.a. Verschiebungen des Spektrums der Zwischenfrequenzen.

** Da spezialisierte Poweranalyser für Embedded-Geräte heutzutage vom Amperebereich bis in den nA-Bereich messen, ist der gebotene Dynamikbereich aus Messtechniksicht eher mittel.

+ Alle Angaben nach Rohde & Schwarz