Kommentar von Yole Développement Wird TSMCs Fab in den USA die Lieferkette umkrempeln?

Dass TSMC eine moderne Wafer-Fab in den USA baut, ist ein folgerichtiger Schritt aus dem Exportverbot der US-Regierung von Chips auf Basis von US-Technologien an Huawei. Die wird einerseits die globale Lieferkette umkrempeln, andererseits könnte die chinesische Foundry SMIC der lachende Dritte sein.

Mitte Mai 2020 machte die Nachricht die Runde, dass die Taiwan Semiconductor Manufacturing Corporation (TSMC) für 12 Milliarden US-Dollar eine Chipfabrik in den USA bauen würde. Ab Anfang 2024 soll TSMC, die weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter in der Lage sein, technologisch fortschrittliche Chips im 5-nm-Prozess zu produzieren. Dies erfolgt angesichts der Spannungen zwischen China und den USA und dieses zermürbenden Handelskrieges, der nur durch die schlimmste Gesundheitskrise der letzten 50 Jahre, COVID-19, gedämpft wurde.

Es ist überraschend, aber in einer Zeit, in der die Sorgen woanders liegen und China durch die Krise geschwächt und überall in der Kritik steht, ist diese Entscheidung keineswegs unlogisch. Die gegenwärtige Situation hat gerade einen strategischen Schritt beschleunigt, der seit einigen Jahren im Verborgenen stattfindet. Dieser Schritt von TSMC geht einher mit der Entscheidung der USA, Huawei von jeglicher US-amerikanischer Technologie abzuschneiden, auch von Chips, die im Ausland mit US-Ausrüstung hergestellt werden. Dies wird die globale Lieferkette bei Halbleiterchips völlig neu ordnen. Yole Développement sieht die den chinesischen Konkurrenten von TSMC, die Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC), als einen der potenziellen Gewinner dieses Wettbewerbs.

Rekapitulieren wir kurz. TSMC ist weltweit ein strategisch bedeutsames Unternehmen, weil es das einzige ist, das die modernsten Halbleiterchips herstellen kann. Wir finden diese Chips in unserem Alltag, zum Beispiel in unseren Smartphones, zu Hause in unseren intelligenten Lautsprechern oder in unseren Autos, aber auch in sensiblen Segmenten wie Rechenzentren, Verteidigung, Medizin oder Industrie.

Dieses Unternehmen, das die gesamte Welt beliefert, nimmt somit eine Sonderstellung ein und hat seinen Sitz in Taiwan. Für die Volksrepublik China ist Taiwan eine abtrünnige chinesische Provinz. Die USA und ein großer Teil der übrigen Welt betrachten sie als unabhängiges Land. Seine strategische Position ist daher mit einer geografischen und politischen Situation verbunden, die dieselbe Bewunderung hervorruft wie ein Seiltänzer, der über den Grand Canyon spaziert. Aber wie kann das Land während und nach diesem geopolitischen und wirtschaftlichen Konflikt, der durch die Gesundheitskrise COVID-19 noch verstärkt worden ist, Geschäfte machen?

Epizentrum wechselseitiger Abhängigkeiten

Hauptabnehmer für die Chips von TSMC sind Huawei über dessen Tochter HiSilicon auf chinesischer Seite sowie Apple, Qualcomm, AMD und NVIDIA auf US-amerikanischer Seite. Auf jeder Seite stehen Milliarden von Dollar, und die Wahl des einen oder anderen Partners hätte erhebliche Auswirkungen auf die Einnahmen und die Politik. Einige Jahre lang war die Politik Taiwans darauf ausgerichtet, abzuwarten und alle Seiten zu bedienen.

Doch das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump und seine Unvorhersehbarkeit – vor allem gekennzeichnet durch die Sanktionen gegen Huawei und das Verbot, amerikanisches Material an Unternehmen zu liefern, die unter chinesischer Flagge handeln – haben die Fronten verschoben. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Chinas Foundry SMIC mit dem 14-nm-Knotenpunkt gerade eine höchst moderne Prozesstechnologie implementiert hat. Zwar sind die USA mit GlobalFoundries mit deren 14-nm-Prozess und Intel mit einem 10-nm-Prozess, der der 7-nm-Technologie der ersten Generation entspricht, schon noch ein bisschen voraus, aber die Amerikaner brauchen die Chinesen. Denn sie finanzieren ihr Defizit, ermöglichen es ihnen, mit weniger Umweltauflagen außerhalb ihres Territoriums zu fertigen, und verschaffen US-Firmen enorme Margen. Die Einführung von Zöllen stärkt die Entstehung der chinesischen Konkurrenz und verringert somit den Umsatz vieler US-Unternehmen.

Dies ist eine ungewöhnliche und komplexe Gemengelage. Um Präsident Trump zufriedenzustellen und die Geschäfte auf beiden Seiten aufrechtzuerhalten, haben TSMC und Taiwan beschlossen, die Bauverfügung in den USA zu akzeptieren, um deren Bedenken über die nationale Sicherheit vom Tisch zu räumen und damit auch die internationale Lieferkette umzukrempeln.

Es ist wichtig zu betonen, dass im Jahr 2020 bereits 5-nm-Chips hergestellt werden sollen. Bis 2024 wird es sich dabei eher um einen Transfer einer Technologie handeln, die nicht mehr marktführend ist. Hinzu kommt, dass 20.000 Wafer pro Monat ein sehr geringes Volumen ist. Demzufolge werden in dem neuen TSMC-Werk in Arizona die kritischen Anwendungen abgedeckt, bei denen es um die nationale Sicherheit geht, nicht aber der Consumer-Markt.

Neue Wirtschaftsbeziehungen werden entstehen

Nichts ist endgültig, und es überrascht nicht, dass es Vereinbarungen zwischen den USA, Taiwan und China gibt. TSMC tätigt mit Huawei Geschäfte in Höhe von rund 6 Milliarden US-Dollar pro Jahr, und es scheint schwierig zu sein, dieses Geld auszuschlagen. Sollte dies jedoch eintreffen, wird SMIC der Nutznießer sein, da China dann den Übergang zur Autonomie bei den modernsten Halbleiterprozessen beschleunigen wird und SMIC die Aufträge von Huawei erhalten wird.

Intel wurde zu der Diskussion eingeladen und wird wahrscheinlich durch eine fabelhafte Strategie von der neuen Fabrik von TSMC profitieren, die die nationalen Märkte für Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt bedient. Andererseits scheint es, dass Samsung der Verlierer dieser Vereinbarungen wäre, da es an keiner dieser Pläne beteiligt war, weder in China noch in den USA – noch nicht, da Samsung jetzt ihre 5-nm-Produktion für NVIDIA und ihre eigenen Chips, Exynos, starten.

Diese Zeit ist spannungsgeladen. Überall sind Spannungen zu spüren, politisch durch aggressive diplomatische Maßnahmen, wirtschaftlich durch drastische Sanktionen. Auf die Gesundheitskrise, die diese Spannungen noch verschärft, wird wahrscheinlich eine beispiellose Wirtschaftskrise folgen, auch wenn sie dank der finanziellen Anstrengungen der meisten Länder abgemildert werden dürfte. Der Mangel an Liquidität wird zu spüren sein, und die Sicherung von Geschäften ist unerlässlich geworden. Letztendlich hat TSMC diese Situation ausgenutzt, um das zu erreichen, was in einer Zeit des Friedens und der Gesundheit nicht möglich gewesen wäre.