Kommentar Warum hat Analog Devices Linear Technology übernommen?

Am 27. Juli 2016 gab‘s bei uns im Haus nur ein Thema: Analog Devices (ADI) übernimmt Linear Technology (LTC). Trotz der zahlreichen Übernahmen der letzten Monate im Halbleiterbereich sticht diese hervor. Da stellen sich einige Fragen.

- Warum wurde Linear Technology verkauft?

Fakt ist, Linear Technology ist einer der profitabelsten Chiphersteller weltweit: Selbst im Krisenjahr 2012 lag die Gewinnmarge bei um die 30 %, im zweiten Quartal 2016 bei über 35 %. Es gab also keinerlei wirtschaftliche Notwendigkeit zu verkaufen. Fakt ist jedoch auch, dass das Linear-Management in die Jahre gekommen ist: Bob Swanson, Mitgründer und Chef des Verwaltungsrats ist 77, sein Kompagnon und CTO Bob Dobkin Anfang siebzig. Der aktuelle CEO Lothar Maier und viele aus dem Senior-Management sind mindestens 60. Könnte es sein, dass Linear es verschlafen hat, Führungskräfte aufzubauen, die das Lebenswerk von Swanson und Dobkin langfristig weiterführen können? Konnten Swanson und Dobkin einfach nicht »loslassen«? Vieles spricht dafür.

Auch droht LTC seine Innovationskraft zu verlieren, wenn Bob Dobkin nicht mehr da ist. Immerhin gehen etwa die Hälfte der Patente auf ihn zurück. Und auch wenn er bliebe, hat Dobkin kein ewiges Leben.

- War der Preis zu hoch, den Analog Devices bezahlt?

Der Preis war mit rund 14,8 Milliarden US-Dollar extrem hoch, das steht außer Zweifel. Zum Vergleich: Texas Instruments zahlte für National Semiconductor im April 2011 mit 6,5 Milliarden US-Dollar nicht einmal die Hälfte. Zudem repräsentieren die 14,8 Milliarden US-Dollar fast das Zehnfache der Umsätze von LTC für das Jahr 2015 – einen der höchsten Aufschläge in der Halbleiterindustrie in der letzten zehn Jahre bezahlt hat. Der Umsatz von National lag im Geschäftsjahr 2010 bei 1,6 Milliarden US-Dollar, TI zahlte also gerade einmal einen vierfachen Aufschlag. Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, bezeichnete die Übernahme von Wolfspeed Mitte Juni 2016 mit einem siebenfachen Aufschlag auf den Jahresumsatz schon als außerordentlich hoch. Und so ist es letztendlich nicht verwunderlich, dass Bob Swanson den LTC-Deal bei der Analystenkonferenz wie folgt kommentierte: »Was uns als börsennotiertes Unternehmen letztlich überzeugt hat, war schlicht unsere Verantwortung gegenüber unseren Anteils­eignern. Ein solches Angebot kann man nicht ausschlagen.« Die LTC-Aktionäre werden 46 Dollar in bar und im Aktientausch für vier LTC-Anteile etwa eine ADI-Aktie erhalten.

Ob sich der Deal für Analog Devices letztlich rechnen wird, wird sehr davon abhängen, ob ADI die exorbitanten Renditen von LTC fortschreiben kann. Das halte ich für schwierig zu realisieren, da Linear nicht als eigenständige Geschäftseinheit weitergeführt wird.