Marktforscher IHS Markit US-China-Streit betrifft Halbleiter und Unterhaltungselektronik

Im Moment fallen die Preise für NAND-Flash-ICs, doch ab der zweiten Jahreshälfte werden sie sich voraussichtlich wieder stabilsieren.
Der Zollkrig zwischen den USA und China hilft niemandem.

Für den Halbleiterbereich wird der eskalierende Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China ein für beide Seiten schädliches Nullsummenspiel sein, bei dem es keine Gewinner gibt, erklärt der Marktforscher IHS Markit.

Ein Zollkrieg zwischen den beiden weltweit größten Herstellern und Verbrauchern von Halbleitern wird sich wahrscheinlich über die gesamte Elektronik-Lieferkette ausbreiten, die eine Vielzahl von Märkten, Handel und Unternehmen umfasst, und sowohl amerikanische als auch chinesische Unternehmen könnten darunter leiden., erklärte IHSMarkit in einer Analyse.

Die Zölle, die von der Regierung von Präsident Trump eingeführt werden, sollen die Einfuhren aus China weniger attraktiv machen, indem sie die US-Unternehmen zwingen, dafür mehr zu zahlen. Die Unternehmen müssen dann die durch die Zölle verursachten Mehrkosten irgendwie auffangen oder an die Verbraucher weitergeben. Die Verbraucher wiederum kaufen weniger zollpflichtige Waren, weil sie teurer sind, und weniger Konsum könnte zu einem Rückgang der US-Wirtschaft führen, befürchten Ökonomen. Die Zölle insgesamt werden die Preise sowohl für die US-Verbraucher als auch für die Unternehmen, die bei Zulieferungen auf China angewiesen sind, in die Höhe treiben.

Verteidiger der Zölle sagen, dass diese eingesetzt werden, um den Schutz inländischer Produkte und Arbeitsplätze vor zu viel ausländischer Konkurrenz zu rechtfertigen, aber Zölle können auch als Instrument benutzt werden, um politischen Druck auf Länder auszuüben.

Der Hintergrund

Nach einer Untersuchung des US-Handelsministeriums wurden von den Vereinigten Staaten wegen Diebstahls geistigen Eigentums durch chinesische Unternehmen Anfang März erstmals Zölle auf alle Stahl- und Aluminiumimporte, einschließlich derjenigen aus China, angekündigt.

Während ein Besuch in den Vereinigten Staaten von chinesischen Beamten im Mai dazu führte, dass beide Seiten sagten, dass ein Abkommen zur Vermeidung von Zöllen in Arbeit sei, revidierte das Weiße Haus diese Haltung weniger als einen Monat später. Mitte Juni kündigte Präsident Trump an, dass die Vereinigten Staaten einen Zoll von 25% auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar aus China erheben würden. Die erste Welle von 34 Milliarden Dollar wird am 6. Juli umgesetzt, die restlichen 16 Milliarden Dollar kommen später. Daraufhin hat China mit eigenen Zöllen reagiert.

Drei Tage später unternahm die Trump-Administration einen weiteren Schritt und definierte chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar, die mit einem Zollsatz von 10% betroffen sein würden. Eine dritte Welle könnte kommen, wenn China mit weiteren eigenen Zöllen darauf reagiert. Zusammengenommen ist die Summe von 450 Milliarden Dollar an US-Zöllen fast so groß wie der Gesamtwert der Waren, die die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr nach China geschickt haben. Dieser belief sich auf 505,6 Milliarden Dollar.

Laut Nachrichtenberichten zielen die US-Zölle auf die Industriesektoren im Zusammenhang mit dem "Made in China 2025"-Plan, dem ehrgeizigen Vorhaben Pekings zur Verbesserung des chinesischen Technologie-Know-hows. Betroffen sind unter anderem die Luft- und Raumfahrt, die Automobilindustrie, die Informationstechnologie und die Robotik, während Produkte aus China, die in der US-Zollliste aufgeführt sind, Halbleiter, Kunststoffe und Maschinen sind.

Die Auswirkungen der Zölle auf US-Halbleiter

Die neuen US-Zölle auf Produkte aus China würden die US-Halbleiter- und Elektronikindustrie in zweierlei Hinsicht beeinflussen.

Erstens, obwohl fast die Hälfte der Chips weltweit in den Vereinigten Staaten entwickelt werden, wird ein Großteil der Produktion nach China geschickt, wo integrierte Schaltungen gefertigt, getestet und verpackt werden. Einige werden dann wieder in die Vereinigten Staaten geschickt, um in der Produktion eingesetzt zu werden. Wie Tabelle 1 zeigt, würden die meisten der 57,2 Milliarden US-Dollar, die in den Vereinigten Staaten durch die Herstellung von Elektronikgeräten erzielt werden, den Zöllen der Trump-Administration unterliegen.

 20162017
Weltweit352,6429,6
USA47,757,2
China151,1192,5

 

Tabelle 1: Halbleiter-Umsätze aus Elektronik-Produkten 2016-17 in Mrd. US-Dollar. Quelle: IHS Markit.

Zweitens werden sehr viele Produkte der Unterhaltungselektronik in China hergestellt und dann in die USA importiert. Im vergangenen Jahr belief sich der Wert der von der chinesischen Fertigung verwendeten Chips nach Angaben des IHS Markit AMFT Intelligence Service auf 192,5 Milliarden Dollar. Da die Zölle die Preise für aus China in die USA importierte Elektronik sehr wahrscheinlich erhöhen werden, werden auch die Kosten für die in den USA ansässigen Halbleiterhersteller steigen. China wird bis mindestens 2021 mit einem Anteil von ca. 16% am weltweiten Umsatz weiterhin der größte Akteur auf dem globalen Markt für Unterhaltungselektronik sein, wie die IHS Markit-Daten zeigen.

Insgesamt können die Zölle die Preise für aus China in die Vereinigten Staaten importierte Elektronik erhöhen und die Kosten für in den USA ansässige Halbleiterlieferanten erhöhen. Dennoch ist es wichtig, daran zu denken, dass die Vereinigten Staaten im Halbleiterdesign einen erheblichen Einfluss auf China haben. Wie Tabelle 2 zeigt, übertreffen die Vereinigten Staaten China beim Chip-Design bei weitem - 214,8 Milliarden Dollar im Vergleich zu 14,4 Milliarden Dollar. China ist wegen des hohen Verbrauchs von Unterhaltungselektronik auch stark von der US-Halbleiterindustrie abhängig.

Halbleiter-Umsatz nach Firmenzentrale20162017Umsatz-Veränderung in %Umsatzanteil weltweit in %
Weltweit352,6429,621,8100
USA182.8214.817,550
EMEA33,638,013,18,8
Japan37,042,314,39,8
Asien gesamt99,2134,535,731,3
davon Cina/Hongkong12,314,416,63,3
davon Südkorea58,592,357,821,5
davon Taiwan23,524,33,55,7
davon Singapore/Malaysia3,53,50,00,1

 

Tabelle 2: Weltweiter Halbleiter-Umsatz nach Lokation der Firmenzentrale 2016-17 in Mrd. US-Dollar. Quelle: IHS Markit.

Das Urteil? Es gibt nur Verlierer

Am Ende hat jedoch keine Seite einen Vorteil. Während es stimmt, dass die Vereinigten Staaten einen enormen Einfluss auf das Chipdesign gegenüber China haben, hat China eine immense Macht in der Halbleiter-Lieferkette. In diesem Sinne sind beide Länder notwendig, um die Branche in ihrer jetzigen Form voranzutreiben.

Wenn die Zölle auf Elektronik, die in die Vereinigten Staaten kommen, zu hoch sind, werden die Verbraucher dort die Nachfrage senken. Sollte dies der Fall sein, müssen die Fabriken in China die Elektronikproduktion abbauen und Arbeiter entlassen. Dies wiederum löst in den USA einen Bumerangeffekt aus: Inländische Halbleiterunternehmen in den USA werden infolgedessen mit einer geringeren Nachfrage rechnen müssen, gefolgt von China, das die Kapazitäten für die Halbleiterfertigung reduziert.