Blattschuß gegen Broadcom Qualcomms Aktionärsversammlung wird verschoben

Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.
Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.

Mit einer überraschenden Strategie hat Qualcomms Vorstand die drohende feindliche Übernahme durch Broadcom bis auf weiteres vereitelt - eine US-Behörde hat per Anordnung die Verschiebung der Hauptversammlung erzwungen.

Würde es sich bei den Halbleiterherstellern Qualcomm und Broadcom um Boxer handeln, wäre Broadcom zumindest vorläufig K.O. gegangen.

Der Plan, bei der heutigen Aktionärsversammlung (ab 17 Uhr deutscher Zeit) zumindest 6 Mitglieder des 11-köpfigen Aufsichtsrates auszutauschen und damit de facto die Übernahme von Qualcomm zu realisieren, konnte mit Hilfe des amerikanischen Komitees CFIUS (Committee on Foreign Investment in the Unites States) zumindest bis zum 5. April gestoppt werden.

CFIUS wurde von Qualcomm in der Nacht zum Sonntag eingeschaltet mit der Folge, dass CFIUS eine Verschiebung der Hauptversammlung forderte, um mehr Zeit zur Prüfung des Deals zu haben. CFIUS untersteht dem US-Finanzminister Steven Mnuchin und setzt sich aus Beamten der Ministerien für Finanzen, Handel, Verteidigung und Justiz sowie dem State Department zusammen.

Eine Intervention der Behörde vor Ankündigung einer Übernahme ist extrem ungewöhnlich, normalerweise wird hinter verschlossenen Türen geprüft, nachdem eine derartige Ankündigung erfolgte.

CFIUS hat in den letzten Monaten mehrere wichtige Deals von chinesischen Käufern blockiert. Unter ihnen waren Übernahmen von MoneyGram, einer Geldtransfergesellschaft, und Lattice Semiconductor.

"Qualcomms Arbeit ist zu wichtig für unsere nationale Sicherheit, um sie in die Hände eines ausländischen Unternehmens fallen zu lassen - und im Rahmen einer feindlichen Übernahme erst Recht nicht", sagte Senator Tom Cotton aus Arkansas. "Ich würde Cfius gerne noch aktiver sehen, insbesondere in Bezug auf China und in Bezug auf kritische Branchen."

Broadcom kritisierte den Vorgang scharf. Qualcomm habe das Komitee für Auslandsinvestitionen eingeschaltet, ohne das gegenüber Broadcom jemals erwähnt zu haben, heißt es in einer Mitteilung. Broadcom ist gerade dabei, die Zentrale von Singapur in die USA zu verlegen. Der Umzug soll Anfang Mai abgeschlossen sein. Dann wäre das Komitee für Auslandsinvestitionen für den Deal nicht mehr zuständig. Die Behörde soll die Übernahme von US-Firmen verhindern, wenn dadurch die nationale Sicherheit Schaden nehmen könnte.

Qualcomm hat die Anschuldigungen Broadcoms in einer Stellungnahme kritisiert und wies darauf hin, dass Broadcom die nationalen Sicherheitsinteressen der USA ignoriere. Außerdem hätte Broadcom mit der CFIUS seit Wochen in Kontakt gestanden, sodass deren Intervention keine Überraschung gewesen sein könne. Broadcom hat dies mittlerweile dementiert und seine Anschuldigungen gegen Qualcomm aufrecht erhalten.

Nachdem die chinesischen Wettbewerbsbehörden immer noch keine Zustimmung zu der Übernahme von NXP durch Qualcomm signalisiert haben, was ganz und gar nicht im Interesse von Broadcom wäre, hat sich Qualcomm zumindest 30 Tage mehr Zeit gekauft – im Minimum. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass eine Zustimmung erfolgen wird, solange die Firmensitzverlegung von Broadcom in die USA nicht abgeschlossen ist.