Top-Management trifft sich in New York Qualcomm/Broadcom: Verkauf denkbar, besseres Angebot gefordert

Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.
Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.

Nachdem Broadcom weitere Zugeständnisse hinsichtlich der Besetzung des Aufsichtsrates gemacht hatte, fand gestern am 14.2. in New York das erste Treffen zwischen den Top-Managern beider Unternehmen statt. Zwei Tage nach dem Treffen firderte Qualcomm weitere Nachbesserungen des Angebotes.

Qualcomm bestätigte am Mittwoch das u.a. von uns angekündtigte Treffen mit Broadcom, um das überarbeitete 121-Milliarden-Dollar-Angebot zu diskutieren, das erste Mal, dass die Chiphersteller darüber gesprochen haben. Auf Qualcomms Seite nahmen neben Aufsichtsratschef Paul Jacobs auch CEO Steve Mollenkopf, President Cristiano Amon, CFO George Davis und der Chefjurist Don Rosenberg an dem Treffen teil. Dazu kam das Aufsichtsratsmitglied Thomas W. Horton,  Senior Advisor der Investmentfirma Warburg Pincus LLC,

Keine der beiden Seiten kommentierte unmittelbar danach die Ergebnisse des zweistündigen Treffens, zwei Tage später schrieb Aufsichtsratschef Jacobs einen Brief an Broadcom-Chef Tan, in welchem die Tür für weitere Gespräche offengehalten, jedoch weitere Nachbesserungen gefordert wurden.

Das Treffen kam zustande, nachdem Qualcomm letzte Woche das überarbeitete Cash-and-Stock-Angebot von Broadcom von 82 Dollar pro Aktie abgelehnt hatte und sagte, dass das neue Angebot die Firma immer noch unterbewerte und die finanziellen Verpflichtungen in Bezug auf regulatorische Probleme, die man erwarten würde, weit unterschritt.

Qualcomm erklärte weiterhin, dass Broadcoms Plan, kartellrechtliche Bedenken durch den Verkauf von zwei Qualcomm-Geschäfrsbereichen, die Wi-Fi-Netzwerkprozessoren und HF-Front-End-Chips für Mobiltelefone, auszuräumen, nicht ausreichend sei, um Vorbehalte auszuräumen, dass der Deal keine behördliche Genehmigung erhalten werde.

Qualcomm hat argumentiert, dass die Unterzeichnung eines Vertrags mit Broadcom in der Zeit, die für den Abschluss des Geschäfts erforderlich ist, zu Unsicherheiten bei seinen Kunden führen kann. Broadcom hat eine Auflösungsgebühr in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar für den Fall, dass die Regulierungsbehörden das Geschäft durchkreuzen, sowie eine "tickende" Gebühr von 6 Prozent pro Jahr für den Baranteil der Gegenleistung zugesagt, wenn der Abschluss mehr als 12 Monate in Anspruch nimmt.

Vor dem Treffen hatte Broadcoms CEO Hock Tan weitere Zugeständnisse bezüglich der Besetzung des Aufsichtsrates gemacht. Die Qualcomm-Aktionäre werden jetzt nur noch aufgerufen, Broadcom bei der anstehenden Hauptversammlung eine Mehrheit im elfköpfigen Verwaltungsrat zu geben, d.h. konkret 6 Broadcom-Kandidaten zu wählen. Ursprünglich wollte Broadcom über den kompletten Austausch des Aufsichtsgremiums abstimmen lassen.

Aktionäre hätten sich zuvor dafür ausgesprochen, auch bei einer Übernahme für eine gewisse Kontinuität in der Firmenführung zu sorgen, erklärte Tan zur Begründung. Wenn Broadcom die Mehrheit im Verwaltungsrat von Qualcomm bekommen sollte, könnte das Gremium den bisherigen Widerstand gegen den insgesamt 146 Milliarden Dollar schweren Deal kippen.

Zugleich hatte Tan angedeutet, dass Broadcom die Übernahmepläne aufgeben könnte, wenn bei der Hauptversammlung keine Mehrheit im Verwaltungsrat zustande kommt. Am Ende liegt die Entscheidung über den Deal in der Hand der Aktionäre. Die große Mehrheit der Qualcomm-Anteile ist auf viele Finanzinvestment-Firmen verstreut.

Broadcom hat sich bereits eine Kreditlinie von 100 Milliarden Dollar für die Barkomponente des Gebots gesichert. Tan hatte bereits betont, dass es keine weitere Nachbesserung des Angebots geben solle.