Nach Pfund-Absturz Japanischer Telekommunikationskonzern will ARM kaufen

Platz 25: Simon Segars (ARM) Gesamteinkommen 2.404.584 Dollar entsprechen 1,1 Promille vom Umsatz und 3,4 Promille vom Gewinn.
Simon Segars, CEO von ARM dürfte in näherer Zukunft an einen neuen Eigentümer berichten.

Der japanische Telekom-Konzern Softbank will den britischen IP-Anbieter ARM übernehmen. Dies teilten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Kaufpreis soll 29 Mrd. Euro betragen.

Der japanische Telekommunikations-Anbieter Softbank will den britischen Chipdesigner ARM übernehmen. Das teilten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung mit. ARM empfiehlt seinen Aktionären ausdrücklich die Zustimmung zu diesem Angebot. Der Kaufpreis liegt demnach bei 24,3 Milliarden Pfund, also rund 29 Milliarden Euro. Dies wären rund 43 % über dem letzten Börsenwert vom 15.7. Die ARM-Aktie sprang heute nach Bekanntgabe der geplanten Übernahme um 41 % auf 20,38 Euro. Der Kauf soll zu rund 2/3 durch Kredite finanziert werden, derzeit hat Softbank schon Kredite im Volumen von mehr als 1000 Mrd. Dollar in der Bilanz stehen.

Es wäre nicht nur die erste Riesen-Übernahme einer britischen Firma seit dem Brexit-Referendum, welches den Pfund-Kurs in den Keller getrieben hat (der Yen hat gegenüber dem Pfund im Vergleich zum Vorjahr rund 30 % zugelegt), sondern hätte signifikante Auswirkungen auf den Halbleitermarkt.

Die CPUs und sonstige IP (z.B. Schaltmatrizen, GPUs, neuerdings Radios) ist ja nicht nur de-facto-Standard bei Mikrocontrollern, sondern auch bei MPUs und Applikationsprozessoren in Smartphones und Tablets. Dazu finden sich Cortex-M- und -R-CPUs in vielen ASICs z.B. in Modems. Apple, Qualcomm und Samsung bauen ihre eigenen Produkte auf Architekturlizenzen von ARM auf, die es ihnen erlaubt, die IP selbst zu modifizieren.

Apple zum Beispiel entwirft seit Jahren eigene Chips für seine iPhones und iPads - sie basieren aber auch auf ARM-Technologie. Zudem wird spekuliert, der Konzern könne auch seine Mac-Computer von den heute eingesetzten Intel-Prozessoren auf ARM-Architektur umstellen.

ARM kündigte jüngst neue Prozessoren für die Automobil-Industrie (ARMv8-R) und das IoT (ARMv8-M) an. Letztere könnten für Softbank besonders interessant sein, da Telekom-Firmen weltweit versuchen, sich als Dienstleister für vernetzte Geräte aller Art neu zu erfinden. Analysten gehen davon aus, daß Softbank die Lizenzgebühren quer durch die Bank erhöhen wird. Auf Grund der heutigen Abhängigkeit der Lizenznehmer wird ihnen wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als zähneknirschend zu bezahlen. Die Alternative ist, technolgisch vom Wettbewerb, der neueste ARM-IP einsetzt, abgehängt zu werden.

Die Firmenzentrale soll in Cambridge verbleiben, dazu in den nächsten 5 Jahren 1.500 neue Arbeitsplätze dort geschaffen werden, was einer Verdoppelung entsprechen würde. Auch außerhalb von England sollen neue Jobs geschaffen werden, die konkrete Zahl wurde jedoch nicht genannt. Auch das Top-Management von ARM soll zunächst an Bord bleiben. Alle Vereinbarungen gelten jedoch nur für die nächsten 5 Jahre, was dann passiert, ist unklar.

Der ARM-Vorstand selbst hält – mit Firmengründer Mike Muller an der Spitze – eine signifikante Anzahl von Aktien, welche Millionen auf das Konto spülen würden: Muller selbst hält 1.236.000 Aktien (Wert derzeit knapp 25 Mio. Euro) und CEO Simon Segars 668.432 Aktien (Wert derzeit knapp 13,5 Mio. Euro).

Softbank betreibt Mobilfunknetze in Japan und den USA. In den vergangenen Monaten verkaufte Softbank Anteile an dem chinesischen Internetkonzern Alibaba und nahm so zehn Milliarden US-Dollar ein. Verkauft wurden auch Anteile an dem finnischen Spielehersteller Supercell Oy an Tencent aus China. Damit dürfte Softbank über sieben Milliarden US-Dollar einnehmen. Softbank kontrolliert auch Sprint, den viertgrößten Mobilfunkbetreiber der USA.

Der Deal schien Softbanks CEO Masayoshi Son jedenfalls so sehr am Herzen zu liegen, daß er jüngst seinen Ruhestand verschob und dafür sogar in Kauf nahm, dass sein designierter Nachfolger, Ex-Google-Manager Nikesh Arora, von heute auf Morgen das Weite suchte.

Dabei schränkt ARMs Geschäftsmodell den Spielraum für Son ein, wenn man nicht Kunden vergraulen möchte: „Wir waren komplett unabhängig seit unserem Börsengang - und das ist etwas, was unsere Partner schätzen“, sagte ARMs CEO Simon Segars dem Finanzdienst Bloomberg nach Bekanntgabe des Deals.

Zudem könne der Kauf die Geschäftsaussichten von ARM in China verschlechtern, warnte Analyst Roger Sheng von der Marktforschungsfirma Gartner. „Die chinesische Regierung hat einige politische Probleme mit der japanischen Regierung. Sollte also ARM von Softbank gekauft werden, wird China, denke ich, mehr in die Entwicklung einer eigenen Architektur investieren“, sagte Sheng zu Bloomberg.