3. Quartal bringt Rekorderlöse Infineon wächst weiter

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon konnte im abgelaufenen 3. Quartal seines Geschäftsjahres 2016 Wachstum bei Umsatz und Gewinn verbuchen. Im Automobilsektor wurde ein Rekordumsatz verbucht.

Mit 1,632 Mrd. Euro Umsatz konnten die Neubiberger das Ergebnis im Vergleich zum Vorquartal zwar nur um 1 % steigern, im Vergleich zum identischen Vorjahresquartal wuchs der Chip-Hersteller jedoch um 3 %, was umso bemerkenswerter ist, als dass relevante Mitbewerber wie ST Microelectronics im Vergleich zum Vorjahr Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatten.

Der Gewinn stieg gegenüber dem letzten Quartal von 109 auf 186 Mio. Euro, was einem Anstieg von 71 % entspricht.

Diese Zahlen sind aus drei Gründen bemerkenswert: Erstens stagniert – wie die Verkaufszahlen von Apple beweisen – der Smartphone-Markt, in welchen Infineon HF- und Stromversorgungs-Komponenten sowie Sensoren liefert. Zweitens war der Chip-Karten-Bereich wie schon in Q3 2015 im Vergleich zum Vorquartal rückläufig, diesmal von 180 auf 172 Mio. Euro, was damit zusammenhängt, daß im Rahmen der Umstellung von USA-Kreditkarten von Magentstreifen auf Chipkarte eine Überproduktion in der gesamten Wertschöpfungskette stattfand, die zu hohen Lagerkapazitäten geführt hat. Und Drittens ist das China-Wachstum durch die dortige allgemeine Marktschwäche erstmal auch für Infineon gestoppt, der Umsatzanteil verharrt weiterhin bei 23 %.

Das Wachstum in Q3 basiert primär auf dem Bereich Automotive, der mit 676 Mio. Euro einen neuen Rekordumsatz erzielte (+9 % gegenüber Q3 2015). Industrial Power Control steigerte sich von 269 auf 280 Mio. Euro Umsatz (+4 %), während Power-Management&Multimarket 2 % verlor (bedingt durch die erwähnte Smartphone-Marktschwäche). Absolut gesehen sind dies jedoch nur minus 8 Mio. Euro (509 gegenüber 517 Mio. Euro).

Die regionale Verteilung des Umsatzes blieb fast unverändert. Während in Europa nur noch 34 % des Umsatzes erzielt wird (davon in Deutschland 16 %), kommt Asien auf 46 %, davon alleine 23 % in China. In China wird somit mittlerweile fast 50 % mehr Umsatz generiert als in Deutschland, zu Zeiten von Siemens Halbleiter ein seinerzeit undenkbares Szenario. Die Verkaufsanteile in Japan (7 %) und Amerika (13 %) sind seit langer Zeit nahezu konstant.

Auch was die Anzahl der Mitarbeiter angeht, hat Infineon einen weiteren Meilenstein überschritten: Mit 36.141 Angestellten wurde Ende Juni 2016 erstmals die Marke von 36.000 überschritten, davon arbeiten 5.994 Personen in Forschung & Entwicklung.

Die Investitionen in Forschung&Entwicklung mit fast exakt 12 % vom Umsatz liegt auf den ersten Blick deutlich hinter den Werten von NXP (17,6 %) und ST MIcroelectronics (19,7 %). CFO Dominik Asam erklärte hierzu, daß die Aktivierungspflicht eines Teils der F&E-Kosten einen “Apfel-mit-Apfel-Vergleich” mit den nach US-GAAP bilanzierenden Wettbewerbern erschwere. Ohne die Aktivierungspflicht würde Infineon laut Asam rund 15 % des Umsatzes in Forschung&Entwicklung investieren.

Aktie verliert trotzdem

Objektive Zahlen sind eine Seite, Analystenerwartungen eine andere: Infineons Aktie verlor bis zum Mittag rund 3,6 % gegenüber dem Vortag, es dürfte sich um sogenannte Gewinnmitnahmen gehandelt haben.