Geschäftsjahr 2019 Infineon mit Umsatzwachstum, aber weniger Gewinn

CEO Dr. Reinhard Ploss und seine Vorstandskollegen konnten erstmals einen Umsatz höher als 8 Mrd. Euro vermelden, allerdings bei deutlich geringerem Gewinn.
CEO Dr. Reinhard Ploss und seine Vorstandskollegen konnten erstmals einen Umsatz höher als 8 Mrd. Euro vermelden, allerdings bei deutlich geringerem Gewinn.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon hat den Abschluß seines Geschäftsjahres 2019 präsentiert. Dem Umsatzwachstum stehen fast 20 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahr entgegen. In China wurde ein Allzeit-Rekord-Umsatzanteil von 27 % erzielt.

Infineon konnte seinen Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2019 auf 8 Mrd. Euro steigern, rund 400 Mio. oder 5,7 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn sank jedoch von  1,08 Mrd. Euro auf nur noch 870 Mio. Euro, so dass die Umsatzrendite von 14,1 auf 10,8 Prozent sank.

Betrachtet man die Umsatzentwicklung der Geschäftsfelder Automotive (ATV), Industrial Power Control (IPC), Power Management und Multimarket (PMM) und Chip Digital Security Solution (DSS), ergab sich kein einheitliches Bild.

ATV konnte um 7 % auf 3,5 Mrd. Euro Umsatz zulegen, IPC ebenfalls um 7 % auf 1,42 Mrd. Euro, PMM um 5 % auf 2,45 Mrd. Euro. DSS schrumpfte dagegen um 3 % auf nur noch 642 Mio. Euro Umsatz.

Im Automobil-Bereich konnte die weltweit rückläufige Fahrzeugproduktion durch strukturelle Wachstumstreiber, die einen höheren Halbleiter-Anteil erfordern, überkompensiert werden. CEO Dr. Ploss erklärte, dass auch weiterhin mit steigendem Chip-Umsatz pro Fahrzeug zu rechnen ist und lobte viele Design-Wins insbesondere der AURIX-Mikrocontroller-Plattform z.B. in den Bereichen Radar- und kamerabasierte Fahrerassistenzsystemen. Dazu konnte sich Infineon mit seinem umfassenden Leistungselektronik-Angebot strategisch im VW-Konzern für die Elektromobilitäts-Plattform positionieren.

Im Vergleich zum Vorjahr stellte sich bis auf den Geschäftsbereich PMM die Entwicklung der Gewinnmargen allerdings wenig erfreulich dar.  Die sogenannten Segmentergebnisse (also das Betriebsergebnis in den einzelnen Geschäftsbereichen ohne diverse Kosten wie Gerichtskosten, Wertminderungen von Vermögenswerten, Beteiligungen an Tochtergesellschaften u.v.m.) entwickelten sich wie folgt: ATV erzielte mit 404 Mio. Euro 13 % weniger als im Vorjahr, IPC mit 251 Mio. Euro 2 % weniger als 2018, PMM mit 585 Mio. Euro als positiver Ausreißer 10 % mehr als im Vorjahr und CSS verlor nach einem Verlust von 15 % im Jahr 2018 auch 2019, diesmal sogar um 27 Prozent auf nur noch 77 Mio. Euro, wodurch die Gesamt-Segmentergebnis “nur” noch 16,4 % nach 17,8 % im Vorjahr beträgt. Allerdings sind diese Werte natürlich im Vergleich zu früheren (Krisen-)Jahren  und im Branchenvergleich immer noch mahr als anständig.

In Forschung & Entwicklung investierte Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr 945 Mio. Euro, was 109 Mio. Euro mehr als im Vorjahr sind und mit 11,8 % des Umsatzes einen höheren Anteil darstellt als 2018 und 2017 (jeweils 11 %). Es gab allerdings auch Zeiten, wo noch 13 % des Umsatzes in F&E reinvestiert wurde.

Asien weiter in Führung

Interessant ist ein Blick auf die regionale Umsatzverteilung: Mit insgesamt 57 % (27 % China, 7 % Japan, 23 % restliches Asien) wurde Europa (zusammen mit Afrika und nahem Osten 30 %, davon 15 % Deutschland) einmal mehr abgehängt. 2012 lag der Umsatzanteil in Deutschland noch bei 23 %. China steht nach einem Allzeit-Rekordanteil des Umsatzes in Höhe von 27 % für mehr als ein Viertel des Umsatzes von Infineon, ein Ergebnis u.a. aus der “Umsetzungsstärke” des Landes in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität. In den USA wurden 11 % Umsatz erzielt nach 9 % im Jahr 2018.

In Japan wächst Infineon insbesondere im Bereich Automotive seit Jahren stärker als der Markt, was laut CEO Dr. Ploss viel mit der herausragenden Qualität zu tun hat, die z.B. von Toyota immer wieder ausgezeichnet wird.

Neue PV- und Windkraftanlagen in China, die bekanntlich von Regierungsmaßnahmen unterstützt werden, führte für den Bereich IPC zu guten Geschäften. Alleine im Bereich PV wurden 2018 neue Solaranlagen mit einer Leistung von mehr als 40 GW installiert, zum Vergleich: 1 Atomkraftwerk durchschnittlicher Größe liefert gerade mal 1 GW. Dazu kam das gute Geschäft mit Zügen in China.

Kerngesund sieht nachwievor die Konzernbilanz aus, im Vergleich zu 2018 hat sich Infineons Finanzlage sogar noch verbessert. Vermögenswerten in Höhe von 13,41 Mrd. Euro (inklusive 1 Mrd. Euro Geldmittel, 2,76 Mrd. Euro Finanzinvestitionen und 3,5 Mrd. Euro für Anlagen und Gebäuden) stehen nur Verbindlichkeiten in Höhe von 4,78 Mrd. Euro gegenüber. Damit ergibt sich ein Eigenkapital in Höhe von 8,63 Mrd. Euro, mehr als 2 Mrd. Euro mehr als noch im Vorjahr.

Mit 41.418 Mitarbeitern zum Ende des Geschäftsjahres hat Infineon erstmals  die 41.000-MA-Marke übertroffen und wuchs in 12 Monaten um 1.320 Mitarbeiter, davon arbeiten 7.755 in Forschung und Entwicklung. Allerdings ist erstmals seit vielen Jahren wieder eine leichte Reduktion seit dem Maximum Ende Juni 2019 eingetreten, damals hatte Infineon 41.808 Mitarbeiter.

Der Vorstand hat eine gegenüber 2018 unveränderte Dividendenausschüttung in Höhe von 0,27 Euro pro Aktie vorgeschlagen. Für das am 1. Oktober begonnene Geschäftsjahr 2020 erwartet Infineon einen weiteren Umsatzanstieg um 5 %, der natürlich von der Entwicklung des Wechselkurses Euro/Dollar abhängt (Annahme hierfür 1,13). Insgesamt sollen 2020 rund 1,3 Mrd. Euro investiert werden, ein Drittel davon für Fertigung und neue Bürogebäude. Die neue 300-mm-Fab in Villach soll nun Ende 2021 in Produktion gehen, bislang hatte man von Anfang 2021 gesprochen.

CEO Dr. Ploss gibt sich für die weitere Entwicklung dann auch nur bedingt optimistisch: „Die weltweit schwache Automobilnachfrage spüren wir deutlich und erwarten vorerst keine Besserung. Das allgemeine konjunkturelle Umfeld bleibt angesichts wirtschaftlicher und politischer Unwägbarkeiten angespannt. Eine Erholung erwarten wir nicht vor der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres.“