Interview mit Alex Lidow, CEO von EPC »Ich hasse Gehäuse!«

Bild 1: Ralf Higgelke im Gespräch mit Alex Lidow (rechts), Chief Executive Officer (CEO) des GaN-Herstellers EPC.
Bild 1: Ralf Higgelke im Gespräch mit Alex Lidow (rechts), Chief Executive Officer (CEO) des GaN-Herstellers EPC.

Alex Lidow ist eine der schillerndsten Figuren der Leistungselektronik. Mittlerweile hat sich der CEO von EPC ganz dem Thema Galliumnitrid verschrieben, und mit seiner charismatischen Art »evangelisiert« er diesen Markt. Wir sprachen mit ihm über die Vorteile von GaN und warum er Gehäuse hasst.

DESIGN&ELEKTRONIK: Herbert Parititsch, bei Infineon Austria für Innovation zuständig, sagte auf der SEMICON Europa 2015, Silizium werde für ein weiteres Jahrzehnt das Arbeitspferd der Leistungselektronik bleiben. Teilen Sie diese Ansicht?

Dr. Alex Lidow: Als wir 1978 den Trench-MOSFET entwickelten, dachten wir, wir würden den Bipolartransistor ersetzen. Denn er war ja viel besser und schneller, und wir konnten ihn kostengünstiger fertigen. Der Markt für Bipolartransistoren war damals 650 Millionen Dollar groß; heute, etwa 30 Jahre später liegt der Markt für Bipolartransistoren bei … Raten Sie mal …

650 Millionen Dollar?

Bingo! Die Wahrheit ist, dass man niemals den Markt irgendeines Bauteiltyps komplett übernimmt oder eine Bauteilklasse ersetzt. Es wird immer Nischen geben, in denen der Bipolartransistor die bessere Wahl ist. Auch gibt es noch so viele Altsysteme da draußen, die repariert werden müssen. Bipolartransistoren sind also keineswegs tot. Doch das Marktwachstum kommt von neuen Technologien. Was wir also beobachten werden, so meine Prognose, ist, dass der heutige Markt von zwölf Milliarden Dollar für Silizium-MOSFETs und -IGBTs noch ein wenig weiter wachsen wird, dann stagniert und schließlich ein bisschen zurückgeht, das Wachstum der Zukunft aber werden Siliziumkarbid und Galliumnitrid treiben. In zehn Jahren werden Bauteile aus diesen Materialien, da bin ich fest überzeugt, etwa 50 Prozent des Marktes darstellen, aber Silizium wird weiter einen Markt von zwölf bis 14 Milliarden Dollar ausmachen. Das kann man schon noch als »Arbeitspferd« bezeichnen. Doch das Wachstum generieren die neuen Wide-Bandgap-Bausteine.

EPC, das Unternehmen, dessen Mitgründer und CEO Sie sind, bietet GaN-Schalter nur bis zu einer Sperrspannung von 300 Volt. Warum bieten Sie keine Produkte für den Hochspannungsmarkt?

Es gibt viele gute Gründe dafür, aber auch einen recht »dummen«. Kommen wir zuerst zu den guten.

Dreißig Prozent des MOSFET-Marktes ist der für Bausteine ab 600 Volt Sperrspannung – immerhin ein Multimillarden-Markt! Betrachtet man aber die Gewinnspanne, dann ist diese umso geringer, je höher die Sperrspannung ist. Die Profitabilität ist bei Niederspannungs-MOSFETs am größten, weil die Kunden dort eher bereit sind, für einen Performancevorteil auch mehr zu zahlen als bei Hochspannungs-MOSFETs. Letztere müssen Sie quasi zu Ramschpreisen verscherbeln, weil es bei diesen niedrigen Schaltfrequenzen kaum Performance-Unterschiede gibt.

Ein elektrischer Antrieb beispielsweise arbeitet auf einer Schaltfrequenz von 20 Kilohertz. Jeder Hersteller hat IGBTs für 20 Kilohertz im Portfolio. Ein LLC-Wandler arbeitet bei maximal 150 Kilohertz; jeder Superjunction-MOSFET kann das. Durch diese große Auswahl an Bauteilen und Herstellern sinkt natürlich die Gewinnspanne. Als wir also unsere GaN-Bauteile entwickelten, überlegten wir uns, in welchem Markt wir mitspielen wollten – in einem sehr kostensensitiven, aber weniger performancegetriebenen Markt oder umgekehrt. Also nahmen wir den performancegetriebenen Niederspannungsmarkt ins Visier mit Anwendungen wie LiDAR, kabelloses Laden und neuerdings auch sehr leistungsfähigen DC/DC-Wandlern.

Sie sprachen auch von einer »dummen« Antwort!

(lacht) Es ist das Gehäuse. Ich hasse Gehäuse! Nicht zuletzt deswegen wollte ich nicht in den Hochspannungsmarkt eintreten. Wenn sich Galliumnitrid aber in diesen Anwendungen etablieren oder die Gewinnspanne bei Niederspannungsbausteinen zu stark sinken sollte, werden wir auch diesen Markt bedienen.