Erfolgreiches erstes Quartal Halbleiterhersteller Infineon wächst weiter

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.
CEO Dr. Reinhard Ploss hat weiterhin gut lachen: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018 gab es gegenüber dem Vorjahr erneutes Wachstum.

Der Chip-Hersteller Infineon konnte im 1. Quartal seines Geschäftsjahres 2018 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ein Umsatzwachstum von 8 Prozent verbuchen. Auch der Gewinn stieg an, dazu arbeiten jetzt mehr als 38.000 Menschen für Infineon.

Mit 1,775 Mrd. Euro Umsatz konnte der Vorjahreswert von 1,645 Mio. Euro um 8 % übertroffen werden. Der Gewinn stieg von 161 auf 205 Mio. Euro an. Ohne den schwächeren Dollar hätte der Umsatzzuwachs sogar 13 % bedeutet. Eine Verlagerung von F&E und/oder Fertigung in die USA, um dort in Dollar einkaufen zu können, kommt jedoch laut Finanzvorstand Dominik Asam nicht in Frage, u.a. wegen der hohen Kostenstrukturen an der US-Westküste.

Der Geschäftsbereich Automotive wuchs von 705 auf 770 Mio. Euro, der Gewinn schrumpfte von 114 Mio. Euro auf 103 Mio. Euro. Power-Management legte um 10 % beim Umsatz (von 497 auf 545 Mio. Euro) und 32 % beim Gewinn zu (von 81 auf 107 Mio. Euro).

Bei Industrial Power Control standen 12 % Umsatzwachstum von 264 auf 296 Mio. Euro (+ 9 %) und eine Verdoppelung des Gewinns von 24 auf 48 Mio. Euro zu Buche.

Lediglich bei Chip-Card und Security sieht es nach wie vor suboptimal aus: 162 Mio. Umsatz bedeutet ein Rückgang um 7 %,  der Gewinn verringerte sich um 14 % von 29 auf 25 Mio. Euro.

Die sogenannte Segmentmarge stieg im Vergleich zum Vorjahr von 15 auf 15,9 % an, wobei mit 19,6 % die mit Abstand höchste Rendite im Bereich Power-Management erzielt werden konnte. Die Profitabilität im Bereich Automotive ging hingegen zurück: Statt 16,2 % ein Jahr zuvor konnte hier nur noch eine Marge von 13,4 % erzielt werden, der niedrigste Werte aller Geschäftsbereiche. Der Grund ist laut CEO Dr. Reinhard Ploss ein Ausbau der Fertigungskapazität, der hohe Kosten versuracht hat, aber wichtig ist, um auch zukünftig lieferfähig zu bleiben.

Nachdem Ex-CEO Peter Bauer die denkwürdige Aussage getroffen hatte “Ziel sei es, über Konjunkturzyklen hinweg durchschnittlich 15 Prozent Umsatzrendite zu erzielen” und sich Infineon jahrelang vergeblich an dieser Vorgabe hat messen lassen müssen, stellt diese Meßlatte für den Chip-Hersteller offenbar kein Problem mehr dar: Im Vorquartal wurde sogar eine durchschnittliche Marge von 18 % erzielt.

Mit 38.229 Mitarbeitern hat Infineon die 38.000-Marke gerissen, nachdem drei Monate zuvor noch 37.479 und im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt 36.447 Mitarbeiter beschäftigt waren.

Auf jeden Fall geht Infineons Wachstum in China ungebremst weiter: Mit 878 Mio. Euro wurden 26 % seines Umsatzes dort erzielt. Der Umsatzanteil in Deutschland betrug 16 %. In Amerika und Japan betrug er 11 respektive 7 %.

Zur Steuerreform in den USA äußerte sich Finanzvorstand Dominik Asam auf Nachfrage “nicht begeistert”, da damit von Infineon in die USA exportierte Produkte und IP höher besteuert werden und der Wettbewerb verzerrt wird.

Positive Nachrichten gibt es hingegen aus China: Nachdem dort alleine in 2017 Solaranlagen mit einer Leistung von 40 GW installiert wurden, sollen es 2018 sogar 50 GW sein. Zum Vergleich: In Deutschland wurden seit Start der Solarindustrie insgesamt 40 GW installiert. Auch das Wachstum in der E-Mobilität und ADAS-Funktionen kommt Infineon zu Gute. Für den Bereich leistungselektronik konnte Dr. Ploss gute Nachrichten vermelden, denn die 300-mm-Dünnschichtwafer-Fertigung generiert mittlerweile derartige Kostenvorteile, dass die Preise pro Chip unter den Preis der bisherigen 200-mm-Fertigung gefallen sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Kapazitäten schneller als der Wettbewerb hochfahren kann.

Mit Ausnahme des Bereich Chipkarten und Security, für den Infineon im Gesamtgeschäftsjahr einen Umsatzrückgang gegenüber 2017 erwartet, geht man trotz schwachen Dollars – kalkuliert wurde ein Euro-Kurs von 1,25 Dollar pro Euro – von einem Gesamtwachstum von 5 % aus. Die Marge soll bei 16,5 % liegen.