Rohms CEO Satoshi Sawamura: »Fertigung sorgt für gute Produkte, nicht der Test!«

Bild 1: Rohms Präsident und CEO Satoshi Sawamura empfing DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenschneider in Rohms Firmenzentrale im japanischen Kyoto.
Bild 1: Rohms Präsident und CEO Satoshi Sawamura empfing DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenschneider in Rohms Firmenzentrale im japanischen Kyoto.

Bei Rohm läuft es derzeit gut. Mehr Umsatz, ein Profitabilitätssprung und hohes Wachstum in Europa lässt die Sonne über der Firmenzentrale in Kyoto scheinen. Im Interview mit Präsident und CEO Satoshi Sawamura ging es nicht nur um Geld,er erteilte sogar technischen Nachhilfeunterricht am Whiteboard.

DESIGN&ELEKTRONIK: Im Vergleich zu Rohms letztem Geschäftsjahr 2017 erwarten Sie für das Geschäftsjahr 2018 eine Umsatzsteigerung von 10,8 Prozent und einen Gewinnsprung von 38,1 Prozent. Zwei Fragen: Welche Märkte und Produkte haben das Umsatzwachstum getrieben und die Profitabilität überproportional gesteigert?

Satoshi Sawamura: Das sind sichtbare Ergebnisse unserer Strategie, weg vom Konsumer-Geschäft hin zu Industrie und Automobil. Wir hatten diese positiven Entwicklungen genauso vor sechs Jahren vorhergesagt und darauf unsere Strategie aufgebaut. Im Automotive-Markt haben wir das Angebot um unsere analogen Power-Komponenten für Fahrzeugkarosserie, Antriebsstrang und Fahrsicherheit erweitert. Da der EV-Markt in letzter Zeit wächst, werden wir unsere Anwendungsbeispiele für Stromversorgungslösungen, die auf SiC-Produkten basieren, erweitern. Darüber hinaus wollen wir mit unseren Lösungen, einschließlich Motorsteuerungs-ICs, Sensoren und drahtlosen Kommunikationsgeräten, den Markt für Industrieausrüstungen erschließen. Ganz konkret sind wir beispielsweise im Bereich der weißen Ware gewachsen, wo die Menschen immer mehr auf Energieeffizienz achten, was bedeutet, dass vor allen Dingen unsere Analog- und Leistungselektronikprodukte profitiert haben. Was die Profitabilität angeht, profitieren wir als Hersteller, der in eigenen Fabs mit hohen Fixkosten fertigt, ganz wesentlich von der durch das Umsatzwachstum getriebenen höheren Fab-Auslastung – die Fixkosten pro verkauftem Produkt sinken dadurch natürlich ganz erheblich.

In Bezug auf die Regionen sticht Europa mit einem Wachstum von 27,8 Prozent hervor, während Ihr US-Geschäft stagniert. Warum läuft Ihr IC-Geschäft in Europa so gut und warum sieht es in den USA, wo es sogar große Automobilhersteller gibt, so schlecht aus?

In Europa haben wir einen Umsatzanteil von über 70 Prozent im Bereich Industrie und Automobil. In den USA sind wir zwar auch im Automobilbereich gewachsen, der Umsatzanteil ist aber anteilig viel geringer. In der Tat hängt unser USA-Geschäft mehr oder weniger von einem sehr großen Konsumartikelhersteller ab. 

» Im September 2017 haben wir unser Power-Lab in Willich eröffnet. « 
 
Im Vergleich zu Ihren Umsätzen in Asien außerhalb Japans, fast zwei Drittel, und innerhalb Japans, fast ein Drittel, sind Ihre Umsätze in Europa bei fünf Prozent Ihres gesamten Geschäfts immer noch gering, obwohl die Fortschritte im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr mit 4,4 Prozent sichtbar sind. Wie viel Umsatzanteil in Europa streben Sie 2020 und 2025 an?

Wir investieren für unser weiteres Wachstum in Europa sowohl in zusätzliches Personal als auch in Supportstrukturen. Im September 2017 haben wir unser Power-Lab in Willich eröffnet, was uns helfen wird, gerade im Industrie- und Automobilbereich zu wachsen. Dort können wir Leistungs-ICs, -module und -systeme unter realen Bedingungen analysieren. Wir wollen im Jahr 2025 in Europa 10 Prozent unseres Gesamtumsatzes erzielen, den Anteil also mehr als verdoppeln.

Im Vergleich zu Ihrer Gesamtinvestition, die in diesem Geschäftsjahr um 42,2 Prozent und im Vergleich zum Umsatzwachstum steigen wird, haben Sie Ihre F&E-Investitionen sehr moderat um 4,6 Prozent erhöht. Rohm steht seit jeher für Innovation, ist es nicht gefährlich im Hinblick auf die Zukunft, bei F&E zu sparen? 

Unsere Investitionen in Fertigungsanlagen waren diesmal wirklich außergewöhnlich hoch. Wir haben traditionell immer 10 bis 12 Prozent unseres Umsatzes in F&E investiert, und das werden wir auch beibehalten. Die Absolutwerte steigen natürlich automatisch mit unseren wachsenden Umsätzen an.

Sie loben die Erfolge Ihrer Strategie, die besagt, dass Sie mehr als 50 Prozent des Umsatzes im Automobil- und Industriebereich anstreben, um Ihre Abhängigkeit vom Konsumer-Geschäft zu reduzieren. Im Geschäftsjahr 2018 sieht es jedoch so aus, als sei das Konsumer-Geschäft sogar insgesamt auf 55,8 Prozent Ihres Umsatzes gewachsen. Automobil und Industrie stagnieren zusammen bei 44,2 Prozent. Wie passt das mit Ihren wirtschaftlichen Erfolgen zusammen? 

Im Konsumer-Geschäft hat sich der Produktmix erheblich zu unseren Gunsten verändert. Wir wollten zum Beispiel raus aus dem Fernsehergeschäft, stattdessen liefern wir, wie schon erwähnt, deutlich mehr Produkte in weißer Ware. Sagen wir, wir haben heute viel mehr gutes Konsumergeschäft als schlechtes. Nebenbei bemerkt, insbesondere in diesem Jahr können Sie im Bereich Gaming richtig hohe Margen erzielen. 

Welcher Teil Ihres Industriegeschäfts in Europa ist Medizin- und Messtechnik? Wie sieht Ihre Wachstumsstrategie dort aus? Welche anderen Anwendungen treiben Ihr Wachstum im Industriegeschäft und welche Produkte und Technologien werden Ihnen bei diesen Anwendungen helfen? 

» Derzeit konzentrieren wir uns auf Industrie 4.0. «

Da das Industriegeschäft so weitläufig ist, ist es wirklich schwierig, hier detaillierte Vorhersagen abzugeben. Wo wir uns sicher darauf konzentrieren, ist die Fabrikautomatisierung und die Energiebranche. Auch Medizin ist sehr wichtig, aber derzeit konzentrieren wir uns auf Industrie 4.0. 

Sie stellen neue Mitarbeiter hauptsächlich außerhalb von Japan ein. In welchen Ländern haben Sie in den ersten sechs Monaten Ihres laufenden Geschäftsjahres die 1618 neuen Mitarbeiter eingestellt und wie viele von ihnen in Europa oder Deutschland ?

» RPS heißt, die Fertigungstoleranzen zu verringern. «

Sehr viele Einstellungen betreffen wegen der erweiterten Fertigungskapazitäten unsere Fabs, unter anderem die Fabs auf den Philippinen, wo wir viele Zeitarbeiter in reguläre Beschäftigungsverhältnisse überführt haben. Sie sind stolz auf ihre Production-Innovation, die sich nicht nur auf ihre Smart-Factories konzentriert, sondern auch auf das sogenannte RPS übertragen haben, Ihr Rohm Production System. Können Sie erklären, was genau hinter dem RPS steckt und wie sich dies auf die Produktivität und Qualität von Rohm auswirkt?

Es geht darum, die Effizienz der Fertigung zu erhöhen und dabei die hohe Qualität der Produkte zu gewährleisten. Unsere Produkte erlauben nur sehr geringe Variationen, andernfalls sind sie nicht brauchbar. RPS heißt, die Fertigungstoleranzen zu verringern, was unter anderem durch Smart-Factories mit vorausschauender Wartung erreicht wird. Dadurch wird die Chip-Ausbeute erhöht. Ich zeige es Ihnen. Dieses System trägt dazu bei, eine unvergleichliche Qualität zu gewährleisten, indem es sieben Arten von Ausschuss, der in den Anlagen anfällt, vollständig eliminiert.

Dies schließt unnötige Operationen, Transporte und Verzögerungen mit ein. Alle Chips, die gefertigt werden, sollen gute Chips sein. Die Fertigung ist für gute Produkte verantwortlich, nicht der Test. Ich weiß, es ist herausfordernd, aber wir arbeiten sehr hart an diesem Ziel.

Rohm hat den vertikal integrierten Ansatz, der die volle Kontrolle von der Rohwafer-Herstellung (Anm. d. Red.: z. B. SiCrystal) über die Prozesstechnologie bis hin zum Packaging und Testen bietet, deren Vorteile Sie schon beschrieben haben. Welche Nachteile hat der vertikal integrierte Ansatz aus Ihrer Sicht? 

Sicher sind die hohen Fixkosten die größte Herausforderung, das heißt, um profitabel zu arbeiten, müssen Sie einen gewissen vergleichsweise hohen Umsatz erzielen. Des Weiteren haben wir zum Teil hohe Abschreibungen auf ihre Investitionen in Fertigungsequipment. Aber diese Nachteile werden durch die Spezifikationen und Qualitätsunterschiede der Produkte, die wir dank eigener Fertigung erzielen können, überkompensiert.

Vor zwei Jahren im Juli 2015 hat Rohm das Digital-Power-Unternehmen Powervation aus Irland erworben. Warum haben Sie Powervation erworben und wie geht diese Integration voran?

Es gibt ja einen stark wachsenden Markt für digitale Stromversorgungen. Diese werden nach und nach unsere Analog-ICs ersetzen (Bild 2). Daher haben wir mit Powervation eine Firma gekauft, welche in diesem Marktsegment ganz weit vorne liegt. Einer der meistverkauften Chips von Powervation ist eine proprietäre DSP-Steuerungsplattform mit einem sehr fortschrittlichen Energiemanagement und präziser Telemetrie respektive Steuerung für Multi-Rail- und Multi-Phasen-Systeme. Die Übernahme ermöglicht es uns, mit der flexiblen Steuerungsplattform von Powervation fortschrittliche digitale Stromversorgungslösungen für eine breitere Palette von Märkten und Anwendungen zu entwickeln.

Vor kurzem hat Rohm seinen ersten DC-DC-Wandler mit der patentierten Nano- Pulse-Control-Technologie vorgestellt. Können Sie uns ein bisschen mehr über diese Technologie erzählen?

» Ich habe den Ingenieuren gesagt, dass sie ein Weltklasseprodukt entwickeln müssen. « 

 Wir können erhebliche Kostenvorteile erzielen, weil wir die herkömmliche Umsetzung von 48 Volt auf 3 Volt in zwei Schritten nunmehr in einem Schritt durchführen können (Bild 3). Wir haben dies erreicht, indem die Schaltfrequenz drastisch erhöht beziehungsweise die Pulsbreite von 30 Nanosekunden, was heute üblich ist, auf neun Nanosekunden reduziert werden konnte. 

Das wollten und wollen Ihre Wettbewerber auch erreichen, wieso haben ausgerechnet Sie das hingekriegt? 

Ich habe den Ingenieuren gesagt, dass sie ein Weltklasse-Produkt entwickeln müssen. 

Ein anderes Produkt, das Rohm kürzlich vorgestellt hat, ist ein rauschtoleranter Operationsverstärker. Sie haben gesagt, dass die vertikal integrierte Produktion zusammen mit speziellen analogen Design-Technologien und bipolaren Fertigungsprozessen für diesen Erfolg verantwortlich war. Können Sie uns ein bisschen mehr technische Details dazu sagen?

Tatsächlich sind das Schaltungsdesign, konkret eine neuartige Schaltung zur Rauschunterdrückung, das Schaltkreis-Layout basierend auf unserer analogen Expertise und ein bipolarer Fertigungsprozess für diesen Erfolg verantwortlich. Mit diesen Produkten können wir die Anzahl der für die Rauschunterdrückung erforderlichen Komponenten - drei RC-Filter für Eingang, Ausgang und Stromversorgung - reduzieren, was für unsere Kunden natürlich sehr interessant ist. Die Ausgangsspannungsschwankungen werden in allen Frequenzbändern auf weniger als plus/minus 1 Prozent unterdrückt, verglichen mit plus/minus 3,5 Prozent bis plus/minus 10 Prozent bei herkömmlichen Produkten. So können beispielsweise Sensorsignale verstärkt werden, ohne dass Gegenmaßnahmen gegen Rauschen erforderlich sind, was den Designaufwand deutlich reduziert und zu größerer Zuverlässigkeit beiträgt.

Herr Sawamura, vielen Dank für das Interview!