Datenrettung Chipkern-Transplantation

Experten aus unterschiedlichen Disziplinen haben einen Chipkern aus einem defekten Firmware-IC »transplantiert«. Hintergrund hierbei war die Entwicklung neuer Verfahren zur Grundlagenforschung im Bereich physikalisch beschädigter Speicherkomponenten mit integrierter Hardware-Verschlüsselung.

Die Firma Kuert Datenrettung erhielt den Auftrag, die Daten auf einer »MyPassport«-Festplatte von Western Digital zu retten. Sie wies auf der Platine eine Bruchstelle im linken unteren Bereich des Firmware-ICs auf, und bei derlei Beschädigungen galten die Daten bislang als unrettbar verloren. Gemeinsam mit ihrer ungarischen Niederlassung sowie Instituten der Technischen Universität Budapest entwickelte das Unternehmen ein neuartiges Verfahren, um die Rettungsmöglichkeiten bei dieser Art von Beschädigungen zu untersuchen.

In einem ersten Schritt wurde das defekte Firmware-IC mittels hochauflösender Röntgentechnik untersucht. So konnten die Experten einen ersten Blick ins Innere des Chips werfen, und es offenbarten sich Brüche an der internen Verdrahtung des IC sowie Delaminierungen. »Wir hatten bei dem vorliegendem Fall das Problem, dass sämtliche Branchenstandards zur Datenrekonstruktion ungeeignet waren. Somit mussten neue Ansätze entwickelt und umgesetzt werden«, sagt Zoltan Kertesz, Director der Data Recovery Division bei Kürt.

In Kooperation mit mehreren Forschungseinrichtungen der TU Budapest entwickelten die Ingenieure des Unternehmens ein Verfahren, bei dem sie den Chipkern im Innern des Firmware-Chips mittels Lasertechnik freilegten, danach entfernt sie die Reste der gebrochenen internen Verdrahtung mittels Ultraschall. Die einzelnen Lötpunkte hierbei liegen circa 20 µm auseinander, was ungefähr 30 % des Durchmessers eines menschlichen Haars im Querschnitt entspricht. Mittels eigens hierfür geschaffenen neuen Möglichkeiten transplantierten die Forscher daraufhin den freigelegte Kern des defekten ICs in ein baugleiches und zuvor »entkerntes« neues IC; sie verbanden die interne Verdrahtung via Ultraschall elektrisch neu. Das Ergebnis: Auf die Daten des vormal defekten ICs konnte man nun vollumfänglich zugreifen und somit auch auf die Datenebene der Festplatte.

»Dieses Verfahren«, so Martin Eschenberg, Marketingleiter bei Kuert Datenrettung, »ermöglicht uns vollkommen neue Möglichkeiten bei der Datenrettung von physikalisch beschädigten Firmware-Controllern und ist auf unterschiedlichste Speichermedien von der microSD-Card über die Firmware einer Festplatte bis hin zum SSD-Flugdatenschreiber anwendbar. Einzige Voraussetzung ist ein intakter Chipkern in einem beschädigten IC und eine intakte oder latent beschädigte Speicherebene.« Weiter führt er aus: »Somit ist dieses Verfahren auf alle Szenarien im Zusammenhang mit Speicher-Controllern anwendbar, bei denen nach einem Ausfall die Daten wieder hergestellt werden müssen. Insbesondere dann, wenn es sich um einzigartige interne Hardware-Verschlüsselungen handelt, ist dieses Verfahren derzeit die weltweit einzige Möglichkeit, die eine praktische Anwendbarkeit verspricht.