Elektromobilität Bosch setzt auf Siliziumkarbid

Das derzeit modernste Halbleiterwerk des Bosch-Konzerns für 200-mm-Wafer steht in Reutlingen. Es wurde 2010 eröffnet.
Das derzeit modernste Halbleiterwerk des Bosch-Konzerns für 200-mm-Wafer steht in Reutlingen. Dort werden demnächst SiC-Halbleiter gefertigt.

Neuartige Mikrochips aus Siliziumkarbid sollen Elektroautos künftig länger rollen lassen. Bosch will die Produktion am Standort Reutlingen aufnehmen. Parallel nimmt die Dresdner Halbleiterfabrik Gestalt an.

Künftig will das Unternehmen Bosch verstärkt auf Mikrochips aus Siliziumkarbid setzen. Mit diesem Halbleitermaterial könnten Elektroautos etwa sechs Prozent mehr Reichweite erzielen, sagte Geschäftsführer Harald Kröger am Montag in Dresden. Zudem ließen sie sich schneller laden – bei weniger Platz und Gewicht. Damit könnten langfristig die Kosten für Batterien gesenkt werden, so Kröger. Produziert werden sollen die Mikrochips in dem Reutlinger Werk südlich von Stuttgart. Zunächst habe Bosch in eine Pilotlinie einen »dreistelligen Millionenbereich« investiert, erste Muster sollen im nächsten Jahr vorliegen.

Unterdessen wächst die neue Bosch-Halbleiterfabrik in Dresden, die derzeit für rund eine Milliarde Euro in der Nähe des Flughafens entsteht – die größte Einzelinvestition in der 130-jährigen Firmengeschichte. Die ersten rund 200 Mitarbeiter – sie stammen aus neun Nationen – sollen bis Jahresende die neuen Bürogebäude beziehen. »Pro Monat kommen etwa zehn bis 15 Experten hinzu«, sagte Werksleiter Otto Graf. Dazu gibt es unter anderem Kooperationen mit der TU Dresden. Bis zu 700 Mitarbeiter sollen es einmal am Standort Dresden sein. Wann das Ziel erreicht werde, hänge aber von Nachfrage und Auslastung des Werkes ab, hieß es.

Im Frühjahr 2020 soll das Werk die Arbeit aufnehmen, ab Ende 2021 will Bosch in der sächsischen Landeshauptstadt auf 300-Millimeter-Wafern Chips für das Internet der Dinge und die Automobilindustrie fertigen. Das Gelände ist so groß wie 14 Fußballfelder, bis zum Ende der Bauarbeiten werden rund 380 Kilometer an Kabeln verlegt und knapp 16,5 Tonnen Stahl verbaut. Damit alles rechtzeitig fertig wird, sind rund 1400 Arbeiter im Einsatz. Derzeit wird das Transportsystem für den 10.000 Quadratmeter großen Reinraum installiert, damit ab Januar des nächsten Jahres die rund 120 Produktionsanlagen aufgebaut werden können. »Da erwarten wir über 300 Lkw-Ladungen«, so Werksleiter Graf.

Die Ansiedlung von Bosch gehört zu den größten der vergangenen Jahre in Sachsen, die Landeshauptstadt konnte sich gegen Konkurrenten wie Singapur und New York durchsetzen. Man habe sich wegen der Nähe zu Partnern wie Infineon und zum Reutlinger Werk dafür entschieden, hieß es. Im Juni 2018 wurde der Grundstein für das neue Werk gelegt.