Kommentar Apple, Qualcomm und Intel: Wenn die Gier siegt

Frank Riemenschneider, Elektronik
Frank Riemenschneider, Chefredakteur DESIGN&ELEKTRONIK

In einer offenbar Never-ending-Story wurde Qualcomm zu einer weiteren Strafzahlung, diesmal von der EU-Kommission, verdonnert. Hauptprotagonisten in dem schmutzigen Spiel sind zwei Chipriesen und ein vermeintliches Opfer – Apple.

Ehrlich gesagt, mich wundert in dem Schmierentheater um iPhones und LTE-Modem-Chips schon lange nichts mehr. Die heutigen Erkenntnisse, von der EU-Kommission publiziert, lassen die Rolle vom bisherigen selbstinzenierten Opfer Apple jedoch neu erscheinen.

Bislang gab es zwei vermeintlich Good-Guys – Intel und Apple – und einen Bad-Guy, Qualcomm. Apple inszenierte sich wie auch Firmen in anderen Ländern als Opfer der bösen Lizensierungspolitik von Qualcomm, indem die Süd-Kalifornier Abzocke mit LTE-Chips betrieben. Man stoppte Zahlungen mit der Folge, dass Qualcomm die Einfuhr von iPhones mit Intel-Chips u.a. in die USA und Deutschland verbieten lassen wollte.

Auch Intel unterstütze die Vorwürfe von Apple.  Nach einem "Amicus Curie"-Brief an die Federal Trade Commission (FTC) im Mai 2017 hatte sich der Chipriese in einem Public Interest Statement gegenüber der US International Trade Commission (ITC) über wettbewerbsfeindliche Aktivitäten von Qualcomm beklagt. Qualcomm missbrauche Patentrechte, den einzigen Mitbewerber bei LTE-Modems, also Intel, widerrechtlich auszugrenzen.

Tatsächlich musste Qualcomm wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Position in Südkorea bereits eine Strafe von umgerechnet 854 Millionen Dollar zahlen, in China sogar 975 Millionen Dollar.

Was nun allerdings herauskam, wirft ein neues Licht auf Apple: Man hat sich laut EU-Kommission über mehr als 5 Jahre von Qualcomm mit Milliardenbeträgen bestechen lassen, damit exklusiv LTE-Modems aus San Diego verbaut wurden. Ein Geschäftsmodell, mit dem sich auch Intel bestens auskennt, ist der Chip-Gigant doch selbst schon schuldig gesprochen worden, sich gegenüber AMD ähnlich wettbewerbsfeindlich verhalten zu haben – Stichwort Media-Markt. Die von der EU dafür verhängte Strafe betrug über eine Milliarde Euro.

Ich hatte mich immer gefragt, warum Apple einerseits Qualcomm wegen angeblich illegaler Lizenzierungsmodelle verklagt, statt andererseits einfach LTE-Modems von Intel einzudesignen. Nun ist die Antwort klar: Man kann ja schlecht Schmiergelder annehmen und dann gleichzeitig die Chips des Schmiergeldzahlers rauswerfen.

Intel wird seine Vorwürfe gegen Qualcomm wohl überdenken müssen, immerhin war es ja, wie wir jetzt wissen, Apple, das Intel wegen der Zahlungen von Qualcomm bewusst nicht berücksichtigt hatte, ganz unabhängig von welchen Liziensierungsvereinbarungen seitens Qualcomms auch immer.

Apples „Politik“ halte ich fast schon für pervers: Einerseits lässt man sich gerne bezahlen, um Chips einzudesignen, dessen Hersteller auf der anderen Seite Vertragsbedingungen aufgesetzt hat, die man sogar für illegal hält. Die Strategie des iPhone-Riesen war es offenbar, erstmal die Kohle aus San Diego mitnehmen und dann zu sehen, dass man sich vor den vereinbarten Lizenzzahlungen (es gibt ja Verträge, die auch Apple unterschrieben hat) ggf. mit Hilfe der Regulierungsbehörden drücken kann.

Am Ende des Tages wird jedoch eines ganz klar: Um die beste Technologie geht es schon lange nicht mehr. Wäre dies der Fall, hätte Apple nämlich auch ohne Schmiergeld ausschließlich Modems von Qualcomm eindesignen müssen. Aber man konnte ja mal drohen, ggf. zu Intel zu wechseln, auch wenn dessen Modems zu den fraglichen Zeitpunkten vollkommen unterlegen waren. Anders als bei einer schlechten Kameraauflösung oder Display-Helligkeit fragt im Apple-Store nach einem LTE-Modem eben kein Mensch und Apple konnte seine Einnahmen auf diese Weise weiter maximieren.

Und die Moral von der Geschicht:  Erlaubt ist alles, Hauptsache es stimmt am Ende der Geschäftsbericht.