Hannover-Messe Industrie KI in Deutschland international nur 2. Liga

Deutschland verliert in Bezug auf künstliche Intelligenz (KI) international den Anschluss. Mit diesem Fazit warteten die Verbände VDI und VDE auf der Hannover Messe auf. Dies betrifft insbesondere die Kompetenz, was sich auch in der vergleichsweise geringen Zahl von Patentanmeldungen wiederspiegelt.

In einer Mitgliederbefragung des Vereins deutscher Ingenieure (VDI) zeigen sich 60 Prozent überzeugt, dass in Deutschland die Kompetenzen fehlen, KI-Technik effizient einzusetzen. Gerade einmal 14 Prozent sehen Deutschlands KI in einer Führungsposition im internationalen Wettbewerb – im vergangenen Jahr waren es noch mehr als doppelt so viele.

Vom Verband der Elektrotechnik (VDE) gibt es ähnliche Aussagen von VDE-CEO Ansgar Hinz: „Die Marke 'Made in Germany' verblasst! Was die KI als das Kernthema der diesjährigen Hannover Messe betrifft, sind wir im Weltvergleich maximal Mittelmaß". Laut dem Tec Report, einer Befragung unter 1300 Mitgliedsunternehmen des Branchenverbands sowie der Hochschulen stufen 56 Prozent den Innovationsstandort Deutschland bei KI als mittelmäßig ein, gerade einmal ein Prozent sieht das Land in einer Vorreiterposition, aus den Hochschulen teilt sogar niemand diese Einschätzung

Hinz schlug vor, Kompetenzen vor allem auf die Bereiche Industrie und KI sowie IT-Sicherheit und KI zu konzentrieren. Zudem sollte angewandte KI ein Pflichtbestandteil der Ingenieursausbildung werden. Schließlich müsse Deutschland seine Attraktivität für ausländische Fachkräfte verbessern.

VDI-Präsident Volker Kefer ist  enttäuscht  hinsichtlich der KI-Strategie der Bundesregierung. Drei Milliarden Euro wurden Ende des vergangenen Jahres versprochen, bis heute ist jedoch unklar, wie hoch die Fördermittel tatsächlich ausfallen werden.  Es ist laute Kefer lediglich bekannt, dass 100 neue Professuren an Hochschulen geschaffen werden sollen. Unabhängig davon sind 3 Milliarden Euro verteilt über mehrere Jahre natürlich nur ein Bruchteil dessen, was China und andere Länder in KI investieren.

Eine starke Förderung der Querschnittstechniken KI und 5G fordert Hans Schotten, Mitglied des VDE-Präsidiums und wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI). Es werde für die hiesige Industrie laut Schotten "sehr sehr schwierig, wenn es uns nicht gelingt, den Kontakt zur Weltspitze aufrecht zu erhalten".

Weltweit führend – dort herrscht bei den Verbänden wenig überraschend Einigkeit - sind die USA und China. Hinz zitierte offizielle Zahlen aus den Patentämtern, wonach ca. 60 Prozent aller Patentanmeldungen hinsichtlich KI aus den USA kommen. Apple, Amazon, Alphabet (Mutterkonzern von Google), Intel und Microsoft sind die Top-Player  gefolgt von chinesischen und südkoreanischen Firmen. Deutsche Innovationstreiber sucht man in dieser Liste leider vergeblich.