Europäisches Navigationssystem Galileo überschreitet die Geräte-Milliarde

Illustration eines Galileo-Full-Operational-Capacity-Satelliten. Das System ist am Wochendende teilweise ausgefallen.
Illustration eines Galileo-Full-Operational-Capacity-Satelliten.

Dank der vielen Smartphones erreicht das Navigationssystem Galileo dieser Tage eine Verbreitung von einer Milliarde Geräten. Die wirkliche Zahl liegt noch höher. Ein Problem: noch immer ist Galileo nicht voll einsatzbereit.

Der Meilenstein von »einer Milliarde Nutzern« beruht auf der Zahl der weltweit verkauften Smartphones mit Galileo-Empfänger. Tatsächlich aber ist die Zahl weitaus größer, denn in Europa sind alle neueren PKWs, die für den Markt zugelassen sind, mit dem sog. eCall-System ausgerüstet, bei dem der Standort des Fahrzeugs Notdiensten über Galileo mitgeteilt wird.

Seit Dezember 2016 stehen sog. »erste Dienste« von Galileo zur Verfügung. Dies sind: Standort- und Zeitbestimmung. Allerdings stehen diese Signale nicht jederzeit zur Verfügung, so dass Galileo derzeit noch in Kombination mit anderen Ortungsdiensten (Glonass, GPS) genutzt wird. Derzeit befinden sich 26 Satelliten im Orbit. Weitere vier sollen bis 2021 auf ihre Umlaufbahn gebracht werden. Bis dahin soll Galileo voll betriebsfähig sein.

Notfallortung mit Rückkanal

Ein besonderes Merkmal von Galileo, das auch jetzt schon in Betrieb ist, ist der Search- and Rescue-Dienst. Dazu sind die Satelliten in der Lage, Notfall-Signale auf der dafür international reservierten Frequenz von 406 MHz zu empfangen und zu lokalisieren. Eine Lokalisierung ist binnen 10 Minuten möglich. Die Besonderheit von Galileo liegt darin, dass es einen Rückkanal gibt, über den an das Endgerät ein Signal übermittelt werden kann, dass die Lokalisierung erfolgt ist und baldige Hilfe naht. Die Endgeräte für den Galileo-SAR-Dienst heißen »Beacons« und manche haben zusätzlich noch einen 121,5-MHz-Sender mit niedriger Leistung, der aktiviert werden kann, wenn ein Rettungsteam in der Nähe ist. Die grundsätzliche Genauigkeit der Lokalisierung hat eine Toleranz von zwei Kilometern. Mit dem 121,5-MHz-Sender ist dann die genauere Bestimmung vor Ort möglich.

Es gibt verschiedene Bauformen von Beacons für unterschiedliche Einsatzbereiche: für Flugzeuge, Schiffe und Handgeräte z.B. für Expeditionsteams. Sie alle werden auf unterschiedliche Weise situationsgerecht aktiviert.

Volle Betriebsfähigkeit ab 2021

Erst in zwei Jahren soll das Galileo-System zu voller Einsatzreife gelangen. Bis dahin müssen noch vier weitere Satelliten vom französischen Weltraumbahnhof Kourou in den Orbit gebracht werden. Dann soll auch der verschlüsselte »öffentliche regulierte Dienst«, der für sicherheitsrelevante Anwendungen – einschließlich militärischer Operationen – bestimmt ist, zuverlässig funktionieren. Er soll für die Teilnehmer auch in einem noch so widrigen Umfeld die Dienstkontinuität gewährleisten. Durch den öffentlichen regulierten Dienst wird Galileo öffentliche Stellen, etwa Dienste für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe sowie Zollbeamte und die Polizei, und, sofern die Mitgliedstaaten dies wünschen, militärisches Personal unterstützen. Galileo wird einen besonders robusten und vollständig verschlüsselten Dienst für staatliche Nutzer im Fall von nationalen Not- oder Krisensituationen (z. B. bei Terrorangriffen) bereitstellen. Der ersten PRS-Dienste wurden im Dezember 2016 verfügbar. Ihre Leistung wird durch die derzeit laufende Inbetriebnahme der Galileo-Satelliten und der Erdfunkstellen verbessert.