Methodische Entscheidungsfindung Der Weg zum richtigen Layout-Dienstleister

Nicht immer ist die Entscheidung für den passenden Dienstleister für die externe Elektronik-Entwicklung oder die Fertigung einfach. Oft unterscheiden sich die Angebote nur in wenigen Punkten. Ein methodischer Ansatz hilft, den richtigen externen Leiterplatten-Layouter zu finden.

Kein Know-how im Haus, die Kapazitäten erschöpft, der Zeitplan zu eng: Es gibt viele Gründe, warum ein Unternehmen das Leiterplatten-Layout an einen externen Dienstleister vergibt. Doch dessen Auswahl ist nicht einfach. Für diese Entscheidung sind meist die Meinungen mehrerer Abteilungen und Kollegen zu berücksichtigen. Es gibt unzählige Faktoren, Vorschriften, Bedürfnisse und Beziehungen, die zu beachten sind.

Das alles macht den Vergleich mehrerer Alternativen kompliziert. Menschen treffen Entscheidungen, indem sie eine Reihe von Kriterien bewerten, die ihnen bedeutungsvoll erscheinen. Das geschieht, wenn wir zwischen Pizza oder Döner auswählen oder wenn wir uns für einen von mehreren externen Dienstleistern für das Leiterplatten-Layout entscheiden müssen. Wie lässt sich dieser Entscheidungsprozess so strukturieren, dass das Ergebnis nachvollziehbar bleibt? Die hier vorgestellte Entscheidungsmethode soll diese Aufgabe erleichtern.

Sie baut auf der Annahme auf, dass die Problemanalyse abgeschlossen ist und Entscheidungskriterien entwickeln wurden, die für den Auftraggeber unterschiedlich bedeutsam sind. Nach deren Bewertung im Team steht dann ganz klar fest, für welche Alternative die Entscheidung fällt.

Entscheidungskriterien

Am Anfang steht die Suche nach den Kriterien, die für die Entscheidung wesentlich sind. Dabei ist es wichtig, dass die Kriterien positiv formuliert sind. Für jedes Kriterium gilt also: je mehr Kriterium, desto besser. Zum Beispiel: je mehr Schnelligkeit und Termintreue desto besser; oder je mehr der Auftragnehmer bereit ist, vor Ort zu arbeiten, desto besser. Werden positive und negative Kriterien gleichzeitig verwendet, führt die vorgestellte Methode zu holprigen Ergebnissen.

Beispiel: Sie suchen für Ihr Projekt Leiterplatten-Layouter und haben drei Angebote von verschiedenen Firmen aus München, aus Berlin und aus Hamburg. Schreiben Sie sich alle Kriterien auf, die für Sie und Ihre Kollegen bei dieser Entscheidung von Bedeutung sind. Achten Sie darauf, dass die Kriterien messbar und/oder bewertbar sind. Nehmen wir an, Sie entscheiden sich im Team für diese Kriterien:

  • Niedriger Preis,
  • Relevante Erfahrungen vorhanden,
  • Schnelligkeit/Liefertermin,
  • Bestimmte EDA-Tools verfügbar,
  • Auftragnehmer bereit, vor Ort zu arbeiten.

Kriterien bewerten

Nachdem die Kriterien festgelegt sind, gilt es, die verschiedenen Alternativen zu bewerten. Wenn die Entscheidung für einen externen PCB-Layouter im Team getroffen wird, sollte auch die Bewertung im Team erarbeitet werden. Zunächst muss das Team ein Wertungssystem für die Kriterien finden. Ein Beispiel ist die Bewertung ähnlich dem Schulnotensystem mit Punkten von 1 bis 6 - nur umgekehrt: Die 6 ist die beste und die 1 ist die schlechteste Note.

Mit dem gefundenen Wertungssystem sind nun die zur Auswahl stehenden Alternativen zu beurteilen und die jeweiligen Kriterien zu bewerten. Diese Bewertung sollte jeder mitwirkende Mitarbeiter für sich durchführen, um anschließend aus allen Ergebnissen einen Durchschnitt bilden zu können. Alternativ kann auch ein Einzelner die Bewertung allein durchführen und nur bei einigen Kriterien nach der Meinung der Kollegen fragen. Wie dies für unser Beispiel aussehen kann, zeigt Tabelle 1.

Kriterien
Alternative 1 München
Alternative 2 Berlin
Alternative 3 Hamburg
Niedriger Preis
2
54
Relevante Erfahrungen vorhanden
4
4
4
Schnelligkeit/Liefertermin565
Verfügbarkeit bestimmter EDA-Tools345
Auftragnehmer bereit vor Ort zu arbeiten435
Summe182223
Tabelle 1: Auswahl und Bewertung der Kriterien

Die letzte Zeile der Tabelle bildet die Summe aller Bewertungen einer Alternative. Aus dieser einfachen Bewertung ist zu erkennen, dass in diesem Fall die Hamburger mit insgesamt 23 Punkten die Gewinner wären. Dieses Ergebnis stimmt jedoch nur für den Fall, dass alle Kriterien gleich wichtig oder gleich bedeutsam sind. Wenn das nicht so ist, lässt sich die Entscheidungsmethode erweitern.

Kriterien gewichten

Um die Entscheidung zu präzisieren oder bestimmte Projektvorgaben zu berücksichtigen, sollte eine Gewichtung der einzelnen Kriterien erfolgen. Dabei ist wichtig, die Kriterien so zu gewichten, dass sich in der Summe 100% ergeben. Jedes Kriterium bekommt je nach seiner Wichtigkeit für das Projekt ein größeres oder kleineres Gewicht. Hier kann das Team genauso wie bei der Auswahl von Kriterien und deren Bewertung vorgehen: Entweder nimmt jeder beteiligte Mitarbeiter die Gewichtung für sich vor und anschließend wird der Durchschnitt ermittelt, oder der Hauptverantwortliche legt die Gewichtung fest.

Im letzten Schritt werden die Bewertungsnoten mit der Gewichtung multipliziert und alle gewichteten Noten addiert. Tabelle 2 zeigt die Ergebnisse für unser Beispiel.

Kriterien
Gewichtung
Alternative 1 München
Alternative 2 Berlin
Alternative 3 Hamburg
Niedriger Preis
35 %
0,7
1,75
1,4
Relevante Erfahrungen vorhanden
15 %
0,6
0,6
0,6
Schnelligkeit/Liefertermin
25 %
1,25
1,5
1,25
Verfügbarkeit bestimmter EDA-Tools
15 %
0,45
0,6
0,75
Auftragnehmer bereit vor Ort zu arbeiten
10 %
0,4
0,3
0,5
Summe
100 %
3,4
4,75
4,5
Tabelle 2: Wertung und Gewichtung der Alternativen

Die Alternative mit dem höchsten Gesamtergebnis ist der Gewinner. Im unserem Fall ist das die Alternative 2, also der Leiterplatten-Layouter aus Berlin entspricht am meisten Ihren Vorgaben und Bedürfnissen. Deutlich zu erkennen ist der Einfluss der Gewichtung - ohne sie wäre eine andere Alternative ausgewählt worden. Dies entspricht unseren Erfahrungen: Berufliche Entscheidungen sind komplex und beruhen auf mehreren Kriterien.

Diese Kriterien wiederum haben von Fall zu Fall und von Person zu Person unterschiedliche Bedeutung. Wenn das Ergebnis Sie zu sehr überrascht, dann sind einige Kriterien für Sie und Ihr Team vielleicht wichtiger als angenommen. Eine Alternative wäre, die durch diesen Prozess gewonnenen Informationen an alle in Frage kommenden Dienstleister weiterzugeben und um ein neues Angebot auf Basis des erarbeiteten Wertungs- und Gewichtungsmechanismus zu bitten.

Wenn sich Ihre erste Entscheidung durch neue Angebote bestätigt, dann gibt es keinen Zweifel, dass Ihre Wahl richtig ist. Sie können den Auftrag vergeben.

Über den Autor:

Gregor Gross ist Geschäftsführer von alpha-board.