Götterdämmerung bei Kontron CEO Rolf Schwirz und Vorstand Andreas Plikat müssen gehen

Kontron-CEO Rolf Schwirz: »Unsere Restrukturierung ist abgeschlossen. Das Unternehmen ist wieder profitabel.«
Rolf Schwirz musste vom Posten des CEO von Kontron zurücktreten.

Der Aufsichtsrat von Kontron hat Rolf Schwirz von seinem Amt als Vorstandsvorsitzenden und Andreas Plikat aus dem Vorstand abberufen. Zudem verpasst das Unternehmen die im zweiten Quartal übliche saisonale Erholung und hat die Prognose für das Gesamtjahr zurückgezogen.

Durch Beschluss des Aufsichtsrats von Kontron vom 25. Juli 2016 wurde Rolf Schwirz von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender und Herr Andreas Plikat aus dem Vorstand abberufen.

Sten Daugaard übernimmt das Amt des Vorstandsvorsitzenden mit sofortiger Wirkung und wird von einer Task Force, bestehend aus den Aufsichtsratsmitgliedern Martin Bertinchamp, Dr. Dieter Düsedau und Harald Joachim Joos, beraten.  Daugaard tritt mit sofortiger Wirkung als Aufsichtsrat von Kontron zurück.

An der im Mai 2015 angekündigten strategischen Neuausrichtung hält Kontron fest. Ein Schwerpunkt dabei ist die Positionierung des Unternehmens als Middleware- und Hardware-Anbieter, um die langfristigen Trends ,Internet of Things' (IoT) und ,Industrie 4.0' zu nutzen.

Zusätzlich wird Dr. Thomas Riegler, bisher interimistischer Leiter des Finanzbereichs, in den Vorstand berufen. Herr Frank Gumbinger wird wie geplant das Amt des Finanzvorstands spätestens zum 1. Januar 2017 antreten. Der Aufsichtsrat hat ein Auswahlverfahren angestoßen, um den Vorstand mittelfristig um zusätzliches technisches Knowhow zu verstärken.

Nachfrageschwäche hält an, Jahresprognose zurückgezogen

Der Umsatz für das zweite Quartal lag nur knapp über jenem des ersten Quartals 2016. Mit 90,9 Mio. Euro war er 16,2 % niedriger im Vergleich zu 108,5 Mio. Euro im zweiten Quartal 2015. Der Auftragseingang lag mit 104,6 Mio. Euro, angekurbelt durch den Geschäftsbereich Avionics / Transportation / Defense (ATD), immerhin um 4,5 % höher als im Vergleichsquartal 2015 mit 100,1 Mio. Euro. Der Auftragsbestand liegt zum Ende des zweiten Quartals 2016 bei 270,2 Mio. Euro, was einem Rückgang von 16,2% gegenüber dem 30. Juni 2015 von 322,4 Mio. Euro entspricht.

Die Umsatzschwäche ist in allen drei Geschäftsbereichen sichtbar: Im Geschäftsbereich ATD lagen die Umsätze im zweiten Quartal bei 22,7 Mio.Euro nach 28,9 Mio. Euro im Vergleichszeitraum, was einem Rückgang von 21,4 % entspricht. Der Geschäftsbereich Communication schloss das Quartal mit einem Umsatz von 22,3 Mio. Euro, auch unter dem Niveau des Vorjahres. Ebenfalls negativ ist die Entwicklung im Geschäftsbereich Industrial, dessen Umsatz um 14,0 % auf 45,9 Mio. Euro fiel.

 Die Bruttomarge für das zweite Quartal reflektiert die allgemeine Umsatzschwäche und lag auch aufgrund der vorgenommenen Abschreibungen bei nur 18,6 %, und damit deutlich unter Kontrons lang etablierten Zielgröße von 25 %. Vor dem Hintergrund der revidierten Umsatz- und Ertragserwartungen wurde zum 30. Juni 2016 eine Wertminderungsprüfung (Impairment Test) durchgeführt, die einen Abschreibungsbedarf von 60,9 Mio. Euro auf den Geschäfts- oder Firmenwert sowie 6,0 Mio. Euro auf das Sachanlagevermögen ergeben hat.

Das EBIT unter Berücksichtigung von Restrukturierungskosten, Einmalkosten und Abschreibungen aufgrund der Wertminderungsprüfung fiel im zweiten Quartal 2016 entsprechend auf -10,0 Mio. Euro im Vergleich zu -1,8 Mio. Euro im zweiten Quartal 2015.

Kontron hat für das schwache Ergebnis der Kontron Gruppe marktrelevante sowie unternehmensinterne Gründe identifiziert:

  • Zum einen haben die teilweise erschwerten Marktbedingungen, mit denen Kunden sich konfrontiert sehen, indirekte Auswirkungen auf Kontron. Die Nachfrage fiel schwächer aus als prognostiziert. Das hat unmittelbare Konsequenzen sowohl auf Kontrons Umsatz, weil existierende Rahmenverträge niedriger als erwartet ausgeschöpft werden, als auch auf den Auftragseingang.
     
  • Zudem hat Kontron seine Vertriebsstruktur und Teile des Produktportfolios über die vergangenen Monate angepasst, um insbesondere mittelgroße und kleinere Kunden verstärkt mit Standardprodukten zu versorgen, auch mithilfe von Vertriebspartnern. Allerdings zeigen die durch die Reorganisation eingeleiteten Maßnahmen noch nicht die volle Wirkung. Hinzu kommt eine Reihe von Einzelprojekten, deren Umsetzung sich unerwartet in die zweite Jahreshälfte oder sogar in das kommende Jahr verzögert. Hier dauern die Entwicklungszyklen länger an als vorausgesehen.

Um der Umsatzschwäche entgegenzusteuern und die Kosten anzupassen, ist Kontron dabei, ein umfassendes Maßnahmenprogramm einzuleiten.

Ausblick auf das Gesamtjahr 2016

Kontron erwartet für das zweite Halbjahr 2016 einen ähnlichen Umsatz wie in den ersten sechs Monaten. Darüber hinaus wird erwartet, dass die EBIT-Marge bereinigt um Restrukturierungskosten, Einmalkosten und Abschreibungen aufgrund der Wertminderungsprüfung sowie die Bruttomarge auf ähnlichem Niveau liegen werden wie in der ersten Jahreshälfte.