Was ist eine »Green Company«? Umweltschutz als Unternehmensziel

Bild 1: Großflächige Photovoltaikanlagen zieren die Dächer der Halbleiterfabrik in Sakai

Nicht nur vor dem Hintergrund versiegender oder nutzlos auslaufender Ölquellen und unterbrochener Gasleitungen sind Energiesparprodukte en vogue. Sie sind das Instrumentarium, mit dem Verbraucher ihren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten können. Eine maßgebliche Verantwortung haben jedoch die Unternehmen.

Ganzheitliches Umweltmanagement bezieht sich auf Produktdesign, Produktion, Logistik, Energie- und Rohstoffmanagement sowie Recycling, die nahtlos ineinander greifen müssen und in der Gesamtheit etwas ergeben, was dem Ideal einer »Green Company« nahe kommt. Die Umwandlung eines Unternehmens in eine »Green Company« betrifft alle Teile der Wertschöpfungskette und erfordert einen klaren Willen sowie ein hohes Engagement der Unternehmensführung. Denn nur wenn sich der Umweltaspekt wie ein roter Faden über die Wertschöpfungskette hinweg zieht, wird aus der reinen Erfüllung von Umweltauflagen ein Wettbewerbsvorteil in Form von innovativen, energieeffizienten    Produkten und hoch effizienten Produktionsprozessen bei optimiertem Rohstoff- und Energieeinsatz.    Dass Umweltschutz im beginnenden  21. Jahrhundert von großer Bedeutung ist, hat Sharp zum Anlass genommen, eine entsprechende grundlegende Zielsetzung zu entwickeln: Das Unternehmen sollte in Umweltdingen führend werden. Bereits 1992 wurde in der Zentrale in Osaka eine so genannte zentrale »Umweltschutzgruppe« ins Leben gerufen, die heute unter der Leitung eines Vorstandsmitglieds steht.

Ihre Aufgabe ist es, jährlich mittel- und langfristige Umweltvorgaben für die gesamte Firma zu definieren und in allen Unternehmensbereichen zu implementieren. Dabei werden alle Teile der Wertschöpfungskette betrachtet – Management, Produktdesign, Herstellung, Logistik, Recycling und Fortbildung, um Mitarbeiter    zu ermutigen, Ideen zu entwickeln, die zum Umweltschutz beitragen. Eines der übergreifenden Ziele    insbesondere für die Produktionsstätten in Japan ist es, den CO2-Ausstoß pro Produktionseinheit bis 2012 auf 35% gegenüber 1990 zu drücken. Damit dies nicht bei papierenen Absichtserklärungen bleibt, unterzieht sich Sharp weltweit einem Zertifizierungsprozess nach ISO 14001 (siehe Kasten    »Umweltmanagement«). Nahezu alle Produktionsstandorte und ein Großteil der Vertriebsbüros in den    verschiedenen Märkten sind bereits entsprechend der Norm zertifiziert. Auch Sharp Microelectronics Europe hat diesen Prozess erfolgreich durchlaufen.

Produktionsziel: Zero Emission

Für alle Produktionsstandorte weltweit gilt das Ziel, den CO2- Ausstoß jährlich um zwei Prozent zu reduzieren und die Stoffkreisläufe innerhalb der Werke soweit zu optimieren, dass bis auf eine    Restmenge von 0,5 Prozent, die deponiert werden muss, alle für die Produktion notwendigen Hilfsmittel    und Reststoffe wie Wasser, Glas, Verpackungsmaterialien und Chemikalien recycelt werden. In den modernsten LCD-Fabriken der 8. Generation in Kameyama ist dieses Ziel bereits erreicht. Ein Teil der Energie wird durch eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage mit einer Leistung von 14 400 kW gedeckt. Der Energiebedarf wird zudem teils aus erneuerbaren Ressourcen gedeckt. Rund 47 000 Quadratmeter    Solarzellen liefern 5210 kW Strom - ausreichend, um jährlich 1300 Haushalte mit Elektrizität zu versorgen.    Dies spart jährlich rund 3400 Tonnen CO2. Die Solarzellen sind dabei nicht nur auf den Fabrikdächern    montiert. Neuartige transparente Dünnschicht-Solarzellen fungieren als Fassadenelemente mit doppeltem Nutzen: Neben der Stromproduktion schirmen die Zellen einen Teil der Sonneneinstrahlung durch die Fenster ab mit dem Effekt, dass sich die Räume weniger aufheizen und die Klimaanlagen entsprechend weniger leisten müssen. Ein modernes, gasbetriebenes Blockheizkraftwerk liefert nicht nur Strom, sondern    mit seiner Abwärme auch warmes Wasser.

Die LCD-Fabrik der 10. Generation und Dünnschicht-Solarzellenfabrik, die Anfang 2010 in Sakai (Bild 1)    den Betrieb aufnahm, geht in Sachen Umweltschutz noch einen Schritt weiter. Beispielsweise soll die Energieversorgung des Fabrikkomplexes in Sakai künftig von einem Photovoltaikkraftwerk auf den Dächern der Werkshallen unterstützt werden.

Auch auf der Verbrauchseite zeigt Sakai Einsparpotenziale auf. Beleuchtet wird der gesamte Industriekomplex im Außen- und Innenbereich mit ca. 100 000 LED-basierten Lampen, die im Vergleich zu konventionellen Leuchten halb so viel Energie brauchen. Für die jährliche CO2- Bilanz der Anlage heißt dies minus rund 18 000 Tonnen Treibhausgas. Es handelt sich um einen hoch integrierten Fertigungskomplex für Panels und Module der 40-Zoll- bis 60-Zoll-Klasse mit mehreren Werken. Auch Zulieferer für Farbfilter    und Polarisatoren sind auf dem Gelände angesiedelt, außerdem lassen sich Synergien zwischen LCD- und Photovoltaikproduktion nutzen, die beide auf der Dünnschichttechnologie beruhen. Durch die hohe Integration und zentralisierte Versorgung mit Elektrizität und Wasser verringert sich der Energiebedarf im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen um ca. 20%, was jährlich rund 48.000 Tonnen CO2 einspart. Die effiziente Logistik zwischen den einzelnen Teilen des Fabrikkomplexes reduziert den CO2-Ausstoß noch einmal um 3300 Tonnen im Jahr.

 

LED und Photovoltaik als Schlüsseltechnologien

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist eine der wichtigen Triebfedern in der Produktentwicklung, was sich exemplarisch an der Entwicklung der 32-Zoll-LCDFernseher »Aquos« ablesen lässt.  Das erste Gerät dieser Größe, das 2003 auf den Markt kam, brauchte durchschnittlich 238 kWh pro Jahr. Vergleichbare Modelle von heute benötigen mit 89 kWh pro Jahr rund ein Drittel dessen, ein Ende der Entwicklung ist noch nicht in Sicht. Schrittmacher dieser Entwicklung ist die LED. Inzwischen haben die Leuchtdioden eine Lichtleistung erreicht, die sie als Leuchtmittel nicht nur für Hintergrundbeleuchtungen für LCD-Fernseher interessant machen, sondern auch für die Beleuchtung generell.

Mit einer Lichtleistung von 100 lm/W und mehr benötigen Hochleistungsleuchtdioden im Vergleich zu herkömmlichen Glühfadenlampen etwa elf Prozent des Stroms bei gleicher Helligkeit. Eine weitere Schlüsseltechnologie bei der Entwicklung energieeffizienter Geräte ist die Photovoltaik. Ende März hat die Solarfabrik in Sakai ihren Betrieb aufgenommen, in der jährlich Dünnschicht-Solarpanels mit einer Gesamtleistung von 1 GW vom Band laufen sollen. Genauso wie bei der LCD-Produktion sorgen größere Glassubstrate für eine gesteigerte Effizienz bei der Herstellung und für die Erschließung neuer Anwendungen. Kostengünstige Solarzellen finden ihren Einsatz eben nicht nur in Photovoltaikpanels mit hoher Laufleistung.

Denkbar ist dann auch die Integration in eher kurzlebige, teils preissensitive Consumeranwendungen wie Mobiltelefone, netzunabhängige Haushaltsgeräte, Fahrzeuge (beispielsweise für den Betrieb von Lüftungen bei ausgeschaltetem Motor), etc. Auf der ifa 2008 hat Sharp ein Konzept für einen solarbetriebenen Flachbildfernseher vorgestellt. Im Prinzip ließe sich dieser Ansatz auch dafür nutzen, autarke e-Signage-Lösungen zu entwickeln. Konkret greifbar sind bereits solarbetriebene Beleuchtungssysteme. Schlüsselkomponenten sind hierbei allerdings nicht nur die Solarzellen. Erst durch die gestiegene Lichtleistung von LEDs ist es möglich, Lampen mit ausreichender Helligkeit aus Akkus zu speisen, die tagsüber mittels Photovoltaik geladen werden.

Recycling = Logistik + Gerätedesign

Recycling stellt erst einmal eine hohe Herausforderung an die Logistik, ausgediente Geräte wieder    zurückzuführen. In Japan haben sich daher Sharp und andere Elektronikunternehmen des Landes zu einem Recyclingnetzwerk mit insgesamt 190 Sammelstellen und 18 Recyclingfabriken    zusammengeschlossen, um Sekundärrohstoffe vor allem aus großen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Fernseher, Kühlschränken und Klimaanlagen zurückzugewinnen. Die Recyclingrate    liegt dabei abhängig von der Produktgruppe zwischen 75% und 89% und übersteigt die von der    Regierung geforderten Quoten.

Im Jahr 2007 wurden auf diesem Weg allein 1,4 Millionen Haushaltsgeräte von Sharp recycelt. Auch für PCs und Kopierer bestehen vergleichbare Systeme mit ähnlich hohen Recyclingquoten. In anderen Regionen entstehen ähnliche Recyclingnetzwerke. In Nordamerika haben Sharp, Toshiba und Panasonic im September 2007 die Firma Electronic Manufacturers Recycling Management (MRM) gegründet. Bis 2011 will MRM ein Netz von 800 Sammelstellen für die Rücknahme von Fernsehern, Videorekordern, Telefonen, MP3-Playern und anderen elektronischen Geräten einrichten. Grundvoraussetzung für ein wirtschaftliches Recycling ist jedoch die einfache Demontage von Geräten. Hierzu werden systematisch Erfahrungen aus dem Produktrecycling an die Produktentwicklung zurückgekoppelt, um so Schritt für Schritt    das Gerätedesign auch hinsichtlich der Recyclingfähigkeit zu optimieren. Darüber hinaus arbeitet Sharp    intensiv an der Verwendung von Sekundärrohstoffen, um nicht erneuerbare Ressourcen zu schonen. Seit 2001 hat das Unternehmen den Einsatz von Recyclingkunststoff in neuen Produkten auf inzwischen mehr als 1000 Tonnen im Jahr gesteigert.  

Umweltmanagement
Die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 definiert Anforderungen
an ein Umweltmanagementsystem. Sie stellt einen kontinuierlichen
Verbesserungsprozess in den Mittelpunkt. Jener Prozess beruht auf der Methode
Plan-Do-Check-Act (PDCA, Planen-Ausführen-Kontrollieren-Optimieren).
■■ Planen: Festlegung der Zielsetzungen und Prozesse, um die Umsetzung der
    Umweltpolitik der Organisation zu erreichen
■■ Ausführen: die Umsetzung der Prozesse
■■ Kontrollieren: Überwachung der Prozesse hinsichtlich rechtlichen und anderen
    Anforderungen sowie Zielen der Umweltpolitik der Organisation;
    gegebenenfalls Veröffentlichung der Umweltleistung
■■ Optimieren: Falls notwendig müssen die Prozesse korrigiert werden
Hierzu baut ein Unternehmen eine betriebliche Umweltpolitik, Umweltziele
und ein Umweltprogramm auf; ein entsprechendes Managementsystem hilft
beim Erreichen der Ziele. Die Norm legt keine absoluten Anforderungen für
die Umweltleistung fest, sie fordert aber die Einhaltung der Verpflichtungen,
die sich die Organisation selbst in ihrer Umweltpolitik auferlegt hat. Allerdings
muss diese Umweltpolitik die geltenden rechtlichen Verpflichtungen einhalten.
In der 2000 erfolgten Überarbeitung (2004 veröffentlicht als ISO 14001:2004)
wurde Wert auf eine höhere Kompatibilität mit der Qualitätsmanagementnorm
ISO 9001 und der Beseitigung von Unklarheiten und damit einer größeren Anwenderfreundlichkeit
gelegt. In Deutschland gilt die DIN EN ISO 14001:2009-
11 bzw. ISO 14001:2009.
 
Umweltschutz als Unternehmensziel