Electronic Packaging Wetterfest, wasserdicht oder marinetauglich?

Wetterfest, wasserdicht und marinetauglich sind häufig verwendete Fachbegriffe, um Industrieanlagen, Beleuchtungssysteme und Werkzeuge zu kennzeichnen. Diese Begriffe sind sehr unterschiedlich und der Anwender muss sie vollständig verstehen, um ein Produkt auch vorschriftsmäßig benutzen zu können.

Wetterfest ist sehr weit gefasst und beschreibt die Widerstandsfähigkeit eines Geräts oder Materials gegen eine Vielzahl von Umwelteinflüssen und Einsatzbedingungen. Solche Einflüsse sind typischerweise Regen, leichter Schnee, Wind und leichte mechanische Beanspruchung. Ohne einzuhaltende Norm müssen die Hersteller genau definieren, wie wetterfest ihr Produkt tatsächlich ist. Dies liegt daran, dass die Kunden wetterfest unterschiedlich interpretieren können, wenn es um die Anwendung geht. Falls das Typenschild oder die Betriebsanleitung über den Begriff wetterfest nicht präzise aufklärt, sollte man sich die Leistungsdaten des Geräts ansehen.

Die NEMA-3R-Einstufung für einen wetterfesten Transformator weist beispielsweise darauf hin, dass dieser widerstandsfähig gegen Frost, herabfallenden Schmutz und eindringendes Wasser ist. Solche Informationen sind verlässlicher, da NEMA ein regulierter Standard ist, nicht jedoch der Begriff wetterfest, der lediglich eine bloße Beschreibung ist.

Grundsätzlich werden für wetterfeste Produkte Materialien eingesetzt, die gegen Witterungseinflüsse beständig sind. Solche Systeme sind für den Einsatz im Freien unter nicht vorhersehbaren Wetterbedingungen konzipiert. Somit kann ein Hersteller die Oberfläche beschichten oder veredeln, um Beschädigungen zu vermeiden, abgedichtete oder geschlossene Konstruktionen wählen und Materialien benutzen, die nicht leicht rosten. Wetterfeste Produkten können Korrosion tolerieren, aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Korrosion durch Salzwasser beispielsweise wird im Rahmen von wetterfest selten abgedeckt – sofern nicht vom Hersteller angegeben –, obwohl eine geringe Korrosion durch Niederschlagswasser zulässig ist.

Wasserdicht 

Wasserdicht wird als Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von Wasser oder Feuchtigkeit definiert. In Bezug auf wasserdichte Gehäuse würde man erwarten, dass das Gehäuse das Innenleben auch bei Starkregen oder Spritzwasser trocken hält und dieses gleichzeitig ordnungsgemäß weiterarbeitet. Die Form der Abdichtung hängt von der Art des Produktes ab. Wasserdichte Gewebe werden beispielsweise in der Regel speziell beschichtet, während wasserdichte Leuchten wasserdichte oder IP-geschützte Gehäuse haben können.

Im Gegensatz zu wetterfest ist wasserdicht mithilfe der IP-Schutzart auch ohne Rücksprache mit dem Hersteller klar definiert. Eine IP-Schutzart gibt den Grad der Dichtheit eines Produktes an, der auf einer genormten Skala basiert (EN 60529, IEC 60509:1989). Dabei bestimmt die zweite Ziffer den Grad der Wasserdichtigkeit, die erste Ziffer hebt den Schutz vor Eindringen (feste Gegenstände, Schmutz, Berührung) hervor. Ein LED-Flutlicht mit der Schutzart IP68 beispielsweise weist darauf hin, dass das Gerät staubdicht ist (erste Ziffer 6 in der Schutzklasse) und einen Schutz gegen Eintauchen in Wasser über einen längeren Zeitraum bietet (zweite Ziffer 8 in der Schutzklasse).

Im Gegensatz zu wetterfest, ist wasserdicht in Verbindung mit einer IP-Einstufung eine transparentere Methode zur Bestimmung der Widerstandsfähigkeit eines Produkts gegen schädliche Umwelteinflüsse und Bedingungen im Außeneinsatz.

Marinetauglich

Der Klassifizierungsgrad marinetauglich (marine rated oder marine graded) bezieht sich auf die Beständigkeit der Produkte gegen Elemente, die mit der Meeresumgebung einhergehen, wie zum Beispiel Wasser, starke Winde, starke mechanische Beanspruchung und Salzwasserkorrosion. In den meisten Fällen liegt das Hauptaugenmerk der maritimen Ausrüstung auf dem Schutz vor Salzwasserkorrosion, da dies eine Hauptursache für vorzeitigen Ausfall eines Produktes auf See, im Hafen oder bei landseitigen Einsätzen spielt.

Um Salzwasserkorrosion zu unterbinden, nutzen die Hersteller hochwertige Materialien. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von Molybdän in seewasserbeständigen Edelstahllegierungen, darunter auch 316-er Edelstahl. Solche Sorte von Materialien findet man bei Gehäusen für mobile Stromverteilungssysteme, die ausschließlich für den maritimen Einsatzbereich entwickelt wurden, sowie bei industriellen Leuchtmitteln und dergleichen mehr. Andere Arten von marinetauglichen Materialien sind: AH36, DH36 und EH36 (Kohlenstoffstahl); Klasse 5052 und 6061-T6 (Aluminium); und C65500 (Siliziumbronze).

Marinetaugliche Geräte können auch mit widerstandsfähigen Oberflächenbeschichtungen versehen werden, um ausreichend vor Salzwasserkorrosion zu schützen. Das galvanische Verzinken ist eine gängige Methode, um derartige Eigenschaften zu erzielen, wobei das Material oder Produkt in heißes Zink getaucht wird. Eloxieren ist eine chemische Behandlung mit einem Elektrolytsäurebad (besonders geeignet für Aluminium). Es dient dazu, das Material zu verstärken, um Salzwasserkorrosionen widerstehen zu können.

Für einen angemessenen Schutz vor Wasser- und Salzwasserkorrosion ist zu marinetauglichen Systemen zu raten. Aufgrund ihrer jeweiligen Definitionen bieten wasserdichte Produkte (ohne maritime Klassifizierung), obwohl sie zuverlässig funktionieren, möglicherweise keinen vollständigen Schutz vor Salzwasserkorrosion.