Murata / Passive Bauelemente Smartphones trotzen der Covid-19-Pandemie

Die Smartphone-Hersteller bestellen Komponenten, als gäbe es keine Pandemie. Zu diesem Ergebnis kommt Norio Nakajima, der designierte President von Murata, in einem Gespräch mit Bloomberg. Die Hersteller sind anscheinend immer noch auf Zielkurs, im Herbst neue Modelle auf den Markt zu bringen.

Murata Manufacturing, ein dominierender Player bei Keramikkondensatoren, hat keinen Nachfragerückgang nach Komponenten für Smartphones beobachten können. Im Februar und März 2020 hielten die Bestellungen von Mobiltelefonanbietern trotz Unsicherheiten bezüglich der Verbrauchernachfrage auf Vorjahresniveau. Dies erklärte Norio Nakajima, der seit 1985 bei Murata ist und im Juni das Amt des President übernehmen wird, in einem Interview am Mittwoch gegenüber Bloomberg. Die chinesischen Hersteller Huawei und Oppo seien nicht von ihren Roadmaps abgewichen, die sie vor der Corona-Pandemie aufgestellt hätten, so Nakajima, ohne die Unternehmen namentlich zu nennen.

Während Murata in diesem Jahr damit rechnet, dass Nachfrage von den Autoherstellern einbricht, blieben die Bestellungen für Komponenten in Mobilfunk-Basisstationen stark, da die Betreiber ihre Mobilfunknetze der fünften Generation (5G) ausbauen. Auch der abrupte Anstieg von Telearbeitsplätzen und Personen, die zu Hause in Quarantäne festsitzen, haben die Nachfrage nach Rechenzentren und Spielkonsolen drastisch steigen lassen.

»Die Situation ist schwer zu interpretieren, weil die treibenden Kräfte nicht wirtschaftlicher Natur sind«, betonte Nakajima vom Hauptsitz des Unternehmens in Kyoto aus. »Vieles hängt vom Tempo bei der Entwicklung eines Impfstoffs und von den Fortschritten bei der Behandlung ab. Aber bisher laufen die Vorbereitungen genauso ab wie im vergangenen Jahr.«

Zentrale Erkenntnisse

  • Hersteller von Smartphones sind immer noch auf Zielkurs, um im Herbst neue Modelle auf den Markt zu bringen, aber die tatsächlichen Verkaufszahlen könnten je nach Fortschreiten der Pandemie sinken.
  • Üblicherweise bestellen die Hersteller im Juni für eine Markteinführung im September, und die Buchungen erreichen ihren Höhepunkt meist im Oktober. In diesem Jahr kann sich der Zeitpunkt allerdings verschieben.
  • Die Produktion in China hat sich größtenteils von Werksschließungen erholt, wobei die eigenen Werke von Murata im Land zu 80 Prozent ausgelastet sind.
  • Murata plant, die Fertigungskapazität im nächsten Geschäftsjahr um zehn Prozent zu erhöhen und hat bereits Aufträge für die Anschaffung neuer Anlagen erteilt.

Weltweit dürften die Lieferungen von Smartphones im Jahr 2020 um 2,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Stück zurückgehen, da sich der Ausbruch von Covid-19 ausweitet, so das Marktforschungsunternehmen IDC. Demnach soll der Ausbruch im ersten Halbjahr einen Rückgang um 10,6 Prozent verursachen, gefolgt von einer Erholung im zweiten Halbjahr. 5G wird 2021 helfen, die Nachfrage zu beleben.

»Wir begrüßen die langfristigen Trends mit 5G und der Elektrifizierung von Autos, die Murata zugutekommen werden. Kurzfristig jedoch gibt es einfach zu viel Unsicherheit«, kommentierte Romeo Alvarez, Aktienanalyst bei William O'Neil & Co., der Murata am 9. März 2020 von seiner Kaufliste gestrichen hat. »2020 sollte das Jahr sein, in dem 5G zum Mainstream wird«, so Alvarez, »aber wir sind uns da nicht mehr so sicher.«

Murata erwirtschaftet etwa die Hälfte seines Umsatzes mit Komponenten, die in Kommunikationsanwendungen eingesetzt werden, darunter Kondensatoren für Basisstationen, Band- und Rauschfilter in Mobilgeräten. Mit ungefähr 16 Prozent Umsatzanteil ist die Automobilindustrie ihr zweitgrößter Geschäftsbereich. Das Unternehmen prognostizierte im Oktober einen operativen Gewinn von 230 Milliarden Yen (2,1 Milliarden US-Dollar) bei einem Umsatz von 1,51 Billionen Yen für das Geschäftsjahr, das am 31. März endete.