Interview mit Dr. Thomas Ebel, FTCAP Kondensatoren von de Waterkant

Kondensatoren für SiC und GaN

Zunehmend drängen auch Schalter aus SiC und GaN auf den Markt. Wie werden sich diese sehr schnellen Schaltelemente auf den Zwischenkreiskondensator auswirken? Hat der Elko da noch eine Chance oder muss oder kann man dann zu anderen Technologien greifen wie Filmkondensatoren? 

Wie Sie richtig erwähnen, sind die alternativen Schalter mit Siliziumkarbid und Galliumnitrid offenkundig ein Konkurrenzprodukt zu gewissen Kondensatoren. Aufgrund der positiven Eigenschaften dieser Bauelemente gerät der Elko allgemein zunehmend unter Druck, auch wenn wir uns als Unternehmen derzeit wirklich nicht über leere Auftragsbücher beklagen können! Tatsächlich können Filmkondensatoren eine gute Alternative darstellen, da die Spannungsfestigkeit des Dielektrikums etwa um den Faktor Drei höher ist. Außerdem ist der Reihenersatzwiderstand, kurz ESR, bei Filmkondensatoren niedriger, und – bedingt durch die Selbstheilungseigenschaften – ist deren Zuverlässigkeit höher. Zudem sind sie wechselspannungsfest und eignen sich somit zum Beispiel auch zur Blindleistungskompensation.

Glücklicherweise fertigt FTCAP neben den klassischen Aluminiumelkos bereits seit Jahrzehnten auch Filmkondensatoren. Wir können diese möglicherweise entste- hende Lücke somit perfekt füllen, indem wir auch das Alternativprodukt anbieten. 

Sie sind, wie erwähnt, einer der wenigen, die noch hier in Deutschland fertigen. Welche Vorteile hat das? 

Für FTCAP spricht eine Vielzahl an Faktoren für eine Fertigung in Deutschland. Zunächst sind wir hier fest verwurzelt, da wir bereits seit fast siebzig Jahren in Husum an der Nordsee produzieren. In der Anfangszeit, Mitte des vergangenen Jahrhunderts, haben die Frauen ortsansässiger Fischer noch Teile der Produktion in Heimarbeit übernommen. Bis heute sind wir vielen Husumerinnen und Husumern bekannt und gehören zu den fest etablierten mittel­ständischen Unternehmen der Region.

Als unsere Produktionskapazitäten vor einigen Jahren zu klein wurden, hätten wir uns auch für eine Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer entscheiden können. Diesen Schritt haben wir bewusst nicht gemacht, sondern sind unserem Standort treu geblieben. So sind wir also 2012 hier im Ort umgezogen, und mussten 2016 schon wieder erweitern. Und unser jetziges Betriebsgelände lässt noch weiteres Wachstum zu.

Unsere hier ansässigen Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Sie haben sich im Laufe ihrer Betriebszugehörigkeit ein enormes Fachwissen aneignen können, das wir so in einem Billiglohnland kein zweites Mal aufbauen könnten. Die Tatsache, dass viele Mitarbeiter bereits seit Jahrzehnten zur Belegschaft gehören und auch deren Familienangehörige bei uns arbeiten, zeigt, dass FTCAP ein gut eingespieltes Team ist. Dieses Humankapital ist ein Produktionsfaktor, den wir in unseren Augen nur hier an unserem Standort in Deutschland vollständig einsetzen können und der uns einen Vorsprung vor einer Fertigung in Asien bietet. Er führt zu qualitativ hochwertigen Produkten »made in Germany«, die seit Jahrzehnten einen guten Namen haben.

Weiterhin sitzt ein Großteil unserer Kunden in Deutschland, sodass wir dem Kunden kürzere Kommunikationswege bieten können als ein weitgehend anonymer Hersteller im fernen Asien. Wir kommunizieren mit unseren Kunden auf Augenhöhe und sind für viele ein langjähriger Geschäftspartner geworden, auf den auch bei Problemen Verlass ist.

Sicher gibt es auch Nachteile, hier in Deutschland zu fertigen, denn die meisten anderen fertigen in China oder Japan, oder? 

Ein unumstrittener Nachteil einer Fertigung in Deutschland gegenüber einer Produktion in Asien sind natürlich die höheren Lohnkosten. Der Lohnkostenanteil eines in Deutschland mit Handarbeit gefertigten Kondensators wird mit Sicherheit immer höher sein als bei einem Bauelement, das massenweise in Fernost produziert wurde. Gleichzeitig wird das FTCAP-Produkt qualitativ immer einen Schritt voraus sein. Verwunderte Rückmeldungen von Kunden, deren FTCAP-Kondensatoren jahrzehntelang ihren Dienst verrichten, zeigen uns, dass unsere Produkte eine Qualität vorweisen, die ein asiatisches Produkt niemals haben wird.

Ein weiterer Faktor, den es bei einer Fertigung von Kondensatoren in Deutschland zu beachten gilt, ist die Materialbeschaffung. Verschiedene Vormaterialien, zum Beispiel der Elektrolyt, kommen von Lieferanten aus Asien. Durch längere Lieferzeiten der Vormaterialien müssen wir detailliert planen, um weiterhin flexibel auf Kundenwünsche eingehen zu können. Glücklicherweise haben wir in diesem Bereich genügend Erfahrung sammeln können, um diesen nachteiligen Produktionsfaktor in unsere Kalkulationen ein- zubeziehen.

In der Abwägung der Vorteile gegenüber den Nachteilen einer Fertigung in Deutschland, überwiegen für FTCAP klar die Vorteile. In der Vergangenheit konnten wir uns eine gute Position am Markt der Kondensatorenhersteller erarbeiten und sind auf dem besten Wege diese zukünftig weiter auszubauen. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Global-Playern und deren Vertrauen in uns, Projekte über viele Jahre mit uns abzuschließen, ist ein klares Signal für uns, dass wir einer Fertigung in Deutschland treu bleiben sollten und werden. 

Vielen Dank, Herr Dr. Ebel, für das Gespräch.

Das Interview führte Ralf Higgelke.