Covid-19 / Passive Bauelemente Führt die Quarantäne in Südostasien wieder zur Allokation?

Erst vor kurzem waren MLCCs auf breiter Front nicht verfügbar. Nun könnte die Lieferkette für passive Bauelemente wieder reißen. Grund dafür sind die mehrwöchigen Quarantänen wegen des Coronavirus vor allem auf den Philippinen und Malaysia.

Mindestens 30 Länder rund um die Welt haben den nationalen Notstand ausgerufen. Zusätzlich zu den Ausgangsbeschränkungen in vielen europäischen und amerikanischen Staaten haben wichtige Nationen in der globalisierten Lieferkette – vor allem die Philippinen, Malaysia und andere südostasiatische Länder – nacheinander Quarantänen verhängt. Nach China stehen diese Staaten in der globalen Elektronikindustrie an zweiter Stelle.

Dies könnte Herausforderungen bei der Versorgung mit elektronischen Komponenten mit sich bringen. Aber wenn sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite stagnieren, wird das ganze Ausmaß der Verknappung gedämpft werden. Die Unternehmen in der Lieferkette müssen die Branchentrends genau beobachten, gute Risikovorhersagen machen und sich auf eine rasche Erholung nach der Coronakrise in der zweiten Jahreshälfte vorbereiten.

Im Folgenden ein aktueller Lagebericht basierend auf einem Blog-Eintrag des European Passive Components Institute.

Manila für 30 Tage in Quarantäne​​​​​​​

Am 12. März 2020 gaben die Philippinen bekannt, dass die Hauptstadt Manila ab dem 15. März für dreißig Tage isoliert werde. Jeglicher Transport auf dem See-, Land- und Luftweg von und nach Manila wurde ausgesetzt. Angeblich verfügt die Stadt über drei der acht wichtigsten Flughäfen des Landes. Die Fertigungs- und Lieferkapazitäten an MLCCs könnte dadurch stark beeinträchtigt werden.

Denn die Philippinen sind ein wichtiger Produktionsstandort für japanische und koreanische Hersteller von MLCCs, beispielsweise Murata, Samsung Electronics und Taiyo Yuden. Murata stellt 15 Prozent seiner Keramikkondensatoren dort her, Samsung Electronics sogar 40 Prozent. Darüber hinaus hat ein Vulkanausbruch auf den Philippinen seit Januar den Luftverkehr eingeschränkt, und die Industrie hat Bedenken, was die Belieferung mit weiteren MLCCs betrifft.

Monatlich produziert Murata 150 Milliarden MLCCs, wobei neben Japan und den Philippinen die Bauteile auch im chinesischen Wuxi (40 Prozent) sowie in Thailand und Singapur gefertigt werden. Die weltweite monatliche Produktionskapazität von Samsung beträgt etwa 100 Milliarden Stück. Neben den Philippinen fertigt Samsung auch in südkoreanischen Busan (20 Prozent) und im chinesischen Tianjin (40 Prozent).

Dennoch ist man zuversichtlich, dass die jüngst erweiterten Kapazitäten der MLCC-Hersteller in Japan, Taiwan und auf dem chinesischen Festland Ende 2019 bzw. 2020 fast vollständig verfügbar sein werden. Die meisten der Werke befinden sich auf dem chinesischen Festland, was die Versorgungskrise in gewissem Umfang mildern kann. Die Produktionskapazität von Yageo bei MLCCs ist im chinesischen Suzhou (70 Prozent) und in Taiwan sowie in Südostasien sind sehr gering.

Malaysia stoppt Produktion von Widerständen für 14 Tage

Nach der Ankündigung, die philippinische Hauptstadt Manila für 30 Tage zu isolieren, kündigte Malaysia am 17. März 2020 an, das Land vom 18. bis 31. März für von 14 Tagen in Quarantäne zu nehmen. In der die Ankündigung wies man darauf hin, dass abgesehen von den notwendigen Lebensmitteln, Transportmitteln und öffentlichen Einrichtungen die einheimischen Unternehmen und Betriebe darum gebeten wurden, für zwei Wochen zu schließen.

Laut der International Electronic Business Information sei Malaysia ein wichtiger Hersteller von Widerständen für japanische und vor allem taiwanesische Unternehmen. Huaxin Technology und Wangquan (eine Tochtergesellschaft von Qilixin) haben einen großen Anteil ihrer Produktionskapazitäten dort. Zusätzlich zu den Widerständen haben japanische Unternehmen wie Murata (Induktivitäten, MLCC), Nichicon und Nippon Chemicon (Alu-Elektrolytkondensatoren) sowie Panasonic (Festkörperkondensatoren) Fertigungskapazitäten in Malaysia.

Xiwangquan produziert in Malaysia hauptsächlich konventionelle Widerstände. Dessen Fertigungskapazität macht etwa die Hälfte der gesamten Fertigungskapazität für Widerstände aus, was erhebliche Auswirkungen hat. Dennoch haben die Werke in Kunshan und Hunan ihren Betrieb wieder aufgenommen, was die Engpässe bis zu einem gewissen Grad lindern kann. Das Werk von Huaxin Technology in Malaysia stellt hauptsächlich Widerstände für die Automobilindustrie her. Vor der vorübergehenden Stilllegung war das Werk jedoch voll ausgelastet. Es wird erwartet, dass sich die zweiwöchige Schließung stärker auf den Standort auswirken wird. Man geht davon aus, dass andere Regionen die wegfallenden Fertigungskapazitäten kompensieren können.

Induktivitäten weniger problematisch

Was Induktivitäten betrifft, so haben die japanischen Unternehmen Murata und Chiru eine Fertigung in Malaysia. Doch aufgrund der großen Anzahl von Akteuren auf dem Weltmarkt, der recht fragmentierten Wettbewerbslandschaft und der schwachen Entwicklung der Nachfrage ist International Electronics Business der Ansicht, dass die Preisschwankungen nicht allzu deutlich ausfallen werden.