Interview mit Philip Harting Der Steckverbinder fürs IIoT

Philip Harting (links), Vorstandsvorsitzender der Harting-Technologiegruppe, mit Ralf Higgelke, Redaktion DESIGN&ELEKTRONIK.
Philip Harting (links), Vorstandsvorsitzender der Harting-Technologiegruppe, mit Ralf Higgelke, Redaktion DESIGN&ELEKTRONIK.

Mit »ix Indus­trial« haben Harting und Hirose ein Steckverbindersystem für das IIoT vorgestellt. Warum ein solches nötig wurde und warum Hirose der richtige Partner ist, fragte die DESIGN&ELEKTRONIK den Vorstandsvorsitzenden der Harting-Technologiegruppe Philip Harting.

Herr Harting, was war die zündende Grundidee hinter ix Industrial?

Philip Harting: Vor etwa ei­nem Jahrzehnt ging es noch darum, Ethernet industrietauglich zu machen. Jeder kennt den RJ45-Stecker von seinem Telefon oder seinem Internetanschluss, und wir bei Harting haben dann eine industrietaugliche Version des RJ45 entwickelt. Heute, zehn Jahre weiter, sprechen wir von der Digitalisierung und dem IIoT, wo es darum geht, hohe Datenraten zu erzielen. Immer mehr Geräte werden digitalisiert und angeschlossen, das gilt nicht nur für unsere Tablets und Smartphones, sondern auch für Sensoren, Maschinen und Prozessstraßen. Zudem werden alle diese Systeme kleiner, was bedeutet, dass auch immer weniger Platz für Steckverbindungen zur Verfügung steht. Hinzu kommt noch, dass der heutige RJ45 aus Kundensicht einige bekannte Schwachstellen hat: Der Verriegelungshebel bricht recht leicht ab, und auch mit den Kontakten gibt es immer wieder Probleme.

Das alles haben wir bei der neuen Steckverbinderfamilie ix Industrial berücksichtigt. Zwar ist diese kleiner als der RJ45, aber deutlich robuster sowohl mechanisch als auch elektrisch mit Datenraten gemäß Cat. 6A. Bestehende Lösungen, die den RJ45 verbessern sollen, sind aus unserer Sicht nicht wirklich geeignet. Der gemeinsam mit Hirose entwickelte ix Industrial ist geschirmt und kann Datenraten von 1 Gbit/s und 10 Gbit/s übertragen. Dieser Stecker wird in der nächsten Zeit zu einer richtigen Familie ausgebaut werden. Um unseren Kunden die Migration zu erleichtern, wird es auch entsprechende Kabel geben, die z. B. auf der einen Seite den ix, auf der anderen Seite den RJ45 haben werden.

Doch wir denken natürlich weiter: Zwar ist der ix Industrial nach IP20 für den Einsatz im Schaltschrank konzipiert, aber wir haben auch entsprechende Lösungen für den Einsatz im Feld. Daher stellen wir parallel den M8 vor, denn M12 ist schon wieder zu groß. Dort geht es immer auch darum, neben Daten auch Energie zu übertragen, also PoDL (Power over Data Line; Anm. d. Red.). Wir bei Harting denken da ganzheitlich.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, das Projekt ix Industrial gemeinsam mit einem Partner zu realisieren?

Da gibt es mehrere Aspekte. Wenn Sie einen neuen Standard setzen wollen, ist es heute für ein einzelnes Unternehmen fast unmöglich, diesen Weg zu beschreiten. Das geht heute nur noch über Kooperationen. Auch die Normung wird leichter, wenn sich mehrere etablierte Anbieter in den entsprechenden Gremien dafür engagieren.

Als zweiter Aspekt ist die Kundenakzeptanz zu nennen. Niemand möchte von einem einzelnen Anbieter abhängig sein, das Dual-Sourcing ist wirklich wichtig. Das Steckgesicht ist in der IEC/PAS 61076-3-124 definiert und dann kann jeder das nachmachen. Aber der Markt ist groß genug, sodass wir keine Probleme damit haben, dass andere uns folgen werden.

Der dritte Aspekt ist einfach Geschwindigkeit, damit unsere Kunden ihre Systeme schnell auf den Markt bringen können. Sie möchten ja die Anforderung ihrer Kunden wiederum nach Konnektivität und IIoT erfüllen. Und das ist leichter und schneller möglich, wenn sich zwei etablierte Verbindungstechnikhersteller zusammentun. Hartings Motto lautet ja »People – Power – Partnership«, und das haben wir bei ix Industrial wieder gelebt. Das war ein toller Start und wir werden unsere Zusammenarbeit mit Hirose weiter ausbauen.

Warum ist Hirose der richtige Partner für Sie?

Beide Firmen ergänzen sich hervorragend sowohl von ihrer Denkart und ihren technischen Kompetenzen als auch von ihren regionalen Stärken. Hirose ist ein typisch japanisches Unternehmen mit Stärken in Asien, wir andererseits sind der Steckverbinderhersteller Nummer Eins in Europa. Zudem sind auch unsere Ausrichtungen verschieden. Der ix Industrial ist ja nicht nur für Industrieanwendungen geeignet, wo wir bei Harting unsere Stärken sehen, sondern auch im Consumer-Bereich, wo Hirose fest verwurzelt ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Harting.

Das Interview führte Ralf Higgelke.