Brexit-Szenarien Potenzielle Auswirkungen auf die Elektronikindustrie

Einschränkung des freien Warenverkehrs

Eine der Errungenschaften der Europäischen Union ist der im Jahre 1993 vollendete Binnenmarkt, der den freien Waren-, Kapital- und Dienstleistungs- sowie Personenverkehr garantiert. Die Elektronikindustrie kann in ganz Europa Produkte über die Grenzen hinweg transportieren, ohne von Zollprozessen betroffen zu werden.

Noch ist unklar, wie genau Großbritannien die EU verlassen wird, und es ist durchaus möglich, dass der EU-Binnenmarkt und die Zollunion für die Briten nicht mehr gelten werden. Dann würde es vermehrte Grenzkontrollen geben, die sowohl Einfluß auf Verwaltungskosten als auch Lieferzeiten haben. Wird also über die britische Grenze hinweg produziert und gehandelt, so bedeutet das für die stark export-orientierte Elektronikindustrie, einen besonderen Eingriff auf die Logistik der Produktions- und Lieferketten.

Mark Peers, Direktor von SupplyPoint, einem Hersteller von adaptiven Bestandsmanagementsystemen mit Standorten in Großbritannien, beschäftigt sich vor allem mit Zeitabläufen:

„Der Brexit bahnt sich an, und es gibt immer noch keine konkreten Aussagen dazu, wie Zoll- und Versandprozesse auf beiden Seiten des Ärmelkanals aussehen werden. Es könnte zu Verzögerungen von ein bis zwei Tagen bis hin zu drei oder vier Wochen kommen, und diese Unsicherheit erschwert das Planen. Um unsere europäischen Unternehmen und Kunden weiterhin effektiv zu unterstützen, mussten wir uns auf viele verschiedene Szenarien einstellen.“

Hersteller und Lieferanten, die Bauteile und Produkte versenden, müssen ihre Versandwege unter die Lupe nehmen. Falls der Weg über Großbritannien führt, warten potenziell nachteilige Kosten und Verzögerungen. Ein relevantes Service-Beispiel betrachtet die Lieferung am Folgetag – Elektronik-Distributoren mit Depots in Großbritannien, die in die EU versenden – oder umgekehrt – könnten hier in den Nachteil geraten.