FBDI Umwelt- und Konformitätskompass Durch den Dschungel der EU-Regularien navigieren

Licht ins Dunkel der EU-Verordnungen verspricht der neu aufgelegte FBDI Umwelt- und Konformitätskompass. Er bietet allen Herstellern entlang der Lieferkette übergreifend in allen Branchen ein leichteres Handling der Direktiven und Gesetzgebungen für elektronische Bauelemente auf EU-Ebene.

Auf weniger als 150 Seiten fasst er die EU-Regularien in drei einander ergänzenden Teilen zusammen und lässt sich auf alle Produkte anwenden. Nicht nur Strafen sind damit vermeidbar, sondern auch die Investition in eigens abgestellte Umweltspezialisten. Dies soll ein Praxisbeispiel zeigen. Grundsätzlich adressiert der »FBDi Kompass« alle Wirtschaftsakteure in der Lieferkette, nicht nur die Distributoren. Das Prinzip funktioniert immer gleich - dank seiner Matrix lässt sich die Frage »Betroffen oder nicht?« für jedes Produkt schnell und einfach klären. Zunächst muss man die eigene Rolle definieren. Denn importiert ein Distributor Waren von außerhalb der EU, garantiert er automatisch für die Einhaltung aller für das Produkt anwendbaren und relevanten Gesetzgebungen.

Ist er innereuropäisch tätig, hat er scheinbar keine Verpflichtungen, vorausgesetzt, sein Vorlieferant agiert von innerhalb der EU aus. Dann aber gehen die Verpflichtungen auf einen anderen Partner in der Lieferkette über, der diese Regularien zu erfüllen hat - und der auch »nur als Händler« dies sicherstellen muss. Also ist der FBDi-Kompass für ihn ebenso hilfreich. Darum gibt es den FBDi-Kompass V2.0 seit Sommer auch in englischer Sprache.

Auch die neuen Direktiven WEEE2 und RoHS2 sind in der aktualisierten Version berücksichtigt, außerdem enthält sie komplett überarbeitete, übersichtlich gestaltete Flussdiagramme (Flowcharts), die zügig durch die Regularien weisen. Jeder Schritt endet mit einem Hinweis darauf, was als nächstes zu prüfen ist. Die Autoren haben auf die flexible Handhabung besonderen Wert gelegt. Alle Teile seien logisch aufeinander aufgebaut und mit Querverbindungen zueinander versehen. Daher lässt sich mit dem FBDi-Kompass auf mehrere Arten arbeiten.

Verschiedene Suchmodi sind möglich. So gibt der Teil 1 »Betroffenheitsanalyse« Auskunft über die eigene Akteursrolle, und führt den Kompass-Anwender gleich weiter zu den für sein Produkt relevanten Vorschriften. Teil 2 »Klassifizierungsalbum« besagt, in welche Produktkategorie das Produkt gehört. Anhand von Beispielbildern kann man sich hier auch rückversichern, dass man sein Produkt der richtigen Kategorie zugeordnet hat. Auch die wichtigsten Verordnungen sind hier erwähnt.

Kennt man die für das Produkt zutreffende Kategorie, reicht der Blick in den Teil 3 »Mandatory Data«. Er enthält die wichtigsten Datenanforderungen für die einzelnen Produktgruppen und Verordnungen, sodass man die erforderlichen Schritte für die Regularien gezielt nachlesen kann. Wie durchdacht die einfache Handhabung ist, soll das konkrete Beispiel eines Universalnetzteils zeigen.

Zunächst entnehmen wir der bebilderten Produktübersicht im Teil 2 (Klassifizierungsalbum) den Seitenverweis zur detaillierten Aufstellung der für dieses Universalnetzteil zutreffenden Verordnungen. Eine Produkt-abbildung verringert die Gefahr von Verwechslungen. Die Tabelle zeigt schnell: Bei unserem Universalnetzteil handelt es sich um ein Elektrogerät gemäß Definition in WEEE1/RoHS1, RoHS2, WEEE2 und CE.

Aufgeführt sind in dieser Matrix des Weiteren alle anwendbaren Substanzregulierungen (u.a. REACH, POP, RoHS2, Batterie, Verpackung), Abfall- und Transportanforderungen, die anwendbaren CE-Richtlinien (EMV, Niederspannung, Funk- und Telekommunikation, RoHS2 und ErP). Die Kennzeichnung Produkt/Verpackung und letztlich die erforderliche Dokumentation runden die Tabelle ab.

Eigene Akteursrolle und Typisierung

Ob und inwieweit die jeweiligen EU-Regularien zutreffen, klärt der Teil 1 des FBDi-Kompass’, die Betroffenheitsanalyse. Grundsätzlich ist die eigene Rolle als Wirtschaftsakteur festzustellen (Bild 1): Ist man also Hersteller oder Importeur des Produkts nach REACh, anderen Substanzregulierungen, CE oder Abfallregularien? Daraus ergeben sich die weiteren Verpflichtungen.

Inwieweit man von den Vorschriften betroffen ist, lässt sich im nächsten Schritt über die Produkttypen-Definition bestimmen. Sie ist grundsätzlich für den gesamten FBDI-Kompass gültig. In weiterer Folge werden die wichtigsten Richtlinien, welche die Distribution elektronischer Bauteile betreffen, mit Hilfe von übersichtlichen Flussdiagrammen abgeprüft.

Die logischen Ja/Nein-Antworten führen entweder zu Textblöcken mit rechtlichen Konsequenzen (KEIN weiterer Einkauf oder Vertrieb), zu zutreffenden Maßnahmen oder zu Empfehlungen zur Handhabung. Wie einfach dies funktioniert, zeigen die verschiedenen CE-Richtlinien im nächsten Schritt: EMV, Niederspannung, RoHS2 und ErP (sofern eine Batterie eingebaut ist).

Komplexes wird einfach dargestellt - ein Flussdiagramm pro Richtlinie soll die Bestimmung erleichtern, ob das Produkt dieser Richtlinie unterliegt. Wenn nicht, geht es direkt weiter zum nächsten Schritt - RoHS. Wenn schon, wäre das für unser Netzteil entweder ein Verbot des Inverkehrbringens und Inbetriebnahme in der EU für den Fall, dass die grundlegenden Anforderungen und/oder zutreffenden Vorschriften (die in einem Hinweis aufgeführt sind) nicht erfüllt werden, oder aber der Hinweis auf den nächsten Prüfschritt RoHS. Auch die Überprüfung unseres Netzteils nach der RoHS und RoHS2 soll mit dem FBDi-Kompass keine Hexerei sein.

Grundlegende Fragen sind: In welche RoHS-Kategorie fällt unser Elektrogerät? Ist eine WEEE-Klassifizierung möglich? Dann ist sie zu dokumentieren. In weiterer Folge wird der RoHS-Status eruiert - ist es Non-RoHS, darf es in der EU/EFTA nicht vertrieben werden. Ist es eine »Exemption«, und ist diese noch gültig? Wenn nicht, bedeutet das Vertriebsverbot.

Wenn schon, ebenso im Falle von Full-RoHS, ist der Status auf den Geschäftspapieren auszuweisen. Außerdem sind die Anforderungen gemäß Artikel 7 und Anhang II zu erfüllen, worauf ein extra Kasten hinweist.

Was passiert bei Nichtbeachten?   
Ein elektronisches Produkt darf in der EU nur dann in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden, wenn es den Bestimmungen aller auf das Produkt anwendbaren EU-Richtlinien (Batterieverordnung, RoHS, REACH, Verpackungsverordnung, u.v.m.) entspricht - egal in welchem vertikalen Markt. Ein Ignorieren oder eine Missinterpretation der EU-Direktiven oder ein falsches Handling kann empfindliche Strafen bis hin zum Produktverbot nach sich ziehen. Das Befolgen der EU-Regularien wird inzwischen durch die Marktübersicht kontrolliert und bei Verstößen empfindlich bestraft.

Nun steht noch der Check nach »anderen Substanzregulierungen« wie Batterierichtlinie, Verpackungsrichtlinie und POP an. Wieder sollen die selbsterklärenden Flussdiagramme schnell den Weg durch die Direktive weisen. Zu überlegen ist hier, ob eine Batterie eingebaut oder beigefügt ist, und wenn ja, wie hoch deren Anteil an Quecksilber und gegebenenfalls an Cadmium ist. Weitere Fragen zur POP-Verordnung drehen sich um die Anteile an Blei und Chrom VI. Daraus ergibt sich das weitere Vorgehen - ob entweder ein Import- und Vertriebsverbot oder als nächstes die REACH-Beurteilung anfällt.

REACH und Entsorgung

Betroffen von REACH sind alle Erzeugnisse (bis auf Software, die ja nicht-stofflich ist), die eingangs klassifiziert wurden. Wichtig im Zusammenhang mit REACH ist die Notifikationspflicht für SVHCs (Substances of Very High Concern), der die Industrie und die Distribution, vor allem als Importeur von Erzeugnissen, unterliegen.
Unser Netzteil ist ein Erzeugnis ohne beabsichtigte Freisetzung, das sich in weiterer Folge mehreren REACH-Einstufungen zuordnen lässt. Das macht eine Einzelbetrachtung notwendig.

Das weitere Handling unterteilt sich nach Import oder Produktion in der EU, für die unterschiedliche Aktivitäten erforderlich sind, beispielsweise bei Registrierung und Autorisierung. Größtmögliche Transparenz verschaffen Hinweise in den Flussdiagrammen auf die jeweils zutreffenden Paragrafen der REACH-Verordnung zum Nachlesen.

Es bleibt nur noch die Abklärung der abfallrechtlichen Verpflichtungen, also Registrierung und künftige Entsorgung. Zwingend zutreffend für das Universalnetzteil als Elektrogerät ist die Transportverpackung, und abhängig vom Marktauftritt die Verkaufsverpackung. Je nach lokaler Gesetzgebung des Vertriebslandes sind noch Vorschriften betreffend Elektroschrott B2B-Produkt oder B2C-Produkt zu beachten.

Abschließend führt eine Übersicht die Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten auf. Wir stellen fest, dass wir für die CE-Kennzeichnung als Hersteller/Importeur beziehungsweise Distributor verpflichtet sind, die technischen Unterlagen und Betriebsanleitung laut Direktive(n) zu erstellen und das Produkt zu kennzeichnen. Die logischen Flussdiagramme der Betroffenheitsanalyse sollen unzählige, generell schwer verständliche Gesetzesseiten auf knapp 35 Seiten zusammenfassen und schnellen Durchblick liefern.

Für Spezialisten gibt es einen noch kürzeren Weg ans Ziel. Weiß man bereits, in welche Kategorie ein Produkt gehört, reicht der Blick in den Teil 3 »Mandatory Data«. Hier finden sich die erforderlichen Daten übersichtlich zusammengestellt, sodass man die erforderlichen Schritte für die Regularien ganz gezielt nachlesen kann. Damit liefert dieser Teil wiederum die Querverbindung zu den beiden anderen Teilen. Hat man also erst begonnen, mit den logisch aufeinander aufgebauten Teilen des FBDi-Kompass’ zu arbeiten, kommen die Querverbindungen voll zum Tragen.

Über den Autor:

Jens Dorwarth ist Vorsitzender des FBDi-Arbeitskreises Umwelt&Compliance.