Covid-19 in Österreich Die Maßnahmen wirken!

Die Hochrechnungen von österreichischen Wissenschaftlern haben sich bestätigt: Das Vermeiden von sozialen Kontakten hilft gegen die Verbreitung von Covid-19.
Die Hochrechnungen von österreichischen Wissenschaftlern haben sich bestätigt: Das Vermeiden von sozialen Kontakten hilft gegen die Verbreitung von Covid-19.

Was die Modellrechnungen der TU Wien und des TU Wien-Spin-Off dwh vor einer Woche vorhersagten (elektroniknet.de berichtete), tritt nun ein: Die verordnete Reduzierung der Sozialkontakte bremst die Krankheitsausbreitung.

In Österreich haben sich die meisten Menschen an die Empfehlungen gehalten und die Anzahl der zwischenmenschlichen Kontakte reduziert. »Somit ist genau das eingetreten, was wir für diesen Fall vor einer Woche vorherberechnet hatten: Die Zahl der Covid-19-Fälle steigt zwar noch, aber der tägliche prozentuelle Anstieg hat sich reduziert. Wir sind auf einem guten Weg«, sagt Niki Popper, CSO und Mitgründer von dwh.

Als sich das Virus in Österreich auszubreiten begann, verdoppelte sich die Zahl der bestätigten Fälle alle zwei oder 2,5 Tage. In den letzten Tagen wurde der tägliche Zuwachs geringer, nun ist von einer Verdopplungszeit im Bereich von vier bis sechs Tagen auszugehen. Genau das hatten die Rechenmodelle vor einer Woche ergeben (siehe auch die Meldung vom 19.03.2020 auf elektroniknet.de).

Nun werden weiterhin Berechnungen durchgeführt, um die einzelnen bisher umgesetzten Maßnahmen zu evaluieren – und auch um abzuschätzen, wie und wann ein Zurücknehmen der Maßnahmen möglich sein wird. Zu diesem Zweck hat sich nun das Team der TU Wien mit Kollegen der Medizinischen Universität und von Gesundheit Österreich zusammengeschlossen. »Wie schnell das geht, hängt von den Erfolgen in nächster Zeit ab. Wichtig ist, möglichst viele Menschen auf das Virus zu testen – entscheidend sind am Ende gemessene Zahlen, nicht Prognosen«, sagt Popper.

Die große Unbekannte: die Dunkelziffer

Wie immer, wenn man so komplizierte Vorgänge am Computer simuliert, gibt es noch einige unbeantwortete Fragen. Eine davon ist: Wie viele Personen sind mit Sars-CoV-2 infiziert, ohne es zu wissen? Wie hoch ist die Dunkelziffer?
»Eine Dunkelziffer gibt es natürlich. Einige Forschungsteams haben auch bereits versucht, diese Dunkelziffer abzuschätzen – das ist gut, aber natürlich sehr schwer«, meint Niki Popper. Erste vielversprechende Überlegungen werden aktuell vom IHS angestellt, mit denen die TU Wien ebenfalls kooperiert.

Sollten doch deutlich mehr Menschen symptomlos infiziert worden sein, wäre das möglicherweise aber keine schlechte Nachricht. Die Zahl der schweren Fälle, die im Krankenhaus betreut werden müssen, ist bekannt. Eine hohe Dunkelziffer würde also bedeuten, dass der Anteil der schweren Fälle niedriger ist als bisher gedacht. Außerdem wäre man bei einer hohen Dunkelziffer dem Ziel der Herdenimmunität bereits näher: Es würde vielleicht nicht mehr so lange dauern, bis ausreichend viele Menschen gegen das Virus immun wären.