Notbremsassistent für niedrige Geschwindigkeit Auffahrunfälle wirksam bekämpfen

330 Millionen Euro Reparaturkosten entstehen durch jährlich 500 000 Bagatellunfälle auf deutschen Straßen. Mit einem vorausschauenden Notbremssystem für niedrige Geschwindigkeiten ließe sich diese Zahl deutlich senken.

Künftig unterstützt das vorausschauende Notbremssystem von Bosch den Fahrer auch bei niedrigen Geschwindigkeiten. Erkennt das System einen drohenden Auffahrunfall, löst es unter 30 km/h nun eine Vollverzögerung aus. Der Unfall lässt sich so oftmals vollständig vermeiden. Den Nutzen dieser Notbremssysteme hat das »Allianz Zentrum für Technik« bereits 2009 errechnet. Wären alle Fahrzeuge mit solch einem System ausgestattet, ließen sich der Untersuchung zufolge allein in  Deutschland jährlich über 500 000 Bagatellunfälle vermeiden. Dies entspräche Reparaturkosten von jährlich 330 Millionen Euro.

Die Funktion erweitert das bisherige vorausschauende Notbremssystem, das bereits 2010 in Serie ging und mittlerweile bei Audi und Volkswagen in mehreren Modellen eingesetzt wird. Die Erweiterung für niedrige Geschwindigkeiten startet erstmals im neuen Audi A5. Das Notbremssystem im A5 nutzt zwei Komponenten von Bosch: den Long-Range-Radarsensor »LRR3« zur Umfelderkennung sowie das Elektronische Stabilitäts-Programm »ESP«.

Da bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h der Abstand zum Vordermann und damit die Zeit vom Erkennen der kritischen Situation bis zur erforderlichen Bremsung oft sehr gering ist, kann der Fahrer nicht rechtzeitig vorab gewarnt werden. Unterschreitet das Fahrzeug einen Mindestabstand und ist die Differenzgeschwindigkeit zu groß, bremst das System daher sofort ab. Um möglichst schnell eine hohe Verzögerung aufzubauen, werden bereits kurz vorher die Bremsbeläge an die Bremsscheiben angelegt. Der Fahrer spürt davon nichts, die so genannte Anschwellzeit verkürzt sich aber um wichtige Millisekunden.

Bei höheren Geschwindigkeiten unterstützt das System weiterhin in Stufen. Zuerst warnt es den Fahrer akustisch oder optisch, gefolgt von einem Bremsruck. Reagiert der Fahrer nicht, wird automatisch eine Teilbremsung durchgeführt. Diese verzögert das Fahrzeug und verschafft dem Fahrer dadurch mehr Zeit zum Reagieren. Tritt er schließlich die Bremse, erhöht das System - falls der Fahrer nur unzureichend bremst - den Bremsdruck soweit, dass wenn möglich das Auto kurz vor dem Hindernis zum Stehen kommt oder die gleiche Geschwindigkeit wie das vorausfahrende Fahrzeug hat.

Die Fachleute sprechen von »Zielbremsung«. Der Fahrer wird damit nun wirksam in allen Fahrsituationen unterstützt: bei höheren Geschwindigkeiten auf der Landstraße oder Autobahn, und künftig auch im dichten Stadtverkehr.