Produkt- und Markenfälschung – Bestandsaufnahme und Abwehrmaßnahmen Bunte Waren auf grauen Märkten

Kopien – auf den ersten oder zweiten Blick

Die naheliegendsten Arten der Produktpiraterie sind Plagiat und Fälschung. Ein Plagiat ist die Nachahmung eines Produkts zum Zwecke der wirtschaftlichen Ausbeutung. Beim Plagiat wird ein Produkt entweder sklavisch exakt oder mit kleinen Änderungen abgekupfert, der Markenname aber leicht abgeändert. Besonders perfide sind größere Änderungen, die jedoch so geschickt gemacht sind, dass sich das gesamte Erscheinungsbild für den flüchtigen Betrachter visuell zum Aussehen des Originalprodukts zusammenfügt (Bild 1). Die Fälschung ist eine Steigerung des Plagiats. Hier ist die Täuschung über die Herkunft perfekt ausgeführt. Der Käufer ist der festen Überzeugung, dass er das Produkt einer renommierten Firma erwirbt. Der Tatbestand der Fälschung ist ein kriminelles Delikt und wird auch entsprechend geahndet (z.B. Ersatzteile, Medikamente, Tonträger, Geldscheine und Münzen, Software usw.). Bei allen Fälschungen werden gewerbliche Schutzrechte (siehe Kasten unten) verletzt. Um rechtlich gegen mögliche Fälscher vorgehen zu können, ist es wichtig, diese Rechte auch anzumelden.

Plagiate und Fälschungen zeichnet die Aktion Plagiarius jedes Jahr aus. Die Trophäe – ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase – nehmen die „Gewinner“ aus verständlichen Gründen nicht selbst entgegen. Dafür wird ihnen dauerhafter „Ruhm“ auf der Website www.plagiarius.com zuteil. Diese Website widerlegt auch das Vorurteil, dass fast alle Produktfälschungen aus China kommen. Der Hersteller befindet sich zwar meist in Fernost, die Auftraggeber für Fälschungen sitzen aber oft hierzulande. Außerdem sind Fälschung und Plagiat nur eine Spielart der Piraterie. Die Wirklichkeit ist noch weitaus komplizierter, denn auch mit legalen Waren kann es illegalen Handel geben.

Es gibt z.B. Länder, in denen es möglich ist, ein im Urheberland registriertes Markenzeichen völlig legal durch Dritte anzumelden – mit dem Ergebnis, dass der eigentliche Eigentümer unter seinem Markenzeichen in diesem Land nichts verkaufen darf. Will der Inhaber des Originals nicht „draußen vor der Tür“ bleiben, muss er sich mit dem Markenpiraten in irgendeiner Form einigen, was meistens sehr teuer ist. Solche Probleme hatten z.B. Puma in Spanien oder Mercedes mit der E-Klasse in Frankreich.

In der globalisierten Welt sind Entwicklung, Herstellung und Vertrieb über mehrere Kontinente verteilt. Die Warenflüsse sind unübersichtlich und weisen Lücken auf, die sich illegale Händler zunutze machen. Wer sich gegen Piraterie wehren will, sollte zunächst den Weg analysieren, den seine Waren nehmen (Bild 2), und mögliche Schlupflöcher abdichten. Da kann es den ganz trivialen Diebstahl geben, aber auch B-Ware, die über dubiose Kanäle fließt und als Sonderangebot im Internet auftaucht. Oder eine Veruntreuung durch den Hersteller, indem von den ganz regulären Waren mehr produziert wird, als in Auftrag gegeben wurde. Weiterhin spannt der Graumarkt seine Netze über Länder mit starken regionalen Preisunterschieden. Auch hier werden authentische Waren gehandelt – nur eben auf anderen Wegen als vom Hersteller vorgesehen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Legalität und Illegalität: Während preiswerte Pharma-Produkte aus Entwicklungsländern eindeutig nicht für den hiesigen Markt bestimmt sind und im Ursprungsland sogar zu einer Verknappung führen können, ist z.B. der Autokauf außerhalb Deutschlands eine völlig legale Angelegenheit. Allerdings muss im letzteren Fall auch der Kunde selbst aktiv werden und es findet kein illegaler Reimport statt.

Erkennungsmarken setzen

Um Warenströme zu kontrollieren und die Authentizität von Produkten zu sichern, kommen z.B. RFID-Etiketten in Frage. Aber es muss keineswegs gleich eine elektronische Lösung sein. Schon 1998 haben Forscher der Universität Mannheim eine Methode entwickelt, um auf Tesafilm Daten zu speichern. Daraus wurde das Produkt Tesa-ROM. Eine Weiterentwicklung davon ist Tesa Holospot, das von Tesa Scribos (www.tesa-scribos.de) entwickelt und vertrieben wird. Holospot ist ein Etikett, bei dem jedes Exemplar durch Laserimpulse beschrieben zu einem Unikat wird. Das Etikett misst 5 × 10 mm2 und besteht aus einer Matrix von 500 × 1000 Punkten. Alle optischen Strukturen sind im Material gekapselt. Die Punktmatrix wird individuell durch einen Laserstrahl beschrieben. Das Etikett kann mehrere Ebenen der optischen Verifkation enthalten: z.B. eine mit bloßem Auge sichtbare Seriennummer und ein Logo, in dem sich ein maschinenlesbares Bitmuster verbirgt (Bild 3). Damit kann dieses Etikett mehr Informationen speichern als ein Reisepass. Siemens VDO schützt seine Ersatzteile mit diesen Etiketten. Auch auf einigen Nivea-Produkten sind die Tesa-Holospot-Etiketten zu finden (Bild 4). Die Kosten pro Etikett liegen im unteren einstelligen Cent-Bereich, abhängig von den Daten, die geschrieben werden. Für den Standard-Prozess kann man mit 4 bis 5 Cent pro Etikett rechnen.