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DLR-Studie zu Corona und Mobilität

Öffentliche verlieren, Individualverkehr gewinnt an Bedeutung

29. September 2020, 15:21 Uhr   |  Gerhard Stelzer


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Auto mit Wohlfühlfaktor, ÖPNV als Verlierer

In der ersten und zweiten Befragung verbinden die Teilnehmenden sehr unterschiedliche Gefühle mit den Verkehrsmitteln: Großes Unbehagen äußern sie gegenüber Bahn, Flugzeug, Carsharing und dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Besonders unwohl fühlen sich die Befragten im Flugzeug (31 %), gefolgt von Bahn und ÖPNV (25 %). Allerdings ist bei Personen, die häufig den ÖPNV nutzen, das Unbehagen besonders stark ausgeprägt. Frauen sind dabei kritischer als Männer. Besonders unwohl fühlen sich auch junge Menschen und Städter. »Das ist eine bedenkliche Entwicklung. Denn das sind genau die Gruppen, die im Alltag den öffentlichen Nahverkehr häufig nutzen. Der ÖPNV gehört damit zu den großen Verlierern der Krise«, bilanziert Lenz.

Das Auto ist weiterhin mit einem deutlichen Wohlfühlfaktor verknüpft. Dieser ist im Sommer weniger stark ausgeprägt als im Frühling, aber nach wie vor deutlich vorhanden. 80 Prozent geben keine Veränderung an, 16 Prozent fühlen sich deutlich wohler. Im Lockdown hat rund ein Drittel der Personen aus Haushalten ohne Auto den eigenen PKW vermisst. Dieser Wert ist auf ein Fünftel zurückgegangen. Fast 60 Prozent der Nutzerinnen und Nutzern von öffentlichen Verkehrsmitteln geben an, dass ihnen das eigene Fahrzeug fehlt. Von den Befragten, die im Alltag Fahrrad fahren, sind es nur 13 Prozent. Die Absicht von Personen aus Haushalten ohne Auto, ein solches zu kaufen, bleibt bei sechs Prozent. Bei knapp drei Viertel davon steht die Kaufabsicht in Zusammenhang mit Corona.

Bedeutung des Online-Handels steigt weiter

Bei der zweiten Befragung im Juni und Juli gaben die teilnehmenden Personen an, ähnlich häufig Geschäfte für den täglichen Bedarf aufzusuchen wie vor der Corona-Zeit. Allerdings fühlen sich viele dabei nach wie vor unwohl. Zwei von drei stimmten der Aussage zu, dass ein Einkaufsbummel aktuell weniger Spaß mache. Das umfangreiche Ausweichen auf Online-Einkäufe hält an: 82 Prozent hatten in den vier Wochen vor der Umfrage online eingekauft, vor der Pandemie waren dies nur knapp die Hälfte. Vor allem jüngere Erwachsene bis 35 Jahre kaufen sehr häufig online ein, fast die Hälfte davon mindestens vier Mal im letzten Monat. Ein Drittel aller Teilnehmenden geht davon aus, dass sie auch in einem Jahr noch häufiger online shoppen werden.

Freizeit im Corona-Sommer

Im Vergleich zu den Sommermonaten des Vorjahres gaben die Befragten an, Freizeitaktivitäten deutlich seltener durchgeführt zu haben. Diese Zurückhaltung bezieht sich auf Großveranstaltungen, aber auch auf den Besuch von Restaurants, kulturellen Veranstaltungen sowie sportliche Aktivitäten. Hingegen wurden Freizeitinhalte, bei denen es unwahrscheinlich ist, auf viele Menschen zu treffen, ähnlich oft ausgeübt. Rund die Hälfte gab an, sich besonders bei Aktivitäten in geschlossenen Räumen unwohler oder deutlich unwohler zu fühlen als vorher.
Trend zum Homeoffice setzt sich fort
Nach wie vor arbeiten viele der Befragten von zu Hause. Fast vierzig Prozent der Berufstätigen unter den Teilnehmenden an der Studie berichten, dass sie teilweise oder immer von zu Hause arbeiten. Sie handhaben dies allerdings flexibler als bei der ersten Studie im April. 75 Prozent der Befragten mit der Möglichkeit zu Homeoffice bewerten dies als positiv. Gegenüber dem Frühling ist diese Zahl um 15 Prozent gestiegen. Der Anteil der Personen, die sich vorstellen können, langfristig vermehrt von zu Hause zu arbeiten hat im Vergleich zum April zugenommen: von 59 Prozent auf 70 Prozent.

Steckbrief der Studie

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Stichprobe von 1.000 Personen in Deutschland im Alter zwischen 18 und 82 Jahren. Das Erhebungsinstitut Kantar führte die Befragung im Auftrag des DLR-Instituts für Verkehrsforschung im Zeitraum von 29. Juni bis 8. Juli 2020 durch. Die Mobilitätsexpertinnen und -experten des DLR planen im Herbst eine dritte Erhebungsphase. Ziel ist es, mittel- bis langfristige Veränderungen im Mobilitätsverhalten und in den Einstellungen zu den unterschiedlichen Verkehrsmitteln weiter zu untersuchen.

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