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Digitale Stromzähler werden Pflicht

Smart Meter – Fluch oder Segen?

29. April 2020, 10:03 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Kosten für Verbraucher

Sieht man von den Sicherheitsvorgaben ab, gibt es Vor- und Nachteile von Smart Metern. So können Endverbraucher ihren Strombedarf nahezu in Echtzeit ablesen und somit optimieren. Sie wissen also genau, wie viel Strom etwa am Vortag oder in der vergangenen Woche bezogen wurde.

Denkbar ist, künftig auf Abschlagszahlungen zu verzichten und exakte Abrechnungen einzuführen, so ein Sprecher von E.ON. Beispielsweise plant der Netzbetreiber ein Online-Portal, auf dem jederzeit Messwerte einles- und abrufbar sind. Für den Endverbraucher soll ein Smart Meter mehr Flexibilität bedeuten, so kann er bestimmte Verbraucher wie einen Trockner in der Nacht einschalten, um die günstigsten Tarife auszunutzen. Ebenso kann das einen Vorteil für den Ladevorgang eines Elektroautos bedeuten. Allerdings funktioniert das nur in der Theorie: Dazu müssten nämlich alle Geräte miteinander vernetzt sein, also ein Smart Home vorliegen. Alle genannten Funktionen sind derzeit lediglich mit einem Smart Meter nutzbar, nicht mit einer intelligenten Messeinrichtung.

Ein positiver Effekt entsteht laut E.ON mit der freien Wahl des Messstellenbetreibers, der momentan gleich dem Netzbetreiber ist. Mit einem Smart Meter können Kunden künftig ihren Messstellenbetreiber flexibel wählen, unabhängig vom Netzbetreiber.

Geht man auf die Kosten für Smart Meter ein, kommt man automatisch zu den Nachteilen. Ein alter analoger Zähler kostete etwa 20 Euro in der Anschaffung und lief mit geringer Leistungsaufnahme viele Jahre. Im Durchschnitt liegen in NRW die jährlichen Kosten für den Messstellenbetrieb mit einer konventionellen Messeinrichtung derzeit bei rund 13 Euro brutto. Bei Smart Metern ist das, wie bei der Erklärung der Funktionsweise bereits beschrieben, anders. Hinzu kommen die hohen Anschaffungskosten. Sie liegen im Moment bei 200 bis 300 Euro zuzüglich dem Einbau vom Fachmann.

Kosten Smart Meter
© Verbraucherzentrale NRW

Tabelle 1. Jährliche Preisobergrenzen für Smart Meter.

Die Obergrenze für die jährlichen Kosten ist gesetzlich festgelegt. Jedoch gilt das nur, wenn sich der Nutzer den Zähler nicht freiwillig angeschafft und nicht den grundsätzlich zuständigen Messstellenbetreiber gewechselt hat. Die Kosten hängen von der Menge des bezogenen Stroms beziehungsweise der Leistung der stromerzeugenden Anlage ab. Ein Durchschnittshaushalt mit vier Personen und einem Verbrauch von 3.400 kW/h pro Jahr wird zum Beispiel mit bis zu 40 Euro zur Kasse gebeten. Für eine moderne Messeinrichtung dürfen Netzbetreiber unabhängig von der Höhe des Strombezugs lediglich maximal 20 Euro pro Jahr berechnen (Tabelle 1).

Hinzu kommen eventuelle Umbaukosten für den Stromverteilerkasten. Gerade bei alten Häusern, die vor 1965 gebaut wurden, sind oft noch Altinstallationen verbaut, die bisher unter Bestandsschutz fielen. Sobald der Hausbesitzer Änderungen vornimmt, muss die Installation neuen Richtlinien entsprechen. So können für den Endverbraucher zusätzliche Kosten von mehreren Tausend Euro entstehen.

Aufwand versus Nutzen

Aufgrund des neuen Gesetzes ist der Einbau von intelligenten Messsystemen als Mindestanforderung in allen Haushalten unumgänglich. Für Smart Meter bleiben die Fragen nach der Sicherheit, langwierige und aufwendige Zertifizierungsprozesse dahingestellt. Ob die Maßnahmen wirken, wird sich zeigen. Für Verbraucher können hohe Kosten entstehen, insbesondere für Besitzer von alten Installationen. Dass der Nutzen den Aufwand aufwiegt, ist im Moment nicht zu erwarten. Gerade weil entsprechende Stromtarife noch im Angebot fehlen, geschweige denn viele Hausbesitzer ein Smart Home besitzen. Erst mit entsprechender Flexibilität wird ein gewisser Nutzen erkennbar sein.

Literatur

[1] http://www.gesetze-im-internet.de/messbg/index.html
[2] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/preise-tarife-anbieterwechsel/smart-meter-die-neuen-stromzaehler-kommen-13275
[3] https://discovergy.com/blog/wie-viel-energie-verbraucht-ein-smart-meter
[4] https://www.conrad.de/de/o/wechsel-drehstromzaehler-0809093.html
[5] https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/smart-meter-die-probleme-mit-dem-intelligenten-stromzaehler/24848402.html?ticket=ST-198659-qUtfJVhKhkuIgOFelTE1-ap4
[6] https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Publikationen/Broschueren/Smart-Meter-Gateway.pdf?__blob=publicationFile&v=11
[7] https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/DigitaleGesellschaft/SmartMeter/smartmeter_node.html
[8] https://bizz-energy.com/cyber_risiko_bei_smart_meters_hacker_empfiehlt_haftung_fuer_hersteller

Tobias Schlichtmeier
© WEKA Fachmedien

Tobias Schlichtmeier ist seit März Redakteur der Elektronik. Davor hat er ein 18-monatiges Volontariat in der Redaktion absolviert. Er besitzt einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftsingenieur­wesen der Hochschule Landshut. Vor seiner redaktionellen Tätigkeit war er knapp 15 Jahre für den Energieversorger E.ON in unterschiedlichen Funktionen tätig. Bei der Elektronik betreut er die Bereiche Embedded Systems, Software Engineering sowie Industrie 4.0 und IoT.

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1. Smart Meter – Fluch oder Segen?
2. Der Weg zur Zertifizierung
3. Kosten für Verbraucher

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