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Deutscher Markt für Labornetzgeräte

Kurzer Schock, schnelle Erholung

25. Juli 2021, 09:20 Uhr   |  Engelbert Hopf

Kurzer Schock, schnelle Erholung
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Deutlich besser als erwartet kamen die Anbieter von Labornetzteilen auf dem deutschen Markt durch das Corona-Jahr 2020. Aufträge aus dem Bereich Automobiltechnik und regenerative Energien treiben die Markterholung. Rückspeisefähigkeit als Feature wird vor allem bei großen Leistungen immer wichtiger.

Vor einem Jahr waren die Hoffnungen der Laborstromgereätespezialisten, unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle, auf die Wirkung der weltweit initiierten Konjunkturprogramme gerichtet. Diese, so die Hoffnung, sollten einen massiven Geschäftseinbruch mit möglicherweise jahrelanger Erholungsphase verhindern. Hoffnungen, die sich offenbar bewahrheitet haben, wie eine aktuelle Umfrage von Markt&Technik unter den Labornetzteilspezialisten ergab.

Umfrage unter Labornetzgeräte-Herstellern

Stefan Dehn, Schulz-Electronic Labornetzgeräte-Branche
© Schulz-Electronic

Stefan Dehn, Schulz-Electronic »Wir haben trotz des Einbruchs im Solarbereich vor einige Jahren weiter auf dieses Pferd gesetzt und können heute entsprechende Lösungen für Testumgebungen im Solar-/Wechselrichterbereich anbieten.«

»Die großen Einbrüche, welche die Elektronikfachverbände im vergangenen Herbst und Winter dokumentiert haben«, so Stefan Dehn, Marketing- und Vertriebsleiter bei Schulz-Electronic, »haben uns glücklicher Weise nur gestreift«. Eine Einschätzung, die bei einer aktuellen Branchenbefragung alle Interviewten bestätigten. »Aktuell sind es insbesondere die E-Mobility-Forschung sowie die Entwicklung im Bereich Automotive bis Luftfahrt, die derzeit echte Markttreiber sind. Nicht zu vergessen auch die regenerativen Energie- und Speicherlösungen«, freut sich Dehn über die spürbare Markterholung in diesem Jahr.

»Natürlich sind die Auswirkungen der Corona-Krise nicht spurlos an uns vorübergegangen«, versichert Roland Kosmowski, Vertriebsleiter bei ET System electronic, »aber durch unser breites Standardprogramm und unsere Möglichkeit zur Modifizierung von Standardgeräten schon ab kleinen Stückzahlen, konnten wir die Verschiebungen des letzten Jahres gut kompensieren«. Wolfgang Horrig, Sales Manager bei EA Elektro-Automatik, berichtet, »dass sich Situation am Markt seit dem 3. Quartal 2020 wieder deutlich stabilisiert hatte, und ab dem 4. Quartal hatten wir dann zumindest aus unserer Sicht wieder einen absolut normalen Zustand«.

Für Peter Bannert, Product and Sales Manager bei Heinzinger electronic, »waren die Bereiche E-Mobilität und Medizintechnik in der Pandemie 2020 nicht rückläufig«. Erst zum 4. Quartal 2020 und Beginn des Jahres 2021 seien Verschiebungen von Projekten und damit verzögerte Auftragseingänge zu beobachten gewesen. »Das Jahr 2020 verlief definitiv positiver als erwartet«, versichert Oliver Walter, CEO der Camtec Power Supplies. Er geht sogar soweit, »dass wir mit etwas Glück zum Jahresende 2021 an die Pre-Pandemie-Performance anknüpfen können!«.

Roland-Kosmowski, ET-System-electronic, Labornetzgeräte-Branche
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Roland-Kosmowski, ET-System-electronic: »Bei uns ist der Anteil an bidirektionalen AC- und DC-Quellen steigend, aber sie haben noch nicht das Niveau der klassischen DC-Quellen erreicht.«

Branche kämpft mit Kollateralschäden

Doch so gut die Branche durch die letzten 17 Monate der Pandemie gekommen sein mag, auch sie kämpft mit den Kollateralschäden, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie hervorgerufen wurden. An erster Stelle wären hier Produktionseinschränkungen durch Lockdowns sowie drastisch reduzierte Cargo-Rückgänge durch die Streichung des Personenflugverkehrs und die dadurch hervorgerufenen Logistikprobleme der Lieferkette zu nennen. Durch die rasante wirtschaftliche Erholung in Asien, speziell in China, und die enorme Sogwirkung des dortigen Bauelemente- und Komponentenbedarfs, kämpfen inzwischen auch die Labornetzgerätespezialisten mit Versorgungsproblemen.

»Auch wir können Hableiterlieferzeiten von bis zu zwölf Monaten bestätigen«, berichtet etwa Matthias Fischer, Team Leader Produkt Manager & FAE bei TDK-Lambda, »und unsere Werke nennen Beschaffungszeiten von sechs Monaten für Chip-Widerstände und MLCCs«. Durch immense logistische Anstrengungen, so Fischer, »konnten wir Lieferengpässe bei unseren Laborstromversorgungen bisher gänzlich vermeiden«. Doch die nahe Zukunft sieht anders aus: »Wir gehen inzwischen davon aus, dass wir im Spätherbst die Lieferzeiten leicht anpassen werden müssen.«

Peter Bannert, Heinzinger-electronic, Labornetzgeräte-Branche
© Heinzinger-electronic

Peter Bannert, Heinzinger-electronic: »Bei unseren Produkten für den Automotive-Markt ist die Netzrückspeisung zwischenzeitlich zu einem elementaren Bestandteil des Gerätedesigns geworden.«

»Wir haben bei Camtec auch schon in der Vergangenheit mit einem Vorlauf von ein bis eineinhalb Jahren gearbeitet, was unsere benötigten Materialien und Komponenten betraf«, so Walter, »was es allerdings bedeutet, wenn Häfen wie Rotterdam oder Hamburg von den Listen der großen Redereien vorerst gestrichen werden, da diese nicht mehr schnell genug abfertigen, kann sich jeder leicht ausmalen!«. Zwar sei jeder bestrebt, die aktuelle Phase schnell zu überwinden, »aber es ist wohl damit zu rechnen, dass sich diese Probleme bis ins Jahr 2022 weiter hinziehen werden«.

»Was uns wirklich überrascht hat«, so Kosmowski, »ist die hohe Dynamik der wirtschaftlichen Erholung«. Da man bei ET System immer auf einen ausreichenden Lagerbestand geachtet habe, »sind wir nicht so von den aktuellen Versorgungsketten und Logistikproblemen betroffen«. Horrig sieht in der aktuellen Situation vor allem Hersteller bevorteilt, die Geräteversionen auf standardisierten Plattformen produzieren, »und sich somit über Vorplanung mit entsprechenden Komponenteneinlagerungen diverser kritischer Bauteile vor der Marktverknappung durchaus effizient schützen, oder deren negative Auswirkungen zumindest einschränken können«.

Auch Bannert gibt zu, »dass auch wir, trotz oftmals sehr langer partnerschaftlicher Verbindungen in der aktuellen Situation teilweise vor Herausforderungen im Beschaffungsmarkt stehen, was auch die ein oder andere Verfügbarkeit unserer Geräte verzögern kann«. Um die Kunden zeitgerecht bedienen zu können, hat man bei Heinzinger zum Teil Geräte vorproduziert. »Gerade bei Batterieprüfständen ist die kurze Lieferzeit unserer Geräte derzeit ein Wettbewerbsvorteil«, so Bannert.

Matthias Fischer, TDK-Lambda, Labornetzgeräte-Branche
© TDK-Lambda

Matthias Fischer, TDK-Lambda: »Aufgrund der Corona-Situation wurden viele Investitionen bei Testständen und anderen Projekten im Automobilbereich verlangsamt oder bis auf Ende 2021 verschoben.«

Dehn schätzt es als überaus positiv ein, dass Gerätelieferanten wie Delta Elektronika benötigte Komponenten für mindestens ein Jahr im Voraus ordern, »und so gezielt einen Puffer aufgebaut haben, der unsere Geräteversorgung weiter sicherstellt«. Aber es hat eben einen Preis, wenn ein Chip, der zu normalen Zeiten für zwei Euro zu beschaffen ist, plötzlich bei 47 Euro liegen kann! Vor diesem Hintergrund habe Schulz-Electronic zuletzt von verschiedenen Lieferanten Preiserhöhungen angekündigt bekommen. Vor diesem Hintergrund rechne man spätestens ab Oktober mit Preissteigerungen im Bereich von vier bis acht Prozent. Gleichzeitig wachsen die Lieferzeiten von vier bis sechs auf acht bis zehn Wochen. In speziellen Bereichen liegen sie sogar jetzt schon bei über 18 Wochen.

Steigende Lieferzeiten kann auch Horrig bestätigen: »Lagen sie vor der Corona-Pandemie bei vier bis acht Wochen, sind aktuell zwölf bis 16 Wochen keine Seltenheit mehr«. Während Bannert der Überzeugung ist, dass die Standardlieferzeiten gehalten werden können, ist er, was die Preisentwicklung am Beschaffungsmarkt betrifft, skeptischer: »Es kann sein, dass wir wie andere auch bei den Preisen gegebenenfalls reagieren müssen.« Ganz ähnlich klingt Kosmowski: »Aufgrund der hohen Nachfrage mussten wir unsere Produktlieferzeiten etwas anpassen, und auch bei den Preisen können wir für die Zukunft Erhöhungen nicht ausschließen.«

Oliver Walter, Camtec Power Supplies, Labornetzgeräte-Branche
© Camtec Power Supplies

Oliver Walter, Camtec Power Supplies: »Die Halbleiterknappheit ist kein branchenspezifisches Problem, sondern wird sich auch auf die Lieferkette von Investitionsgütern ausweiten. Darum sollte man von der rein betriebswirtschaftlichen zur strategischen Planung zurückkehren.«

Für den Spätherbst rechnet auch Fischer damit, dass TDK-Lambda seine Lieferzeiten leicht anpassen muss. »Höhere Preise für Logistikdienstleistungen, Rohstoffe und Fertigprodukte haben dazu geführt, dass wir eine vorübergehende Kostenanpassung im niedrigen einstellen Prozentbereich weitergeben müssen.« Für Walter kann sich jeder ausmalen, »dass vor dem Hintergrund des immer schwieriger werdenden Materialflusses die Lieferzeiten am Ende steigen müssen«. Natürlich würden sich die daraus resultierenden Kosten über die Bauteilkosten und die Produktionsverzögerungen auch auf die Gerätepreise auswirken.

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1. Kurzer Schock, schnelle Erholung
2. Preiserhöhungen zeichnen sich ab

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