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Gut gebrüllt

18. September 2020, 10:52 Uhr   |  Ingo Kuss

Gut gebrüllt
© Markt & Technik

Dr. Ingo Kuss, Chefredakteur, IKuss@weka-fachmedien.de

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Wird es Kaufprämien auch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor geben? Ausgerechnet diese Frage wurde im Vorfeld des Autogipfels von Politik und Wirtschaft am 8. September besonders heiß diskutiert – obwohl es bei der Videokonferenz ja eigentlich um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Automobilbranche gehen sollte. Tatsächlich spielte das Thema Finanzhilfen dann auch nur eine untergeordnete Rolle; konkret soll etwa ein Transformationsfonds zur Stärkung des Eigenkapitals von Zulieferern geprüft werden.

Weniger öffentlichkeitswirksam, aber für den Technologiestandort Deutschland von potenziell weitaus größerer Bedeutung ist dagegen die Übereinkunft, autonomes Fahren und Digitalisierung zu fördern. So soll Deutschland das erste Land weltweit sein, das autonomes Fahren landesweit im Regelbetrieb erlaubt. Bereits für 2022 erwarten die Gipfelteilnehmer entsprechende Modelle auf den Straßen.

Gut gebrüllt, Löwe – für deutsche Verhältnisse sind das ungewöhnlich markige Töne. Vor allem an der Erwartung, bereits 2022 sei ein Regelbetrieb mit Roboterfahrzeugen möglich, sind Zweifel erlaubt. Doch mit der politischen Willensbekundung, beim autonomen Fahren im Alleingang vorzupreschen und den deutschen Unternehmen damit einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, ist ein echter Durchbruch gelungen.

Denn bislang wirken die rechtlichen Rahmenbedingungen eher als Bremsklotz, da sie weniger automatisierte Fahrfunktionen zulassen, als nach jetzigem Stand der Technik bereits möglich wären. So sinnvoll einheitliche europäische oder gar weltweite Regelungen bei etablierten Technologien sind, so wenig helfen sie, sich in einem hochdynamischen Wettbewerbsumfeld mit völlig neuen Playern durchzusetzen. Und in genau einer solchen Situation befindet sich die Automobilindustrie gerade.

Allerdings hat alles, was auf dem Autogipfel besprochen wurde, bislang nur den Status einer Absichtserklärung. Wie schnell lässt die Politik also ihren Worten nun auch Taten folgen? Regelungen zum autonomen Fahren sind immer eng mit Haftungsfragen verknüpft; entsprechend komplex dürfte das Regelwerk ausfallen. Im direkten Vergleich sind Mautgebühren für PKWs da eine eher triviale Angelegenheit – und es ist ja bekannt, wie dieses Vorhaben ausging. Anders formuliert: Den uneingeschränkten Regelbetrieb für autonome Fahrzeuge einzuführen wäre doch eine tolle Gelegenheit, um es besser zu machen.

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