Schwerpunkte

electronic displays Conference

Schlüsselkomponente »Display«

17. Februar 2020, 14:08 Uhr   |  Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach

Schlüsselkomponente »Display«
© Uwe Niklas

Die Konsumelektronik setzt die Trends und bestimmt die Technologie-Roadmaps der Displays. Die Gerätehersteller der Industrie müssen dem folgen, dürfen aber Langlebigkeit und Zuverlässigkeit für den jeweiligen Einsatzzweck nicht aus den Augen verlieren.

Displays bestimmen ganz wesentlich unser modernes Leben, sei es im »Privaten« – der Consumer Electronic – oder im »Professionellen« wie in Fahrzeugen und der Automatisierungstechnik. Analog zu vielen anderen Branchen geben auch in der Displayindustrie die CE-Anwendungen den Takt und die Innovationen vor. Dies ist offensichtlich, da die Investitionskosten für eine neue Display-Produktionsstätte im einstelligen Milliardenbereich liegen. Ein solcher Kostenaufwand lässt sich mit professionellen Displays, die umsatzmäßig weniger als 10 % ausmachen, nicht amortisieren.

Es gibt aber viele Beispiele, dass ein europäischer Display-Integrator mehr Gewinn durch Added Value erzielt als sein Display-Lieferant. Jedoch gilt es für ein nachhaltiges Geschäftsmodell, frühzeitig CE-Innovationen in professionelle Anwendungen einzuführen. Das bedeutet: Profunde Fachkenntnisse und ein exzellentes Netzwerk sind unabdingbar.

OLEDs in professionellen Anwendungen

In dieser Ausgabe der DESIGN&ELEKTRONIK finden Sie ein Interview mit dem Erfinder der OLEDs, Prof. Dr. Ching W. Tang. Seine Erfindungen wurden Ende der 1980iger Jahre publiziert und es dauerte ca. 25 Jahre bis zur hochvolumigen Produktion von OLEDs für Smartphones. Spannend und sehr kontrovers diskutiert wird jedoch die Frage, wann OLEDs für professionelle Systeme einsatzreif und konkurrenzfähig sind. Gerade hier spielt ja auch die Supply Chain eine bedeutende Rolle und da haben LCDs einen jahrzehntelangen Vorsprung. Sie weisen ferner auch noch genügend Innovationspotenzial wie Dual-Cell (OLED-ähnlicher Kontrast bei moderatem Panelaufpreis) und verbesserte Farbwiedergabe durch Quantum-Dots auf. Hinzu kommt noch der Preisverfall der LCDs durch dramatischen Kapazitätsaufbau in China.

Andererseits investieren aber auch alle (diese) Hersteller in OLED-Aktivitäten. Der Durchbruch im professionellen Bereich ist am ehesten da zu erwarten, wo die Differenzierungsmerkmale der OLEDs zum Tragen kommen wie flexibel, transparent, tiefstes Schwarz und superschnelle Schaltzeiten. Für viele professionelle Anwendungen muss aber auch die »nutzbare« Lebensdauer von OLEDs entsprechend hoch sein. »Nutzbar« sei hier so definiert, dass zwar Burn-in-Effekte auftreten dürfen, diese aber im Bereich der Wahrnehmungsschwelle liegen sollten. Hier bedarf es ausgiebiger Evaluierungen, da die Bildschirminhalte und der Einsatz burn-in-reduzierender Maßnahmen wie Shifting signifikanten Einfluss haben. Gedruckte OLEDs haben das Potenzial, preislich im Bereich von LCDs zu liegen.

Bald Mikro-LED-Displays?

Ein hochaktuelles Thema sind Micro-LEDs, die sich aber zugegebenermaßen noch im Forschungsstadium und frühen Prototypenbau (z. B. Playnitride & Tianma) befinden. Die spannende Frage ist, ob Micro-LEDs schneller den kommerziellen Durchbruch schaffen als OLEDs. Möglicherweise ja, da sie dieselben Vorteile und Differenzierungsmerkmale aufweisen, aber praktisch kein Lebensdauer-Problem haben und höchste Leuchtdichten erzeugen können. Ist Zurücklehnen und zehn Jahre abwarten dann die richtige Strategie?

Display-Systeme bestehen aber nicht nur aus dem Display-Glas, sondern stellen ein komplexes Zusammenspiel von Hard- und Software mit Interaktion und optischer Ausgabe dar. Immer performantere Prozessoren und Grafik-Controller ermöglichen höhere Auflösungen und anspruchsvollere Animationen. Hier geht der Trend im professionellen Bereich weiter in Richtung PC-ähnliche Systeme sowie SoCs aus der Consumerwelt; so hält beispielsweise die MIPI-Schnittstelle Einzug in industrielle Anwendungen.

Da Anwender durch Smartphone-Displays quasi an höchste Bildqualität gewöhnt sind, erwarten sie dies auch im beruflichen Umfeld oder beispielsweise bei Werbe-Displays. Als Konsequenz müssen somit immer ausgefeiltere optische Messverfahren zur Display-Evaluierung eingesetzt werden. Last but not least: Virtual, Augmented und Mixed-Reality-Displays sind zwar technologisch hochspannend, die meisten Nutzer in Europa werden sich aber mit der Anwendung beschäftigen. (jk)

ELECTRONIC DISPLAYS CONFERENCE

Sind Sie neugierig geworden, haben Sie Anregungen bekommen oder gibt es mehr Fragen als Antworten für Sie? Dann besuchen Sie die electronic displays Conference, die am zweiten und dritten Tag der embedded world stattfindet. Ca. 70 Beiträge und hunderte von Display-Experten aus allen Gebieten machen die electronic displays Conference 2020 zu einem »Muss« für jeden professionellen Displayanwender entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Alle oben angerissenen Themen und noch viele mehr wie automotive Displays stehen im Mittelpunkt. Ferner gibt es Beiträge namhafter Experten zu Display-Interfaces, Optimierung von Displays, Touch und HMI etc. Es ist nichts effektiver, als Anregungen aus erster Hand zu bekommen und eigene Ideen und Projekte mit Experten zu diskutieren!

Datum: 26. und 27. Feb. 2020

Ort: Messe Nürnberg

Programm und Anmeldung: www.electronic-displays.de

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